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Die Testerinnen: Satrapezo

20.12.2012 | 16:31 |  von Anna Burghardt (Die Presse - Schaufenster)

Georgisch für Anfänger und ein Lokal für Esser.

Wenn das Wiener Rathaus demnächst seine lang geplante Urbanitätsprüfung für Zuagraste einführt, werden drei Aufgaben nicht fehlen: Sprechen Sie Tschurtschkhela dreimal hintereinander richtig aus. Fügen Sie im Wort Khatschapuri den Apostroph an der richtigen Stelle ein. Was ist Muraba? A) eine Marmelade, B) ein Wodka, C) ein ägyptischer Pensionist. Geschafft? Glückwunsch, Sie sind hiermit befugt, neben dem hippen Madiani auf dem Karmelitermarkt auch das andere georgische Lokal Wiens zu besuchen (bitte von Leserbriefen abzusehen, das Ansari findet sich selbst nicht rein georgisch). Und wenn in einem karmelitermarktanalogen Viertel bald ein tadschikisches Lokal aufmacht, wird dessen Küche in fünf Jahren abgefragt.

Das Satrapezo hieß vor Kurzem noch Makones, baute bald nach Eröffnung wieder um und meldet sich nun eben als Satrapezo zurück. Hell/dunkel-Kontraste prägen Einrichtung und Service. Der überaus freundliche Kellner serviert mit weißen Handschuhen ein Viertel Wein im randvollen Achtelglas. Das erste Bier braucht ewig, die erbetene Weißweinbeschreibung kommt dafür prompt: „Der kann was.“ Für die Bestellung sollte man sich Zeit nehmen, es gilt schließlich, Wörter wie „Adjapsandali“ zu memorieren, um in der Konversation mit zuagrasten Szenophilen bestehen zu können. Der Vorspeisenteller für zwei besteht aus Gupfen von Nuss-Kräuter-Spinat, Schmorgemüse oder Rote-Rüben-Salat sowie

(c) Stanislav Jenis
Melanzanirollen – alles an sich simpel, aber zum Eingraben aromatisch. Auf Empfehlung essen wir das doppelt käsige Khachapuri-Megruli statt Brot gleich dazu. (Im Rathaus wird man die Khatschapuri-Urbanitätsfrage wegen der anderen Schreibweise hier nun abändern müssen.) Ein Lokal für Esser, befindet der Tischgenosse. Ich gebe ihm im Stillen recht, füge „günstiges“ hinzu und frage mich, wie man das Rindfleisch in Walnusssauce so butterweich hinbekommt und ob das wohl grüne Ringlotten in der köstlichen Sauce zum Lamm sind. Von gegenüber kommt der Hinweis, die Sauce gehöre fast mit Namen angeführt. Damit kann ich leider nicht dienen. Beim geschmacklich dichten, aber sehr zähen Schichthonigkuchen fällt mir dafür das zuvor memorierte Wort wieder ein, irgendetwas mit Sandali. Es macht Spaß hier. 

TIPP
Satrapezo, Marxergasse 5, 1030 Wien, Tel: 01/713 03 94, Di–Fr: 17–23 Uhr, Sa und So: 14–24 Uhr. Mehr Kolumnen auf: → Schaufenster.DiePresse.com

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1 Kommentare
Gast: hotchef
12.01.2013 08:26
0 0

und sowas ist georgisch?

die sauce heisst Tkemali, und wird mit grueen Pflaumen gemacht, aber es sind nicht irgendwelche gruene Pflaumen sondern eben spezielle kleine die nur bei uns wachsen. die Riglotten aus Oesterreich eignen sich da nicht dazu.
wenn ich mir aber so das Bild anschaue, kommt mir das grosse Heulen, sowas als -georgisch- zu verzapfen und ihre glaubt es auch noche
ich bin ein oesterreichischer Kuechenchef, habe aber auch in Georgien gearbeitet und lebe schon seit 20 jahren in Russland...

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