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"Eau de Cologne": Frischwasser

03.07.2013 | 15:16 |  von Daniel Kalt (Die Presse - Schaufenster)

Ein Genre für sich: Das „Eau de Cologne“ ist in der Parfümerie ein oft variiertes Thema.

Cologne Frischwasser / Bild: (c) beigestellt 

Wenn das Wetter schön ist, lassen wir gern einmal die Tür offen − und werden dann wegen des Geruchs gefunden, der nach draußen weht“, erzählt Monika Hadrys, während sie ein paar Besucher ins Innere des 4711-Dufthauses in der Kölner Glockengasse winkt. Diese dürften zwar ohnehin auf der Suche nach dieser geruchlich wertvollen Attraktion („Sehenswürdigkeit“ scheint auf den falschen Sinn abzuzielen) gewesen sein. Die von einem gleich neben dem Eingang aufgestellten Duftbrunnen entfleuchenden Schwaden des „Echt Kölnisch Wassers“ werden aber wohl auch Orientierungshilfe geboten haben. Den charakteristischen Geruch nämlich erkennt in weiten Teilen der Welt jeder auf Anhieb.

Vom Trunk zum Duft. Interessanterweise sollen es ja schon seit 1792, das ist jedenfalls der Firmenchronik der heute zu dem Mäurer-&-Wirtz-Kosmetikkonzern gehörenden Marke zu entnehmen, exakt dieselben Schwaden sein, die in der Glockengasse wehen. Damals nämlich wurde dem jungen Wilhelm Mühlens zu seiner Hochzeit von einem Mönch die Rezeptur eines schon damals bekannten, in Köln von der Familie Farina vertriebenen „Aqua mirabilis“ anvertraut. Zu jener Zeit wurde die Komposition, ein Gemisch aus Essenzen von Orange, Bitterorange, Bergamotte, Zitrone, Lavendel und Rosmarin in Alkohol, übrigens noch in erster Linie getrunken. Man erhoffte sich heilende, zumindest desinfizierende Wirkung − aus heutiger Sicht ließe sich wohl von einer Mélange aus Aromatherapie und Alternativmedizin sprechen.

Erst als 1810 Napoleon (von 1794 bis 1814 stand Köln unter französischer Herrschaft, auf Napoleon ging auch der Erlass zurück, dass alle Häuser der Innenstadt in aufsteigender Reihenfolge zu nummerieren seien − das Haus der Mühlens  wurde zur Nummer 4711) erließ, dass die Rezepturen von Heilmitteln offenzulegen seien, begann der auf sein Geschäftsgeheimnis bedachte Mühlens sein Erzeugnis als Duft zu verkaufen. Damit war ein Schritt vollzogen, der in der Geschichte der Parfümerie bis zum heutigen Tage seine Spuren hinterlässt.
Denn mit der Umwidmung des „Eau de Cologne“ in ein nun ausschließlich für die äußere Anwendung gedachtes Produkt wurde zugleich ein Genre der Parfümerie festgelegt, das sich in zahllosen Variationen und Neuinterpretationen bis in die Gegenwart größter Beliebtheit erfreut. Für viele ist freilich der klassische Cologne-Akkord, eine auf mehrerlei Zitrusfrüchten und Kräutern basierende Komposition, mit einer Nostalgie-Assoziation gepaart. „Man hört oft, dass das ein ‚Oma-Duft‘ sei“, bestätigt Alexandra Kalle, hauseigene Duftexpertin von Mäurer & Wirtz. „Das muss aber ja nichts Negatives sein, eine Großmutter steht für Vertrautheit, oft auch für Kindheitserinnerungen.“ Und während der 4711-Mutterkonzern zuletzt immer wieder Anstrengungen unternommen hat, durch ein Rebranding und die Vorstellung neuer Duftlinien, zum Beispiel des am 4. 7. 11 lancierte „Nouveau Cologne“ oder der alljährlich erweiterten „Acqua Colonia“-Palette, jüngere Kundenkreise zu erschließen, kommt die aktuelle Retromanie vielleicht gerade dem Kölnisch Wasser zugute. „An jedem Duft hängen persönliche Assoziationen“, unterstreicht Alexandra Kalle, „und dieser Erinnerungsschatz ist bei Eau de Cologne wohl besonders groß.“

In dem bereits erwähnten Dufthaus, das auch von der Tourismusagentur der Stadt als Attraktion gelistet wird, können „Riechlustige“ in einem Parfumseminar die wichtigsten Inhaltsstoffe des Kölnisch Wassers entdecken und dürfen unter den Fittichen von Monika Hadrys  eine eigene Interpretation desselben abgeben: „Manche bestehen darauf, auch Moschus oder Vanille beizumischen und lassen sich nicht eines Besseren belehren. Auch wenn erfahrungsgemäß der zarte Cologne-Akkord unter diesen dominanten Noten begraben wird.“

