Artikel drucken Artikel versenden Artikel kommentieren

Rainer Nowak testet Christian Kerns Pizzeria

03.05.2017 | 15:15 |  von Rainer Nowak (Die Presse - Schaufenster)

"Presse"-Chefredakteur Rainer Nowak verdankt es der "Pizzaboten-Aktion" des Bundeskanzlers, wieder eine Restaurantkritik schreiben zu dürfen.

Bild: Christine Pichler 

Christian Kern ist nicht nur ein lustiger Bundeskanzler, er ist auch sehr hilfreich. Ihm verdanke ich, dass ich endlich wieder für das „Schaufenster“ eine Restaurantkritik schreiben darf. Dem Hipster-Parteichef gefiel es bekanntlich, einen Pizzaboten zu spielen, um so ein Video drehen zu können und dadurch seine Verbundenheit mit und sein Interesse an der Mittelschicht und deren Problemen unter Beweis zu stellen. Er heuerte unentgeltlich und ohne sonst eingeforderte Notwendigkeit eines Anstellungsverhältnisses in der Pizzeria That’s amore an. Die ist zufällig zwei Blocks von der „Presse“-Redaktion entfernt und daher oft frequentiertes beziehungsweise angerufenes Ziel.

Zum Glück blieb allen Beteiligten der Zufall erspart, dass der Kanzler mit leicht angewidertem Blick ein Dutzend Pizze Marinara mit extra Knoblauch an den Newsdesk liefern musste, wo ihm ein gestresster Chef vom Dienst als seine zentrale Sorge das Ausbleiben von Texten der Kollegen schildert. Nein, der Kanzler, Entschuldigung: der SPÖ-Chef, ging zu kameratauglichen Menschen. Einer freute sich besonders überrascht, sein eigener Chef, der Sozialminister, besucht ihn nie zu Hause!

Jedenfalls bin ich Kern unendlich dankbar. Denn ich mag das Lokal in dem Viertel, in dem angeblich mehr gebürtige Italiener leben als sonst wo in Wien. Oben sitzt man nett und nüchtern, unten ist es ein wenig kellerig, aber auch nicht unnett. Die Kellner sind entspannt, die Gäste auch. Die Pizzen entsprechen fast dem neapolitanischen Standard, was nicht alle Wiener mögen, die sich lieber an die dicke, fette US-Pizzateig-Variante halten: Süditalienische Pizza heißt, dass es innen im Kreis ziemlich flüssig sein muss.

In unserer Amore gibt es aber nicht nur das Anti-Slimfit-Gericht, das Kern sonst sicher meidet, sondern eine aktuelle Tagesauswahl, die klarmacht, warum die Pizzeria die ideale Wahl für den SPÖ-Kanzler war. Hier findet man sozial kulinarische Gerechtigkeit: Fünf dicke, kurz gegrillte, exzellente knackige Spargel mit einem ordentlichen Haufen Prosciutto um elf Euro müssen unternehmerische Selbstausbeutung bedeuten. Oder: Eine geschmacklich dichte, mit viel Fisch – leider trockener Thunfisch! – und Garnelen-Getier ausgestattete Meeressuppe um 14 Euro bringt ein bisschen Adria-Urlaub, von dem der Mittelstand einst träumte. Um es in den Worten der Generation Instagram zu formulieren, die Kern so mag: So schmeckt Umverteilung. Und die Internationale.

Tipp

That’s Amore, Messenhausergasse 13, 1030 Wien, Tel: 01/343 95 18, täglich 11.30–15, 17.30–23 Uhr.

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Artikel drucken Artikel versenden Artikel kommentieren Facebook Twitter Pinterest
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode

>>>
Schwer lesbar? Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

5 Kommentare
schlafmalsuess
05.05.2017 19:04
0 0

Zahlt ihnen Kern etwas für diese schlechte Werbung?

Diese geschobene ´Rote Amore Kernfusion´ scheint mir recht übertrieben.
Dieses (wohl typisch Rot (Blau, Schwarz etc.)) geschobene, lediglich dem Parteikollegen einen Dienst erweisende G´schichterl, ist wohl eher zum ´rausstreichen´ und nicht zum Red. ablecken.
Die Zeitungen sind scheinbar nur mehr billige Gehilfen der Politik, die sie ja auch dafür bezahlt.

Also für mein Steuergeld brauch ich solche Schreib-Saftler net´ wirklich.
Tiefstes ErdoWahn Niveau.

Ich selbst mochte die Pizza dort nicht.
Der Standard hat schon vor Jahren eine recht positive Rezension zu besagter Pizzeria veröffentlicht.
Neapolitanisch eben.
Ich steh´ halt mehr auf die Römische.

Wa. Serro_
05.05.2017 18:09
0 0

Kern soll seiner Kanzlertätigkeit nachgehen und nicht heiße Luft ausblasen.

Ein Bundeskanzler sollte seine Arbeit verrichten und nicht Pizza austragen und Wahl kämpfen. Immerhin bezieht Kern ein beachtliches Gehalt aus Steuergeldern.


Christoph Brenner
05.05.2017 17:14
0 0

Der Bundeskanzler als Pizza-Bote

Na hoffentlich wurde Herr Kern von der Pizzeria auch ordnungsgemäß zur Sozialversicherung angemeldet ... man stelle sich nur vor, er hätte bei seiner Tätigkeit als Pizza-Lieferant einen Arbeitsunfall erlitten ...

Sualk H.
05.05.2017 15:16
0 0

Pizza Hammer & Sichel

Tipp für die Pizzeria: Man könnte ja auch eine
"Pizza Hammer & Sichel" kreieren und die
Premieren-Pizza durch den Hr. BK an Herrn
Amon zustellen lassen, damit dieser die Signale
hört.....

Antiquität
05.05.2017 12:48
0 0

Bitte öfters auch 'Glossen' von Herrn Nowak,

die fand ich schon super, bevor er Chefredakteur war. Auch wenn seine politischen Kommentare des Öfteren hier anstreifen, er sollte sich doch dann und wann 'austoben' können.

Lesen Sie mehr