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Die Testerinnen: Wien Mitte

15.11.2012 | 17:18 |  von Almuth Spiegler (Die Presse - Schaufenster)

Ladies who lunch. Eng, zugig, teuer: Essen in „Wien Mitte“.

Irgendwie komme ich gar nicht mehr heraus aus den Kaufhäusern – voriges Mal „Kim kocht“ im Merkur, jetzt „niemand kocht“ in Wien Mitte. Dabei hatte ich mich schon auf eine Neuentdeckung in Wien- Favoriten gefreut, dort war ich schließlich mit einer jungen Fotogaleristin aus der Ankerbrotfabrik zum Lunch verabredet. Ihr Angebot auf Dosenravioli in ihrem Büro schlug ich dann aber doch aus. 2013 will die Caritas in der „Ankerbrot“ ein soziales Gas-troprojekt starten, es ist von „Community Cooking“ und einem prominenten Kochpaten die Rede. Bis dahin bleibt diese Gegend mittagstechnisch wohl völlig verwahrlost, außer man geht auf ein Schnitzel zum Meixner, wenn man den Kalorienbedarf einer Bauarbeiterin hat. Hab ich aber nicht. Also ab mit der Fotolady nach „Wien Mitte“. Erster Tag offen. Die ÖBB-Kapelle spielt. Wir suchen das „Ramien to go“. Wir finden einen Zettel, der die Eröffnung auf 15. November verschiebt. Die Architektur, ein rotes, skelettartiges Dach, ist aber jetzt schon herausragend. Sonst setzt man in „Wien Mitte“ eher auf New Yorker Deli-Chic. Selbst im neuen Interspar-Konzeptrestaurant „Pasta & Café“ wirkt alles richtig urban, bis man die Nudeln (acht Euro!) kostet. Dann weiß man wieder, wo man ist. Die „all’arrabiata“ ohne Schärfe, dafür mit getrockneten Tomaten und Paprika. Dieselbe Einheitssauce, mit ein bisschen Faschiertem versetzt, bei der „Pasta Bolognese“. Der abgestandene Sekt im Weinglas gibt uns den Rest.

Mein Date will schon zum Lieblingswirten in den Siebten flüchten, die Aussicht auf ein wenig Do & Co-Feeling gleich gegenüber rettet mich: „Henry“, das Fastfood-Bistro des Caterers, hat sich gleich beim Eingang eingemietet. Ziemlich eng und zugig ist es hier, dafür ist das Essen teuer, rund zwei Euro berappt man pro 100 Gramm im Becher, den anfallenden Plastikmüll muss man dann selbst entsorgen, was die Materialschlacht noch betont. Zumindest die Qualität ist okay für ein Büffet – und es ist stark indisch angehaucht. Das Gemüse-Khorma und die Dal-Linsen sind das Beste, das massentauglich milde Chicken Tikka Marsala und das fade Paprikahuhn nebeneinander wirken aber ähnlich einheitsbreiig wie die Nudeln beim Spar gegenüber. Und jetzt ist wirklich Schluss mit dem Supermarkt-essen.

INFO
Foodcourt Wien Mitte: Bistro Henry, Mo–Mi 9–23 h, Do–Sa 9–24 h, So 9–22 h; Pasta & Café by Interspar, täglich 7–1 Uhr

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2 Kommentare
Gast: susisattler
16.11.2012 18:21
0 0

was haben sie erwartet?

jedenfalls erwarte ich unter einer gastrokolumne in einer sogenannten qualitätszeitung keine food-court-kritik.
good bye

Antworten Gast: dzudemell
23.11.2012 12:41
0 0

Re: was haben sie erwartet?

Finde das Review sympatisch und wahr!

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