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Renaissance des Spontanblubberns: Naturschaumwein in der Alten Post

07.06.2017 | 17:26 |  Anna Burghardt (Die Presse - Schaufenster)

Er erkennt Rebstöcke an den Blättern und fragt sich, was fruchtiger Wein eigentlich sein soll: Enrico Bachechi veranstaltet die Weinmesse B.O.U.M.

Bild: (c) Stanislav Jenis 

Er wirft das Wort ganz en passant in den dunklen Raum, wartet aber derart genüsslich eine Reaktion ab, dass klar wird: So ganz nebenbei war das jetzt nicht. „Ampelographie.“ Enrico Bachechi ist einer von wenigen in Italien, die die Bestimmung von Rebstöcken beherrschen. Und er ist sichtlich ziemlich stolz darauf. In der Ampelographie arbeitet man unter anderem mit dem Aussehen von Weinblättern. „Und wenn ich nicht mehr weiterkomme, hilft mir ein Labor in Frankreich.“

Enrico Bachechi, geboren in Livorno, studierter Önologe, ist nun Naturweinhändler in Wien. Durch die Ampelographie hat Bachechi viele Winzer kennengelernt, vor allem in Italien. Und noch immer, auch jetzt als Weinhändler, berät er so manche Winzer, deren Flaschen er verkauft, etwa das biodynamische Gut Musella nahe Verona. Vor zwei Jahren hat er in Wien Vinifero, seinen Handel für naturbelassene Weine, gegründet.

Seit einiger Zeit ist er auch Chef eines schmalen, dunkel vertäfelten Lokals in der Gumpendorferstraße, das manchen bekannt vorkommen könnte: Davor war an dieser Adresse das Stiegenbeisl und zuletzt der urbane Statt Heurige. Diverse Weine, meist biodynamisch, mit minimalen Interventionen im Keller und oft komplett ungeschwefelt, werden im Vinifero offen ausgeschenkt. Gegen ein Stoppelgeld von fünf Euro auf den Flaschenpreis kann man vor Ort auch Weine konsumieren, die man sich aus dem Regal geholt hat.

Spontan vergoren

Der Großteil der Winzer, deren Weine man im Vinifero bekommt, stammen aus Italien, ein steigender Anteil kommt aus Spanien. „Wahnsinn, was sich dort derzeit bei Naturweinen tut.“ An österreichischen Weinen hat Enrico Bachechi nur solche im Programm, die hierzulande noch kaum jemand kennt: etwa vom „Garagenweingut“ Quantum aus dem niederösterreichischen Maissau, hinter dem der Theaterschauspieler Florian Schuhmann steckt. Ein Schaumwein von Quantum, ein Zweigelt rosé, wird nun auch bei jener Messe ausgeschenkt, die Enrico Bachechi gemeinsam mit dem naturweinaffinen Chef des Glacisbeisls, Paul Bodner, veranstaltet: Die B.O.U.M. Natur-Schaumwein-Messe in der Alten Post soll die weltweit erste sein, auf der nur spontan vergorene Schaum- und Perlweine zu finden sind. Dass das ein Nischenthema in der ohnehin nischigen Naturweinszene ist, ist Bachechi bewusst. Er weiß aber auch, dass es genügend Interessenten gibt, vor allem dank des Hypes rund um Pet Nat, Pétillant naturel. B.O.U.M. steht für „Bubbles only using must“.

Es sind also nur solche Sprudel auf der kleinen Weinmesse zugelassen, die durch eine einfache Gärung in der Flasche entstehen, anders als etwa Champagner oder Sekt. Nur der noch gärende Most wird in die Flasche gefüllt und darf dort tun, was er zu tun und lassen gedenkt.

Keine Hefe, kein Zucker für eine zweite Gärung. Die Idee zu dieser thematisch so eng abgesteckten Messe kam Enrico Bachechi und Paul Bodner bei einem Abendessen, bei dem auch Winzer der italienischen Gruppe Emilia Sur Lì anwesend waren. „Ich arbeite generell fast nur mit Freunden zusammen“, sagt Bachechi. Rund dreißig Weingüter werden die Prunkräume in der Alten Post mit ihren Naturschaumweinen bespielen. Aus Österreich sind etwa Christoph Hoch, Meinklang und Claus Preisinger dabei, aus der Slowakei Strekov 1075 und aus Italien unter anderem die Gruppe Emilia Sur Lì.

Wenn der Önologe Bachechi auf Weingütern arbeitet, ist ihm der Weingarten immer lieber als der Keller. Mittlerweile hat er auch am Kontakt mit seinen Kunden großen Gefallen gefunden, erzählt er. „Als ich auf Weinmessen gearbeitet habe, habe ich gemerkt, dass ich gern Naturweine erkläre. Das Verkaufen ist zwar noch etwas Neues, aber ich genieße es.“

Dass er so bald auch ausschenken würde, war schließlich nicht geplant. „Eigentlich habe ich ja nur ein Lager gesucht.“ Worüber er sich in Wien immer wieder wundert: „Wenn Leute hereinkommen und nach einem fruchtigen Wein fragen. Ich meine, alle Weine sind aus Früchten gemacht!“

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