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Testessen: Schau.Spiel

06.02.2018 | 18:04 |  Anna Burghardt (Die Presse - Schaufenster)

Gastronom Otto Raimitz hat nach St. Pölten expandiert. Noch Wochen nach der Eröffnung ist das Lokal gerammelt voll. Und abends sehr pink

Bild: (c) Pressefotos Lackinger  

Am Tag nach der Niederösterreich-Wahl strahlt es an einer Ecke des St. Pöltener Rathausplatzes pink heraus. Die Neos hatten den Einzug in den Landtag geschafft  – aber damit dürfte es nichts zu tun haben. Gastronom Otto Raimitz – ein Abstecher in die Konditorei Raimitz ist in Krems Pflicht! – hat nach St. Pölten expandiert und sein Ecklokal Schau.Spiel im November eröffnet. Man bietet durchgehend Küche, „VIP-Deluxe-Frühstück für Pärchen“, und ohne Wraps und Burger geht es nicht. Noch Wochen danach ist das Lokal gerammelt voll. Und abends sehr pink. Aus Leuchtstoffröhren ergießt sich das Pink über alles. Auf die Gesichter der Gäste – am Testabend fast nur Frauen. Auf die Gesichter der Kellner, die eine Art Jeans-Tankwartkostüm tragen, oder sieht das nur wegen der Sponsorenlogos auf den Ärmeln so aus? Auf den Bizepsen werben Medienhaus, Weingut, Sparkasse und andere lokale Unternehmen. Zur Kenntnis genommen.

(c) Pressefotos Lackinger / Bild: (c) Pressefotos Lackinger 

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Das Pink überzieht aber auch die Teller, verleiht dem Beef Tatar eine kränkelnde Farbe, macht die Scheiben von Roten Rüben (wie sonst, wenn nicht Carpaccio genannt) auf einem schwarzen Teller unsichtbar und sorgt bei den diversen Blattsalatschnipseln, die großzügig als Füllmaterial auf die überteuerten Vorspeisenteller gehäuft werden, immerhin für einen appetitlichen Braunton. Für ein sehr kleines Räuchermakrelenfilet (ein wunderbarer Fisch, aber nun nicht gerade der teuerste) auf besagten dünnen Rüben­scheiben, besagtem Füllmaterial und von zwei Tupfern Joghurt flankiert ruft man 13,50 Euro auf. Umso erstaunlicher die Preisgestaltung für die kleinen und sehr ordentlichen Grammel- und Speckknödel, die pro Stück auf 1,80 Euro kommen – inklusive einer großzügigen Portion von ebenfalls sehr ordentlichem Champagnerkraut.

Die Rindsuppe bestellt man hier nicht einfach mit der gewünschten Einlage, man „gestaltet sie auf verspielte Art und Weise“ mit Frittaten oder Ähnlichem. Als Forschungsobjekt kann die getrüffelte violette Karfiolschaumsuppe dienen: Hätte man sie nicht selbst bestellt, man wüsste mit geschlossenen Augen nicht, was man isst – der billige Trüffelgeschmack und der säuerlich abgeschmeckte Karfiol verhalten sich wie die Pluspole zweier Magneten. Mit offenen Augen wäre das Rätsel bei diesem Licht auch nicht zu lösen – welches Gemüse kann so derartig pink sein? Ambitioniert ist die Kaffeebohnenauswahl, noch etwas verbesserungswürdig die Zubereitung. Aber: Es gibt Raimitz-Mehlspeisen.

Info

Schau.Spiel, Rathausgasse 1, Tel.: +43/2742/4374, Mo–Mi: 7.30–24, Do–Sa: 7.30–1 Uhr, Küche: 7.30–22 Uhr.

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