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"Saubere" Saftkuren im Test

16.01.2017 | 14:15 |   (Die Presse - Schaufenster)

Detox Delight und Cleanse von Frank Juice. Wir haben zwei Entschlackungskuren getestet. Alkohol und Koffein waren tabu, Vanillekipferl leider auch.

Themenbild / Bild: Imago 

Gleich vorweg: Ein Kaschmirpullover leistet gute Dienste. Eine Fleecejacke oder ein kratziger alter Pullover gingen doch auch, könnte man meinen. Aber es geht im Rahmen der Saftkur von Frank Juice nicht bloß um Körperwärmeerhaltung. Es geht vor allem um ein Gut-zu-sich-selbst-sein, und da ist zumindest ein gewisser Kaschmiranteil von Vorteil.

Aber von vorn: Das „Schaufenster“ testete im Dezember, ausgerechnet im Vanillekipferlmonat, die Saftkur, pardon, das Cleanse von Frank Juice in der dreitägigen Version (auch ein Tag oder fünf sind möglich). Die jungen Münchner Unternehmer „Daniel, Korbi und Marco“ haben den Safthype 2013 in New York kennengelernt und nach dortigem Vorbild in Deutschland ihre Firma aufgebaut. Rohkost in flüssiger Form, also Gemüse und Obst mittels Kaltpressverfahren flaschentauglich gemacht, lautet das Konzept, Coldpressed Juice sagt man bei Franks dazu. Die Säfte werden nie erhitzt, sind laut eigenen Angaben 14 Tage haltbar, was angesichts der fehlenden Pasteurisierung doch überrascht, und werden in Begleitung von Kühlakkus geliefert. Ab Dienstag kann man starten, am Montag wird noch gepresst und verschickt.

Frank Juice Flüssige Nahrung von „Daniel, Korbi und Marco“Frank Juice Flüssige Nahrung von „Daniel, Korbi und Marco“

Ruhe für den Magen?

Wann soll man eine solche Saftkur machen? Die Männer von Franks sagen dazu: „Aus dem Bauch heraus: Das befreiende Gefühl, sich auf die wesentlichen Dinge konzentrieren zu können, während dein Magen einfach mal Ruhe hat.“ Das stimmt so natürlich nicht – zumindest der erste Teil. Dem Magen geht es zwar bestens, man schläft tief und „sauber“ wie selten, Kopf und Plauderorgan sind aber schon ein wenig mit dem Ganzen beschäftigt. Kollegen wollen (oder wollen nicht, aber egal) informiert werden, dass man das jetzt macht, mit dieser und jener Auswirkung, man kündigt es x-mal an und alles ist sehr aufregend. Es empfiehlt sich, schon im Vorfeld Abendgestaltungen zu planen, die verhindern, dass man zu einer Essenseinladung zusagt. In diesem Fall: Chorprobe, Therme und Oper. Die zwei Abendsäfte waren in der Tasche einfach dabei.

Das ist das Praktische: Man muss nicht nachdenken. Die Säfte werden für bis zu drei Tage geliefert (und sollten gleich gekühlt werden), ab dann heißt es einfach nur: Zu jener Flasche greifen, die als nächstes im Plan ist, und trinken. Vermieden werden sollen Koffein (das geht!), natürlich Alkohol und jede andere Nahrung. Wie die ein, zwei Tage Vorbereitung auf das Cleanse aussehen sollen, darüber informiert ein Booklet.

Nur eine gewisse Lust ...

Die Kuren gibt es in verschiedenen Zusammenstellungen, für Anfänger sind sie bunter, für Fortgeschrittene enthalten sie mehr grüne Säfte. Unser Anfängerset enthielt Sorten wie Ananas-Apfel-Minze, Petersilie-Ingwer-Grünkohl-etc., ein Zitronen-Kurkuma-Wasser oder eine Cashew-Dattel-Milch mit Vanille, Zimt und Sesam. Die Milch bildet jeweils den Tagesabschluss und ist mit ihrer leicht süßen Molligkeit eine Art Belohnung für jeden erfolgreich absolvierten Saftkurtag. Aus Mangel einer Waage muss der Erfolg der Frank Juice Kur in Worten ausgedrückt werden: Sie wirkt. Kein Heißhunger, nur eine gewisse Lust auf feste, warme Nahrung, aber die hat man fest im Griff. Mit den sechs Säften gibt es genug zu tun, man soll sie schließlich so langsam trinken, wie man das verarbeitete Gemüse essen würde, also ziemlich langsam. Der Gewichtsverlust ist schon nach drei Tagen deutlich sichtbar: an den Oberschenkeln, am Bauch, im Gesicht. Vermutlich ist das zwar alles nur Wasser, aber das braucht die Eitelkeit ja nicht zu kümmern. thefrankjuice.com

 

Detox Delight Eine typische Tagesration bei Detox DelightEine typische Tagesration bei Detox Delight / Bild: Detox Delight 

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Feste Nahrung beim Vergleichstest

Dass die Saftkur also wirkt, haben auch die Kollegen mitbekommen, die neugierig nachgefragt und genau beobachtet haben. Wenn es bei so einer Entschlackung nicht um Selbstqual, sondern wirklich um ein Gut-zu-sich-selbst-sein gehen kann, bei dem man sich augenscheinlich gut fühlt, wollte man es auch versuchen. Diesmal stand eine Waage bereit. Und tatsächlich: Mehr als zwei Kilo weniger, so das stolze Ergebnis des Vergleich-Tests. (Die Vermutung der Vortesterin, dass das Wasser sei, wollen wir der besagten Eitelkeit wegen schnell wieder vergessen).

