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Mode in Berlin: "Synonym für Oberflächlichkeit"

29.06.2016 | 15:12 |  Daniel Kalt (Die Presse - Schaufenster)

Etwas mehr als ein Jahr nach seiner Konstituierung ist der Fashion Council Germany voll operativ. Am Rand der Berliner Modewoche wurde nun der Aktivitätenkatalog präsentiert.

Der Fashion Council Germany mit Business-Partnern. /  

In Modebelangen tickt das große Deutschland wohl sehr ähnlich wie sein kleiner Nachbar Österreich: Während in anderen europäischen Ländern die gehobene Lebensart (nicht zuletzt ob ihres ökonomischen Gewichtes) großes Ansiehen genießt, wird Modeschaffen in den beiden deutschsprachigen Ländern gern als Steckenpferd, als nichtiges Tun belächelt. Das unterstreicht auch die Vorstandsvorsitzende des Fashion Council Germany (FCG), Marie-Louise Berg, in einer soeben veröffentlichten Stellungnahme: "In Deutschland wird Mode zumeist als ein Synonym für Oberflächlichkeit gehandelt und gern belächelt." Als eine der Folgen dieser Situation nennt sie die Abwanderung junger Talente, welche der FCG nun endgültig stoppen möchte.

Natürlich soll, wie während der gerade laufenden Berlin Fashion Week nun überdeutlich wird, auch aufseiten potenzieller Kunden mit vielfältigen Initiativen die Lust auf Mode, wenn schon nicht "made", so doch zumindest "designed in Germany" geweckt werden. In Österreich kennt man die Situation schon länger: Hier gibt es schon seit etwa anderthalb Jahrzehnten das Bestreben, junges Kreativschaffen systematisch, zum Großteil mit Mitteln aus der öffentlichen Hand, zu fördern. Wie schwierig es ist, nachhaltig positive Effekte zu zeitigen und ein besseres Klima für Modedesign zu erzeugen (oder das Interesse möglicher Kunden zu wecken), zeigt sich freilich erst nach einer mehrere Jahre währenden Initialphase.

 Auf der Zeit-Konferenz in Berlin wurden neue Initiativen des FCG vorgestellt. Hier Zeit-Stilchef Tillman Prüfer.Auf der Zeit-Konferenz in Berlin wurden neue Initiativen des FCG vorgestellt. Hier Zeit-Stilchef Tillman Prüfer. 

Der erste Förderdurchlauf des FCG startete im Herbst 2015: Damals wurden - etwas überraschenderweise ohne vorherige Ausschreibung oder publik gewordenen Kriterienkatalog - in Kooperation mit dem Berliner Senat zwei Mentees des Modeverbandes bestimmt. Neben der gebürtigen Wienerin Marina Hoermanseder, die mit ihrer Firma in Berlin ansässig ist, und Nobieh Talaei soll im zweiten Jahr des Mentoring-Programms nun auch der deutsch-chinesische Jungdesigner William Fan gefördert werden.

Dank einer Partnerschaft mit H&M können sich nun aber auch Designer, die nicht in Berlin ansässig sind (das vom Senat unterstützte Mentorenprogramm definiert zumindest dies als Voraussetzung), um eine Förderung bemühen: Zwischen 15. Juli und 31. August können sich Designer für das "Fellowship Programme by the Fashion Council Germany and H&M" bewerben. Eher in das Kapitel Imagearbeit fällt derweil die Initiative "Sustainability & Style", für die vier im "Vogue Salon" vertretene deutsche Designer Denim-Teile von vier Jeansmarken einem ästhetisch anspruchsvollen Upcycling unterzogen hatten. Auch diese Kooperation wurde während der beginnenden Berlin Fashion Week vorgestellt.

 FCG-Mentee Nobieh Talaei entwarf auch für die "Sustainability & Style"-Initiative.FCG-Mentee Nobieh Talaei entwarf auch für die "Sustainability & Style"-Initiative. 

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Und freilich, es braucht diese vielfältigen Ansätze und einigen Einfallsreichtum, um ein ambitioniert anlaufendes Förderprogramm erfolgreich auf Schiene zu bringen. Der Vorteil von Deutschland und der Zusammenarbeit mit so wichtigen Partnern wie dem Condé-Nast-Verlag (nicht umsonst ist Vogue-Chefredakteurin Christiane Arp Präsidentin des CFG und damit "die neue starke Frau der deutschen Mode") ist zudem, dass so leichter potente Partner aus der Wirtschaft gewonnen werden können. Neben H&M stehen etwa auch Bogner, der Springer-Verlag, die Messe Frankfurt oder Swarovski auf der Liste der kooperierenden Unternehmen. Von einem vergleichbaren Commitment im Sinne einer Private-Public-Partnership ist man in Österreich - wo es freilich auch national verankerte Textilunternehmen gibt - leider noch etwas weiter entfernt.

Andererseits zählt gerade in der Kreativwirtschaftsförderung, das haben die letzten Jahre in Österreich ebenfalls gezeigt, ein möglichst langer Atem bei allen Beteiligten. Auch darum werden die weiteren Schritte des FCG mit der allergrößten Aufmerksamkeit zu beobachten sein.
 

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