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Die ökologische Zukunft des Champagner

03.04.2018 | 09:23 |  Anna Burghardt (Die Presse - Schaufenster)

Sexuell verwirrte Insekten und leichtere Flaschen: Wie sich die Champagne ökologisch fit macht.

Themenbild: Weinanbau in der Champagne / Bild: Imago 

Die Champagne ist nicht die erste Region, an die man beim Thema Nachhaltigkeit im Weinbau denkt. "Man war dort auch lange Zeit nicht um das Thema bemüht, verließ sich auf sein Luxuspartyimage", sagte Essi Avellan im Rahmen von "Care's - The ethical Chef Days" in den Dolomiten. Die Finnin trägt den ausnehmend schwer zu erlangenden Titel Master of Wine (370 sind es weltweit) und hat sich auf Champagner spezialisiert. Die Region im Nordosten Frankreichs sieht sie als einen Vorreiter für Nachhaltigkeitsbewusstsein im Weinbau.

In zwei Jahren wird man sehen, ob die selbst gesteckten Ziele erreicht werden konnten. "Die Champagne ist früh aufgewacht. Sie war weltweit die erste Weinregion, die sich geschlossen eine Klimabilanz verordnet hat, vergleichbar mit einem einzelnen Unternehmen." Das war vor 17 Jahren. Das Ergebnis: "Das AOC-Gebiet Cham pagne, mit 34.000 Hektar, rund 15.000 Weinbauern, rund 300 Champagnerhäusern und einer Produktion von 312 Millionen Flaschen pro Jahr, hatte einen CO2-Fußabdruck wie eine 200.000-Einwohner-Stadt." Bis 2020 will man diese Kohlendioxidemissionen um ein Viertel gesenkt haben.

Der größte Faktor sei, so Essi Avellan, die Verpackung und das damit verbundene Transportgewicht. Das Comit Champagne hat daher schon im Jahr 2010 eine neue Flasche vorgestellt, die leichter ist als bis dato und dennoch dem hohen Druck des Schaumweins standhält: Sie wiegt 835 statt 900 Gramm. "Das mag nicht viel erscheinen, 65 Gramm weniger können aber schon einen gewaltigen Unterschied machen." Nur einige Prestige-Champagner, etwa der "Cristal" von Louis Roederer, werden weiterhin in schwerere Flaschen abgefüllt.

Die Champagne ist rechtzeitig aufgewacht.
Essi Avellan

Mit Pferdepflug. Mit dem Prädikat "biologisch" haben die Anstrengungen allerdings nur bedingt zu tun, hier hinkt die Champagne anderen Regionen hinterher. "Nur 1,25 Prozent der Anbaufläche werden zertifiziert biologisch oder biodynamisch bewirtschaftet", sagt Avellan. Darunter aber ein sehr bekanntes Champagnerhaus: Louis Roederer ist mit seinem Anteil von 100 biodynamischen Hektar der bei Weitem größte Betrieb der Champagne, der dieser Philosophie folgt, mit Pferdepflug und vergrabenen Kuhhörnern. Frankreich kennt zwei Gütesiegel für biodynamischen Wein: Biodyvin und Demeter.

Sechs Weingüter sind Biodyvin-zertifiziert, 14 tragen ein Demeter-Siegel. Von insgesamt 15.000 Winzern in der Champagne, wohlgemerkt. Die Bedingungen für biologischen Anbau sind in diesem feuchten, kühlen Gebiet schwierig. "Die Champagne ist aber zu einer der führenden europäischen Weinregionen geworden, die Schädlinge mit der Verwirrmethode bekämpfen", so Avellan. Dabei werden männliche Insekten hormonell verstört und orientierungslos gemacht, damit sie die Weibchen nicht finden das englische "sexual confusion" drückt es plastischer aus.

 

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