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Riechstoff: Gründe für Ungeduld

25.11.2015 | 15:23 |  von Daniel Kalt (Die Presse - Schaufenster)

Auf weniges ist leider in dieser unsteten Zeit Verlass.

Heiß ersehnt. „Lipstick on“ von Maison Margiela, 100 ml um 90 Euro. „La Vierge de Fer“ von Serge Lutens, 50 ml um 102 Euro. „Venetian Bergamot Private Blend“ von Tom Ford, 50 ml um 195 Euro. / Bild: (c) Beigestellt 

Selbst Parfumfreunde können nicht davon ausgehen, dass ihr liebster Duft für alle Ewigkeit auf dem Markt bleibt (man hat schon von Panikvorratskäufen unter Fragranistas gehört!). Da man aber stets vom Besten ausgehen sollte, bleibt das Warten auf verlässlich wiederkehrende Höhepunkte im Parfumjahr aufrecht. Dazu gehört etwa die Lancierung der Replica-Düfte des Maison Margiela: Sie sollen stets eine bestimmte Situation nachstellen, was manchmal besser, manchmal schlechter gelingt. In dieser Saison treffen aber sowohl „By the Fireplace“ (Maroni, Kamin, Holzfeuer, Rauch) wie auch „Lipstick on“ die Vorgabe auf den Punkt. Besonders die Lippenstiftreplik ist perfekt – ein Traum für Irisliebhaber –, und wenn vielleicht auch nicht jede(r) selbst so riechen möchte, ist dies das ideale Parfum etwa zum Bedüfteln des Seidenfutters einer Abendtasche.
Deutlich herber ist der letzte, ebenso stets von vielen ungeduldig erwartete Neuzugang der „Private Blend“-Kollektion von Tom Ford, nämlich „Venetian Bergamot“. Bergamotte ist ein vertrauter Inhaltsstoff, zu den frischen Agrumen gehörend, häufig in edlen Co­lognes zu finden, der Twist rührt hier von einer Kombination mit würzigen Noten „alla veneziana“: gelungen und auch Männern zumutbar.
Weniger Freude dürften Letztere (no pun intended!) an der „Vierge de Fer“ von Serge Lutens haben. Der letzte in Österreich lancierte Duft des genialischen Franzosen ist eine ziemlich blumige Angelegenheit. Keineswegs unsympatisch zwar, aber auch nicht besonders überraschend, wird er jene nostalgisch stimmen, die sich an augenfreundliche Shampoos aus Kindertagen erinnert fühlen. Auch eine Art des Replizierens also, stellt sich bloß die Frage: War dieser Effekt beabsichtigt?

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