Aber auch hier von vorne: Im Anschluss testete das „Schaufenster“ eine weitere Kur, nämlich die „Eat Clean Delight“ Menüs von Detox Delight. Damit fiel die Wahl diesmal zwar auf eine weniger intensive Variante, bei der nicht ausschließlich Säfte getrunken, sondern auch kleine Mahlzeiten gegessen werden, dafür wurde nun zwei Tage länger getestet. Auch hier wären drei Tage möglich, ebenso gibt es reine Saft- oder Suppenkuren in diversen Zusammenstellungen. Auch mit „Clean Eating“ kann man den Kilos den Kampf ansagen und Ernährungssünden ausgleichen, so das Versprechen der Firma. Diese ist wie Frank Juice ein Münchner Unternehmen, das ein paar Jahre früher, nämlich 2009, von der ehemaligen IT-Marketing-Expertin Astrid Purzer gegründet wurde und mittlerweile mit sechs internationalen Standorten aufwartet. Einer davon ist in Wien – von dort aus wurden nun zwei Lieferungen mit frischem Essen und Säften in die Redaktion gebracht, der Starttag ist auch hier immer Dienstag.

Ganz schön viel

Der erste Eindruck: Das soll wirklich eine Diät sein? Am Schreibtisch stapelten sich nach Erhalt der Kur ganz schön viele Essensgläser und Trinkflaschen, mehr als einem Tag mit „normalem“ Essen. Die vielen Portionen sind allerdings Absicht, damit soll der Blutzuckerspiegel konstant bleiben, und da es leichte Kost ist, nimmt man pro Tag trotzdem nur 1000-1200 Kalorien zu sich. Frühstück, Dinner und Lunch kommen in praktischen Glasbehältern, die man auch einfach mal mitnehmen kann, wenn man unterwegs ist. Dazwischen gibt es täglich zwei Säfte und einen Superfoodsnack, zum Beispiel Rohkost-Chips.

Ein beigelegter Menüplan verrät, was sich in den Speisen befindet. Los ging es mit einer Acai Himbeer Bowl, deren Zutaten schon ein Anliegen des Unternehmens zeigen: Möglichst viele Nahrungsmittel reinzupacken, die gerade als unglaublich gesundes Superfood gelten. Die Bowl (ja, auch diese Bezeichnung ist gerade unglaublich angesagt) wartete unter anderem mit Hanfsamen, Roten Rüben und Kakaonibs auf. Weiter ging es mit wohlklingenden (und im Großen und Ganzen auch recht wohlschmeckenden) Gerichten wie einem Smoked Veggie Salat mit Puy-Linsen oder einem Ayurvedischen Gemüsecurry. Die Reihenfolge der hauptsächlich kalten Mahlzeiten kann man tauschen, wenn man möchte, sollte die letzte aber vor 19 Uhr essen. Gemäß dem „sauber essen“-Konzept von Detox Delight sind alle Speisen vegan, glutenfrei, arm an Kohlenhydraten und ohne Zusatzstoffe, die Säfte - Mischungen aus Obst und Gemüse zu etwa gleichen Teilen – sind auch bei dieser Kur kaltgepresst.

Um durchzuhalten, erhält man ebenfalls eine Broschüre mit Tipps zur Vorbereitung, die man auch besser befolgt hätte, denn schon am zweiten Tag stellt sich Heißhunger auf eine schön reichhaltige Pasta ein. Diese ist aber ebenso wie Alkohol und Koffein ein „don't“. Für schwache Momente hält die Broschüre eine Notfall-Liste mit gesunden Snacks parat, die man ersatzweise naschen kann. Was steht am Ende der Detox-Delight-Kur? Nicht gerade eine jünger und strahlender aussehende Version der Testerin, wie es die Firma prophezeit. Aber der Körper hat sich auf die neue Ernährungsweise eingestellt, der Verdauung geht es tatsächlich besser, die Zahl auf der Waage ist nicht zu verachten und am liebsten will man gar nicht damit aufhören, sich so zu ernähren. Diesem Gedanken hat allerdings der Vanillekipferlmonat noch einen Strich durch die Rechnung gemacht – was soll's, in diesem Jahr kann der Vorsatz ja noch etwas werden. www.detox-delight.at

(von Roswitha Burgmayer und Ingeborg Kraushardt)

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