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Heidi Klum und Lidl: Dompteuse im Asphaltdschungel

13.09.2017 | 13:25 |  von Daniel Kalt (DiePresse.com)

Die TV-Modelmama der Deutschen als ultimative Geschmacksinstanz. Ein verhindertes Gipfeltreffen mit Guido Kretschmer. Und sexy Biester aus Dortmund.

Heidi Klum für Lidl / Bild: Lidl 

Jedes Land hat die breitenwirksamen Modehighlights, die ihm entsprechen. Man denke nur an die edlen Kreationen von La Hong für Hofer in Österreich, oder, vor kurzem erst, die fröhlichen Stempel-T-Shirts von Marina Hoermanseder für Mitarbeiter*innen der Post. Wenn in Deutschland etwas Vergleichbares stattfindet, entwickelt dies ob der Größe des Landes und des Prominenzgrades der Beteiligten mitunter eine gleich weltweite Strahlkraft. So etwa, wenn Supermodel, TV-Castingshowmama und -Designerdoyenne Heidi "ich kenn' die gar nicht"* Klum zu ihren mannigfachen Berufsfeldern ein neues hinzufügt und, wie zuletzt, für den Lebensmitteldiskonter Lidl eine Kollektion entwirft.

Da Lidl nun zwar ursprünglich deutsch, zugleich aber in fast dreißig Ländern zugegen ist und eine internationale Ausrollung dieser Kleiderentwürfe plant, hat die Kooperation mit dem beherzten Namen #letsWOW also ein globales Fashion-Potenzial. Der Kollektionstitel entspricht der derzeit allerorts grassierenden Hashtag-Manie, die häufig zu ziemlichen Unsinnigkeiten führt (auch in diesem Fall). Die Neo-Designerin weiß als Fernsehprofi jedoch, was sich verkauft - das ist auch einer der reichhaltigen Heidi-Klum-Zitatsammlungen im Netz zu entnehmen: "Keine Ahnung, was ich hier rede, aber Anglizismen machen sich im Fernsehen doch immer gut, oder?" Freilich, und ein Anglizismus als Hashtag erst - da wird das #letsWOW gleich zum unwiderstehlichen Befehl.

Begleitet wird die Lancierung von Klums Entwürfen (während der "Lidl Fashion Week" ab 18. September) von dem üblichen Demokratisierungsgesurms, das man seit der als ewige Referenz geltenden Kollektion von Karl Lagerfeld für H&M aus dem Jahr 2004 kennt. Damals war immerhin noch von gutem Geschmack die Rede ("It's all about taste. If you are cheap, nothing helps", tönte KL im begleitenden Werbespot). Frau Klum gibt sich mit dem basisdemokratischen Recht auf Spaß vage marieantoinette'sch: "Mode soll Spaß machen. Und jeder sollte sich diese Freude leisten können." Hurra, hurra, man hört den Jubel und das Spaßgeschrei am Lidl-Eingang schon förmlich aufbrausen.

Sollte es kommende Woche in den Lidl-Filialen also zu Freudentänzen kommen, werden diese hoffentlich die sich zur Bio-Gemüseinsel vorkämpfenden Normalo-Kunden nicht allzu sehr behindern. Entworfen hat Heidi Klum ihren tragbaren Wow-Effekt übrigens, sollte das von Interesse sein, "inspiriert vom Urban Jungle". Das führte wiederum zu einer großen Zahl an sehr leistbaren (Freude!) Kleidungsstücken mit Leo-Print, weshalb die Deutschen (und der Rest der Welt) nun angehalten sind, ihre saisonal eigentlich nicht mehr ganz passende Safaribereitschaft modisch kundzutun.

Heidi Klum schwingt sich mit der Lidl-Kooperation endgültig in dieselben Sphären auf wie die zweite große Modeinstanz der Deutschen: Zumindest muss Guido "das tut nichts für sie" Kretschmer bis auf Weiteres nicht um seinen Vorsprung in puncto Stardesignerruhm bangen. Schade freilich, dass Heidi Klums Kollektion zu spät in die Lidl-Läden kommt, um noch für den knallharten Shopping-Queen-Wettbewerb der laufenden Kalenderwoche (bis 15. September) infrage zu kommen. Das Motto, dem folgend sich um den Titel der Einkaufskönigin ritternde Dortmunderinnen nämlich derzeit durch die Boutiquen wühlen, lautet: "Sexy Biest – zeige, wie aufregend Animal-Print sein kann." Um ein Haar hätte es da zu einem Gipfeltreffen Modeinstanzen des deutschen Fernsehens kommen können - sehr, sehr weit jenseits von Afrika freilich, nämlich in einer Lidl-Filiale ihres Vertrauens.

*Bezieht sich auf ein Diktum von Karl Lagerfeld, der einst angab, Heidi Klum sei ihm kein Begriff: "Ich kenn' die gar nicht. In Paris hat sie nie gearbeitet."

Rollentausch: Promis als Designer

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