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Die Testerinnen: Rochus

21.02.2013 | 16:08 |  Von Petra Percher (Die Presse - Schaufenster)

Das Rochus kopiert sich auf Nummer sicher in den Neunten.

Mühsam! Im Rochus stellt sich bei mir eine Art Beißhemmung ein. Rein schreibtechnisch. Das Stamm-Rochus im Dritten liegt um die Ecke der „Presse“ und mangels Alternativen ist es für viele Kollegen und mich erste Anlaufstelle für Termine. Ich kenne dort niemanden persönlich. Und doch ist es wie ein zweites Wohnzimmer. Sogar an die Logik der Karte („box.frühstück.basis“, „rochus.speisen.immer“, „after.eight.cocktail“) hab ich mich aus Bequemlichkeit gewöhnt. Jetzt gibt es das Schwesternlokal Rochus 1090, wo einst das traditionsreiche Café Bauernfeld, dann das grauenhafte Centimeter stand. Das Grätzel dort boomt gerade mit kleinen feinen Lokalen. Nur für die Alsergrunder „generation.next“ ist der Fleck immer noch ähnlich öde wie die Landstraßer Hauptstraße. Vielleicht wirkt es deshalb wie ein Copy-Paste-Klon, aufgemotzt mit 2013er-Elementen: schicke Leuchten, langer Holztisch, Feuerstelle. Ein großer designtechnischer Sprung ist das neue Rochus aber trotz Architekteneinsatz nicht. Feig? Vielleicht. Doch in Zeiten wie diesen gehen Lokalbetreiber eben lieber auf Nummer sicher. Schließlich läuft „das.original.im.dritten“ seit mehr als sieben Jahren wie geschmiert. Und zwar rund um die Uhr.

(c) beigestellt Testerinnen Rochus
Chamäleongleich sperrt es als Kaffeehaus auf, verwandelt sich in eine Sattmacherkantine, später zum Nachmittagstreff für „minze.nana.marokko“-Mamas (irgendwann wird Soja Latte langweilig) und sperrt schlussendlich als Cocktailbar zu. Da wollte das Rochus 1090 keine waghalsigen Neuerungen riskieren. Leider merkt man nicht einmal, dass mit Georg Rotböck neuerdings kein No Name mehr für die Küche verantwortlich ist. Immerhin zählen das RieGi und der Meinl am Graben zu seinen Stationen. Ein Zwischenstopp bei Kim wäre noch ratsam gewesen, denn der „bock auf wok“ mit Tuna (rosa.innen) war zu wässrig, zu süß und Duftreis kommt gut ohne Schnittlauch aus. Der „chili.huhn“-Salat kommt resch und knusprig, allerdings ebenfalls mit zu viel klebriger Soße. Die Burrata mit Paradeisersugo schmeckt wie Burrata mit Paradeisersugo. Der Schokokuchen ist innen flüssig (überraschung.ohne), die Palatschinken ordentlich dünn, aber offenbar vorproduziert, weil kalt. Ja, danke, das mit der Beißhemmung geht schon wieder. 

INFO
Rochus 1090, Liechtensteinstraße 42, 1090 Wien, Tel.: +43/(01)/962 62 26, Restaurant: 7.30–23 Uhr

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