Falls Sie wider besseres Wissen nicht nur das „Schaufenster“, sondern auch andere Magazine lesen: Ja, fast alle Restaurantkritiker schreiben diesmal über das Freyenstein in Wien Gersthof. Nicht, weil wir gemeinsam essen gehen. Sondern, weil Meinrad Neunkirchner dort kocht. Eines der großen Talente, aber mit einem unsteten Arbeitgeber-Wandel. Lange hält er es nie wo aus, in den letzten Jahren kochte er in einem Partylokal (Buddha Club) am Gürtel oder der Gastwirtschaft zu Spillern. Daneben betreibt der Mann ein Studio für Food-Fotografie und Kochrezepte und besitzt ein Arsenal an Aromen, Gewürzen und Lebensmitteln.
Zuvor war hier ein Partylokal für erste alkoholische Gehversuche, das einst unter dem Namen Rudis Beisl die Alternative zu Schul- und/oder Tanzschulbesuch war. Im vorderen Schankbereich mit drei großen Tischen und einer hübschen Anrichte sitzt man heute hübsch, hinten schaut es ein bisschen nach Laura-Ashley-Lounge aus. Aber man soll sich ohnehin aufs Essen konzentrieren: Der Kaninchensalat mit Pilzen schmeckt schön intensiv, das Tier ist das ideale Gewürzträgermaterial. Nur das Kalbshaxerlragout kommt eindeutig zu reduktionssüß daher. Natürlich darf man hier auch nur Schnitzel essen, die Frage nach echten Neunkirchner-Gerichten lohnt sich aber. Hoffentlich noch länger.
Und Sie haben hoffentlich endlich die Gewissheit bekommen, dass es ausreicht, nur diese Kritik zu lesen. Ich bleibe meinem Arbeitgeber jedenfalls immer treu. Ihnen.
Tel.: 0699/190 30 602.


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Artblog von Jacqueline Nowikovsky