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Wie Wiener Kaffeeröster heute überleben

23.03.2018 | 11:13 |   (Die Presse)

Naber Kaffee feiert den 110. Geburtstag – und gehört mittlerweile zu Café+Co.

100. Jubiläum / Bild: Naber Kaffee Manufaktur  

Wien. Dass ein Wiener Traditionsunternehmen seinen 110. Geburtstag feiert, wundert nicht. Wie gefeiert wird, verrät hingegen recht viel, nicht nur über den Betrieb selbst, sondern auch über die Branche. Denn obwohl derzeit die Zahl der Mikroröstereien (meist Ein-Personen-Unternehmen) steigt, werden die klassischen mittelständischen Wiener Röstereien, die noch handwerklich arbeiten, nicht gerade mehr.

Naber Kaffee ist noch ein solch seltenes Exemplar. Wobei das wohl auch daran liegt, dass die Rösterei seit 2016 mehrheitlich der Unternehmensgruppe Café+Co gehört, die eine Tochter der Leipnik-Lundenburger Invest Beteiligungs AG (LLI) ist. (Deren Haupteigentümer wiederum ist die Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien, LLI-Generaldirektor ein gewisser Josef Pröll). Also wird das Firmenjubiläum mit Limousinenservice, einem kleinen Konzert des Markenbotschafters und Violinisten Johannes Fleischmann, Häppchen und einer Führung durch die Rösterei in Strebersdorf gefeiert.

Geröstet wird noch per Hand

Geführt wird das Unternehmen von Marco Salvatori, dem Schwiegersohn von Ernst Naber (dessen Großvater das Unternehmen 1908 gründete). Salvatori ist stolz darauf, dass die Röstmaschinen immer noch handwerklich betrieben werden. 2000 Kilogramm Kaffee werden hier täglich geröstet. Man wolle gar nicht größer werden, sondern weiterhin eine Manufaktur bleiben, die der Kaffeebohne Zeit (nämlich bis zu 25 Minuten pro Röstung) lasse. Die Industrie schaffe das in weit weniger Minuten, aber das schmecke man auch, meint Salvatori. Die Kunst des Kaffeeröstens sei neben der Qualität der Bohnen, die richtige Mischung (Reinsortigkeit sei hier eher die Ausnahme, weil sich in Kombination mehr Aromen entwickeln) und vor allem die richtige Temperaturkurve beim Röstvorgang.

Naber – das mit der Übernahme auch das Logo modernisiert hat (der Turbanträger im Schneidersitz war nicht mehr zeitgemäß) – will sich weiterhin auf die Gastronomie konzentrieren. Gleichzeitig wolle man aber auf dem zentral- und osteuropäischen Markt stärker präsent werden, erklärt Salvatori. Sein Schwiegervater, Ernst Naber, beobachtet das Treiben am Rande. Er kann sich noch daran erinnern, als sein Großvater, damals noch in der Laudongasse in der Josefstadt geröstet hat und später sein Vater, Friedrich Naber, das erste Flüssigextrakt für Kaffee entwickelt hat. Er selbst sei immer noch im Unternehmen tätig, meint er. „Wir tauschen uns viel aus. Ich bin noch erwünscht, was sehr schön ist.“ (ks)

>> Naber Kaffee finden Sie auch im "Presse"-Shop

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.03.2018)

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