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Champagner im Röntgen: Was er wirklich kann

20.12.2012 | 17:36 |  Anna Burghardt (Die Presse - Schaufenster)

Rosé wird er wohl nicht als Trend ablösen: Brut Nature. Über Weinknochenbau, Austern als Anhaltspunkt und Verschleierungstaktiken.

Wenn Sie das Make-up wegtun und das Röntgenbild hernehmen, sehen Sie, was ein Champagner wirklich kann“, sagt Stephen Leroux, Exportmanager von Louis Roederer, als er kürzlich in der „Kim kocht Wineclass“ Champagner kommentierte. Und nur ein wirklich ansehnliches Weinskelett, wenn man so will, ist geeignet für Brut Nature. Die Grundweine für Champagner müssen makellos sein, damit man einen knochentrockenen Champagner – Ultrabrut, Brut Nature oder Zero Dosage, bis 3 g Restzucker – daraus machen kann. Also Champagner ohne Dosage, jenen süßen Wein, der nach Entnahme der Hefe in die Flasche nachgefüllt wird.

Roederer hat allerdings (noch?) keinen Brut Nature im Angebot, wenngleich Stephen Leroux den dosagefreien Champagner prinzipiell als Kandidaten für den Nachfolger von Rosé als Champagner-Trend ins Treffen führt. Roséchampagner ist heute fünfmal so gefragt wie noch vor zehn Jahren – ob Brut Nature einen ähnlichen Anstieg verzeichnen wird, ist fraglich. „Wenn ein Winzer in der Champagne Sie nicht kennt, würde er Ihnen nie einen Brut Nature anbieten“, ist sich Schaumweinexperte Albin Windbichler von Wein&Co sicher, der Geschmack schrecke mitunter ab. Im Wein&Co-Magazin wird daher auch gewarnt, dass Brut Nature nur etwas für Kenner sei. „Den trinken Fortgeschrittene. Leute, die auch Austern essen.“ Seine Erfahrungen im Verkauf zeigen umgekehrt: „Je weniger man sich auskennt, desto süßer trinkt man.“ Der Zucker in der Dosage verschleiert Fehler in den Grundweinen, kleistert diese mit süßem Make-up zu. Je hochwertiger die Grundweine für den Champagner, desto weniger Dosage.
 
Aber nicht alle Brut-Nature-Trinkenden sind Profis, in manchen Kreisen ist er wegen des gar nicht vorhandenen bis sehr geringen Restzuckers aus Figurgründen interessant: „In Australien wurde ein Brut Nature auf dem Laufsteg von Models präsentiert“, erzählt Stephen Leroux, im Londoner Brown’s Hotel indes serviert man zum Tea-Tox, dem Afternoon Tea für Figurbewusste, Extrabrut oder Brut Nature, weil dieser „low in calories“ seien.

Trocken-Trinker. Österreich ist an sich ein gutes Pflaster für Brut Nature, glaubt Windbichler, der familiäre Verbindungen in die Champagne hat. „In der Champagne weiß man, dass wir ein Land der Trocken-Trinker sind.“ Im Fortgeschrittenenbereich, muss man hinzufügen, Zuckerlsekt wird bei uns nicht so leicht auszurotten sein. Die Vorliebe für Brut-Champagner (bis 15 Gramm Restzucker) hierzulande, etwa im Vergleich zu den USA, die es nicht trocken mögen, hat für Windbichler auch mit der Verbreitung von Grünem Veltliner zu tun.

Das Angebot an knochentrockenem Brut Nature ist noch nicht groß, wächst aber, schlicht und einfach auch deswegen, weil mehr hergestellt wird. Die Aufwärtstendenz ist spürbar, sagt Alexander Davidek vom Wiener Champagner-Comptoir Le Cru, wo man fast jede Woche einen Brut Nature offen anbietet. Trinken würden den vor allem Weinkenner, die das pure Erlebnis suchen. Von Models sagt er nichts. 

TIPP
Kostproben. Champagne Brut Nature Blanc de Blancs 2002, Duval-Leroy, 59,99 Euro, bei Wein & Co. André Clouet Silver Grand Cru Blanc de Noirs Brut Nature, 54,90, bei Meinl am Graben. Pol Roger Brut Nature, 49,90, Merkur am Hohen Markt. Schlumberger Brut Nature 2009, etwa 15 Euro im Handel, glasweise um 5 Euro zu kosten in der Kim kocht Wineclass. Bei Le Cru gibt es eine größere Auswahl an Brut Nature.

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