Köln, Florenz, Paris.
In der Sprache der Parfümerie ist das „Eau de Cologne“ nicht nur eine von bestimmten Noten charakterisierte Komposition, sondern auch eine eigene Verdünnungsklasse (drei bis fünf Prozent Riechstoffkonzentration in Alkohol, gegenüber circa sechs bis neun Prozent bei einem Eau de Toilette). Die leichten Zitrusnoten und die geringere Konzentration bedingen zum einen die größere Flüchtigkeit eines Cologne, zum anderen seine Beliebtheit in der heißen Jahreszeit oder als Erfrischungsgarant. In ostasiatischen Ländern, wo das Tragen allzu schwerer Parfums oft sogar einen Etikettenverstoß darstellt, gehören die Eaux de Cologne ebenfalls zu den erfolgreicheren Duftvarianten.
Und ihre Geschichte reicht übrigens weit vor den Begin der Mühlens’schen  Unternehmung zurück. Die aus Italien nach Köln importierte Aqua-mirabilis-Rezeptur wurde bereits Anfang des 18. Jahrhunderts von Johann Maria Farina auf jene Weise verfeinert, die die Duftklasse nachhaltig prägte. Farinas Formel wurde ja, wie bereits erwähnt, einige Jahrzehnte später der Familie Mühlens zugetragen und ermöglichte auch den Erfolg der 4711-Duftmarke. Die Originalformel von Farinas Kölnisch Wasser ging, so wird kolportiert, 1862 in den Besitz von Armand Roger und Charles Gallet über, die das noch heute existierende Unternehmen „Roger & Gallet“ gründeten. Anlässlich des 150-jährigen Bestehens der Firma wurde vergangenes Jahr das Farina-Cologne als eine limitierte Edition aufgelegt, die nur mehr vereinzelt erhältlich ist.

Die Ursprünge von Eau de Cologne und Aqua mirabilis gehen auf das 17. Jahrhundert zurück. Damals nämlich kursierten ähnliche Formulierungen in Italien, zum Beispiel in Florenz, damals Hochburg der Parfümeriekunst. So basiert eine auf das Jahr 1612 datierte, von der florentinischen Officina Profumo di Santa Maria Novella kreierte Variante angeblich auf jener „Acqua della Regina“, die der Hofparfümeur von Caterina de’ Medici geschaffen hatte und die die Gemahlin von Heinrich II. von Florenz nach Paris begleitete. Eine 1853 von Pierre-François-Pascal Guerlain für Kaiserin Eugénie von Frankreich kreierte „Eau de Cologne Impériale“ legte übrigens auch den Grundstein für den Erfolg eines der heute wohl bekanntesten im Bereich der „Haute Parfumerie“ tätigen Unternehmen: Der aus Eugénies Begeisterung für dieses Eau de Cologne resultierende Status von parfümistischen Hoflieferanten hat den Guerlains offenbar auf lange Sicht nicht geschadet.

Unverzichtbares Genre. Im Lauf der Jahrhunderte und selbst inmitten einer sich zuletzt beschleunigt verändernden Kosmetikbranche konnten sich die Eaux de Cologne also stets behaupten und gehören nach wie vor zum Standardrepertoire aller bekannten, auch der luxuriösesten Anbieter. Selbstverständlich hat auch Chanel eine eigene Variante im Angebot (ursprünglich wurde dieser Duft 1924 von Ernest Beaux geschaffen, zuletzt wurde er von Jacques Polge für die „Les Exclusifs“-Kollektion aktualisiert), und der vielleicht bekannteste Parfümeur der Gegenwart, Jean-Claude Ellena, schuf zuletzt Neuzugänge der Cologne-Palette von Hermès.

Interessant sind neben der geradezu unüberschaubaren Vielzahl leichter und frischer, sich als sommerliche Reisebegleiter anbietender Eaux de Cologne auch parfümistische, komplexere Interpretationen des Themas. Im Grunde lässt sich sogar der legendäre Männerduft „Eau sauvage“, von Edmond Roudnitska 1966 für Dior geschaffen, in diese Kategorie einreihen − Damendüfte wie „Eau de Rochas“ und „Ô de Lancôme“, jeweils von einer Eichenmoosnote getragen, sind enge Verwandte. Auch die „Escale à Portofino“ von Dior ist in Eau-de-Toilette-Konzentration ein etwas dauerhafterer Begleiter als jedes im Nu entschwebende Eau de Cologne, der sich also anbietet, wenn Cologne-Liebhaber im Stillen denken: „Verweile doch, du riechst so gut.“

(c) Christine Pichler Cologne FrischwasserCologne Frischwasser / Bild: (c) Christine Pichler 

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Variantenreich
„Eau de Rochas“, eine parfümistische Interpretation des Cologne-Themas mit dominanter Eichenmoosnote – 50 ml um 47 Euro. In „Mugler Cologne“ dominiert die warme Orangenblüte – 100 ml um 52 Euro. „Cédrat“ von Roger & Gallet, leicht und zitrig – 100 ml um 40 Euro. „Eau de mandarine ambrée“, ein fruchtiges Cologne von Jean-Claude Ellena für Hermès – 100 ml um 89 Euro. „Acqua Colonia“ der Officina Profumo Santa Maria Novella gibt es seit 1612 – 100 ml um 75 Euro, bei Nägele & Strubell. Herber ist die Variante von Acqua di Parma – 50 ml um 72 Euro. Die „Eau de Cologne Impériale“ machte 1853 Guerlain zum Hoflieferanten – 100 ml um 81 Euro. Das Eau de Cologne von Chanel, Teil der „Les Exclusifs“, eröffnet markant mit Bergamotte – 200 ml um 250 Euro. „Ô de Lancôme“ ist ein Cologne-inspiriertes Eau de Toilette – 50 ml um 45 Euro. Mit „Eau parfumée au thé vert“ von Bulgari trat Jean-Claude Ellena 1992 die Teemanie los – 75 ml um 73 Euro. Die neue „Acqua Colonia“ von 4711 ist getragen von rosa Pfeffer und Grapefruit – 50 ml um 20 Euro. „Escale à Portofino“ von Dior, ein zitroniges Eau de Toilette, weniger flüchtig als ein Cologne – 75 ml um 75 Euro. (Abfolge: Mittig bei „Eau de Rochas“ beginnend, dann im Uhrzeigersinn.)

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