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Schokoholic-Jubiläum

15.02.2011 | 14:31 |   (Die Presse - Schaufenster)

Er pfeift auf Businesspläne, lehrt trotzdem in Harvard und hat bald schon wieder etwas zu feiern: Josef Zotter wird 50.

Seine außergewöhnlichen Schokoladenkreationen haben den Siegeszug um die halbe Welt angetreten: Der oststeirische Unternehmer Josef Zotter hat rund um die süßen Genüsse ein kleines Imperium aufgebaut, das auf fairem Handel und nachhaltiger Produktion fußt. Der gelernte Koch und Kellner, der Mitte der 1990er Jahre mit Konditoreien in Graz in Konkurs ging und in Harvard Marketing lehrt, feiert am 21. Februar seinen 50. Geburtstag.

Was die Produktionsweise betrifft, wurde der Oststeirer von seinem Vater geprägt, geradezu traumatisiert: "Er war Obstbauer und Liebhaber der Monokultur." 1987 machte sich Zotter nach Lehr- und Wanderjahren in Graz selbstständig und hatte auf Anhieb mit seinen Torten Erfolg. Allerdings mit Ablaufdatum: "Ich habe ein zu gutes Produkt auf zu kleinem Raum gemacht", blickt er heute zurück. Außerdem habe er zu rasch expandiert, im Nu auf vier Filialen. So schlitterte er 1996 in die Insolvenz.

Den Neustart unternahm Josef Zotter vom elterlichen Hof in Bergl bei Riegersburg mit handgeschöpften Schokoladen, zunächst von einem umgebauten Stall aus. Durch ungewöhnliche Geschmackskombinationen und eine enorme Sortenvielfalt entwickelte sich Zotter-Schokolade binnen weniger Jahre vom Insidertipp zum Must-have des anspruchsvollen Lebensmittelhandels. Parallel dazu baute der experimentierfreudige Chocolatier über Direktverträge mit kleinen Kakaobauern und Wissensaustausch mit den Rohstoffproduzenten an seiner "Bean-to-Bar"-Philosophie.

2007 wurde aus der "Manufaktur" das "SchokoladeWerk mit Schoko-Laden-Theater". Die inzwischen aus fünf Gesellschaften bestehende Zotter Holding (Umsatz 2010 rund 14 Millionen Euro, 120 Mitarbeiter) betreibt heute über Franchise-Nehmer Geschäfte in Salzburg, Innsbruck und Essen. England und die Niederlande zählen zu den wachsenden Exportmärkten.

Zotter will seinen Erfolg auch dazu nutzen, "ein bisserl was zu bewegen", seine Botschaft gegen Wachstums- und Konsumwahn, für Transparenz und Nachhaltigkeit vermitteln. Auch mit seinem jüngsten Coup, dem "Essbaren Tiergarten", der u.a. den Fleischkonsum thematisieren soll. Stolz ist Zotter, der verheiratet ist und drei Kinder hat, auf seine "Berufung" an die Harvard Business School of Economics: "Weil ich keine Marktforschung mache und auf Business-Pläne pfeife, ist man auf mich neugierig geworden." Nach einer "Case Study" im Vorjahr betreut er heuer zwei Klassen, teilweise über Videokonferenz mit Simultanübersetzung aus dem Betrieb in Bergl. (APA)

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