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Testessen: Bar3

01.12.2017 | 10:10 |  Hans Brenner (Die Presse - Schaufenster)

Trinken wie früher und später

Bild: (c) Carolina Frank 

Die eigentliche Angst vor dem Älterwerden bilden weniger Alter, graue Haare und seelische Reife, sondern die Peinlichkeit. Mit ebendiesen Erfahrungen zu hadern. Also eben krampfhaft jünger wirken zu wollen. Negative Beispiele gibt es ohne Ende, Sportwagen- und -partner etwa oder Clubs mit der strikten Zielgruppe Ü40 und unwürdigem Herumgehopse. Höhepunkt wird dann wahrscheinlich das Mick-Jagger-Seniorenheim werden. Dass es auch ganz anders geht, bewies ein Besuch in der neuen Bar3 in der Wiener Salesianergasse. Einst war hier das legendäre Pan e Wien beheimatet, mit dem Thomas Edlinger eine norditalienisch beeinflusste Küche und ein paar Trüffel ins holzgetäfelte Wien brachte. Irgendwann endete die Legende, und nun wagen die Brüder Sandro und André Gargiulo – sie betreiben das L’autentico 1190 und das L’autentico giardino – ein Wiener Speak-easy, das zumindest am Testabend von einer sympathischen Crowd mittelalterlicher Großstädter besucht wurde. (Einige Anglizismen gehen sicher noch.) Das Publikum wirkte, als wären ein paar Tische aus dem Borchert für das Glas danach eingeflogen worden. Oder als hätte es die Kinder in dem Berliner Lokal zurückgelassen. Der Andrang kurz nach der Eröffnung mag mit der wirklich guten Renovierung zu tun haben, die aus der rustikalen Italo-Beklemmung eine intime Rot-Plüsch-Messing-Kuschelbar machte, in der sich auch Alexander Van der Bellen nach 22 Uhr wohlfühlen würde. Musik und die Drinks entsprechen dem witzigen Retro-Konzept, das Cocktails aus den 20er- und 30er-Jahren vergangener Alkohol-Zeiten bietet. Der „South Side“, den Al Capone bevorzugte, wird adrett im Oma-Kristallgläschen serviert und ist tadellos. Die Mischungen haben Namen wie „Fashion Martini“, „The Jam Session“, „R & L Daiquiri“, „Retro Gimlet“ und „Twenty Five“.

(c) Carolina Frank / Bild: (c) Carolina Frank 

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Die Küche unterstützt die gute Stimmung im Lokal mit wirklich guter Steak-Ware und einem Burger, dessen einziger Makel Brote sind, die weder weich noch knusprig genug sind, um sich für eine der beiden Geschmacksfraktionen zu entscheiden. Die Hipster-Barkeeper agieren lässig und schaffen es auch, jedwedes Missverständnis („Pisco Sour? Nein, Whiskey Sour? Trinken Sie beide!“) lässig vergessen zu machen. So altern wir in Würde. Also mit dem richtigen Gin Tonic in der Hand.

Info

Bar3, Salesianergasse 25/1, 1030 Wien. Tel: +43(0)1/710 61 24, Mo–Do: 17–1, Fr–Sa: 17–3, Küche bis 23 Uhr.

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