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Die Testerinnen: Café Bar Bloom

06.12.2012 | 15:16 |  von Almuth Spiegler (Die Presse - Schaufenster)

Ladies who lunch. Endlich einmal loben – das Bloom.

„Jubelhemd“ heißt das prägnante Frühwerk des Salzburger Künstlers Markus Schinwald – ein weißes Hemd, bei dem die Ärmel verkehrt herum angenäht sind. Der Schnitt zwingt einen sozusagen in Jubelpose, Arme hoch, hurra! Die Lunch-Kolumnistin darf das jetzt auch endlich, musste ja auch einmal sein, die Testerin war schon ganz verunsichert – kann es tatsächlich mehr schlechte Lokale als schlechte Ausstellungen geben? Nein. Vorige Woche also fortgesetzte Feldforschung mit der Wiener Sotheby’s-Chefin im erst eine Woche geöffneten „Café Bar Bloom“. Ein dunkel-schicker Edeltreffpunkt, der dem Design-Hotel-Grätzel von Kunstsammler und

(c) Stanislav Jenis
Immobilienmann Martin Lenikus inmitten der Roten­turmstraße auch ein kulinarisches Herz verleiht. Die BEHF-Architekten haben hier auf zwei Ebenen ein intimes Interieur-Kleinod in Dunkelbraun geschaffen, dessen beige Ledersessel nur in dem Moment etwas geschmäcklerisch wirken, wenn der Kellner fragt, welche Speisen einen denn „so anmachen“ würden. Das ist nämlich, bitte sehr, ein Frauenversteherlokal. Was sichtlich bereits eine erkleckliche Zahl junger Damen zu schätzen wissen. Wir sitzen im Bistro mit fußfreiem Ausblick auf die Rotenturm­straße und studieren die ausführlich angeführten österreichischen Zutaten und kleinen Portionen, durch die „man sich gemeinsam durchkosten kann“ – „das ist es, was ganz besonders Frauen so lieben“ (Homepage). Also kosten und teilen wir. Und – Arme hoch! Hier kocht ja auch ein junger (Fast-)Star, Valentin Siglreithmaier, vormals Hollmanns Salon. Bis auf den in faden Brotteig eingewickelten Strohschweinbauch (dafür mit Schäumchen!) ist auch wirklich alles gediegen-wild, lustig und für Wiener Verhältnisse enorm liebevoll angerichtet.
Der karamellisierte Chichoree auf Ziegenkäsecreme ist mit Steinpilzsalz und Karamellbröseln gewürzt. Die kräftige Rindsuppe wird im Einmachglas mit knuspriger Entenleber-Makrone darauf serviert. Hier fehlen zwar die versprochenen Äpfel und der Kren, beim krossen Backhendl Zitrone und Sauerrahm, aber das ist jetzt – typisch Frauen – natürlich sehr kleinlich. Das Beste aber kommt jetzt: ein unglaublich buttrig-bröseliges Brioche-Soufflé mit herber Preisel­beercreme zum Schluss. Rein ins Jubelhemd!

TIPP
Café Bar Bloom, Rotenturmstraße 15, 1010 Wien, Tel: 01/5322244, Mo–Sa 7.30–1 Uhr, Küche bis 22.30

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