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Riechstoff: Celebrity Fragrance Death Match

12.11.2012 | 18:02 |  Daniel Kalt (Die Presse - Schaufenster)

Lady Gaga, Madonna und Christina Aguilera: Ungleich den Fans von Popstars bewertet die Riechstoff-Kolumne "Celebrity Fragrances" nach olfaktorischen Kriterien.

 

Die große Beliebtheit des "Celebrity Death Match"-Formats lässt erahnen, dass auch bei der Beurteilung von sogenannten "Celebrity Fragrances" die Fangemeinden der Stars, nach denen der eine oder andere Duft benannt ist, einander unerbittlich und unversöhnlich gegenüberstehen. In den Foren von Websites wie "Fragrantica" oder "Basenotes" wird also gegebenenfalls nicht nur eine mehr oder weniger kundig ausformulierte Bewertung abgegeben. Nein, das einzige Kriterium, dem die Nase zu folgen hat, ist hier Sympathie oder Abneigung für die ihren Namen vaporisierende Berühmtheit.

Zu den am härtesten ausgefochtenen Antagonismen der gehobenen Pop-Kultur gehört dieser Tage bekanntlich das "Duell" Lady Gaga versus Madonna. Um dem Ganzen eine Facette hinzuzufügen, lancierten beide Damen 2012 ihre jeweils erste Parfumlizenz, und pikanterweise hatten beide bei dem Beautygiganten Coty angeheuert. Madonnas "Truth or Dare" kam als Teil der "Coty Prestige"-Palette heraus, Lady Gagas Duftcocktail "Fame" (denkt jemand an Daniel Kehlmann, "Ruhm"? nein? auch gut) hingegen war vom Lizenznehmer für den noch breiteren Markt vorgesehen (ein niederschwelliges Produkt empfiehlt sich wahrscheinlich im Falle eines Popstars, der allein auf Twitter über 31 Millionen Follower mit Neuigkeiten befeuert).

Über Geschmack lässt sich zwar auch in Duftdingen schwer streiten, das olfaktorische Match entscheidet aber Madonna für sich. "Truth or Dare" (von dem 2013 eine Nachfolgeversion im transparenten Flakon lanciert werden soll) sei eine Hommage an ihre Mutter, sagte die Sängerin beim Produktlaunch. Dementsprechend schwer riecht das Parfum (dominante Tuberosen und sonst noch Einiges Vollmundige), man denkt an mit Samt ausgeschlagene Sofaséparés in einem von gesetzten Damen frequentierten Kaffeehaus und den Bodensatz von einigen Jahrzehnten parfümiert-damenhaften Kaffeehausbesuchens. Ist "Truth or Dare" keineswegs ein unsympathischer Duft, verwundert doch ein wenig, dass Madonna sich nicht auch in Parfumangelegenheiten die ewige Jugend aufs Banner geschrieben hat: Hinterlässt sie subtilerweise wenigstens auf diesem Weg ein Bekenntnis zu ihrem Alter, während sie in Musikvideos unverdrossen Muskeln spielen lässt und auf Plateau-Stilettos aufturnt?

"Fame" von Lady Gaga hingegen ist ungeachtet aller Marketingkniffe wie auffälliges Visual (fotografiert von Nick Knight) und Schockmomente (ein schwarzer Juice, oh Schreck, der aber sofort nach Aufsprühen fabrlos wird) ein ganz und gar nichtssagender, verwechselbarer, ausdrucksloser Duft, der noch langweiliger ist, als man es von einem "Celebrity Fragrance" meistens zu Recht befürchten muss. Süß und fruchtig-blumig kommt er daher und zeitigt sofort die vage Vorahnung von am Horizont aufziehendem Kopfweh.

Die dritte im Bunde der unlängst mit Parfumneuheiten von sich reden Machenden ist Christina Aguilera, die außerdem gerade ihr Comeback-Album "Lotus" herausgebracht hat. Für die letzte unter ihrem Namen herausgebrachte Duftlizenz (Aguilera ist bei Procter & Gamble unter Vertrag) griffen die Markenverantwortlichen in die Schublade "Süß und klebrig". Was auch immer man sich unter einem Parfum namens "Red Sin", assoziiert mit einem phasenweise durchaus auch weniger platten Skandalnudel-Megapopstar erwarten hätte mögen, der hier abgefeuerte Zuckerschock wird es schwerlich einhalten. Wie bei "Fame" gilt aber: Eingefleischte Fans werden sich auch davon nicht beirren lassen.

 

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