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CreativeClass Wien: Ludwig Reiter und Peter Pilotto

27.02.2017 | 13:54 |  Christina Lechner (Die Presse - Schaufenster)

Die von Peter Pilotto neuinterpretierten Modelle der Wiener Schuhmanufaktur wurden bei der Fashion Week in London präsentiert.

Bild: Instagram/@peterpilotto 

Tradition trifft auf Trends. Designer Peter Pilotto und Christopher De Vos haben in Zusammenarbeit mit Ludwig Reiter den klassischen Schuhmodelle der Wiener Manufaktur einen neuen Anstrich verliehen. Der Kapuziner, der Kaminschuh, der Aprés Ski und eine neue Form des Reitstiefels wurden mit kaleidoskopischen Stickereien und kunstvollen Prints verziert. Zum Einsatz kamen Materialien wie Chenille, Tweed und Samt in Kombination mit Leder. Till Reiter über die Zusammenarbeit mit dem Modelabel.

Wie ist die Zusammenarbeit mit Peter Pilotto entstanden?

Wir kannten uns schon länger und es gab auch persönliche Verbindungen. Ich habe die Arbeit von Peter Pilotto und Christopher de Vos immer sehr interessant gefunden, und als sie dann an uns herangetreten sind, ob wir ihre diesjährige Fashion Show ausstatten könnten, für die sie ganz gezielt rahmengenähte Schuhe und Stiefel basierend auf klassischen Modellen wollten, habe ich mich über diese Herausforderung sehr gefreut.

Sind weitere Kooperationen geplant?

Wir arbeiten immer wieder und gerne mit Designern zusammen, sehen darin aber keine austauschbare Kurzweil. Im Idealfall bringt die Kooperation für beide Seiten komplementäre Vorteile, wozu es aber gegenseitigen Verständnisses bedarf, und das wird über kontinuierliche Zusammenarbeit immer besser und damit effizienter. Mit Helmut Lang haben wir 12 Jahre kooperiert und ich denke, es hat uns beiden sehr viel gebracht.

Wie vereint man Tradition und Trends?

Genau das ist ja das spannende an der Sache: gute Tradition ist ja nichts statisches sondern eine ständige dialektische Interaktion mit Neuem. Man muss nicht jedem Trend hinterherlaufen, aber man sollte das Neue an seine eigenen Traditionen heranlassen und diese damit immer wieder auf ihre Gültigkeit abtesten. Denken sie an die schöne Metapher: "Tradition ist nicht die Anbetung der Asche sondern die Bewahrung des Feuers" – keep it burning!

Welche Herausforderungen gab es bei der Fertigung?

Das Übliche: Die technische Übersetzung kreativer Ideen, die Verarbeitung von eigentlich für die Schuhfertigung ungeeigneten Materialien, der für Fashion Shows typische gewaltige Zeitdruck… Wir haben aber zum Glück in unserer Manufaktur eine unglaublich motivierte und engagierte sowie enorm kompetente Mann- (und Frau-)schaft, die scheinbar unmögliches vollbracht hat; das ist auch einer der Gründe, warum wir trotz unserer altmodischen Kultur für die Mode-Avantgarde so interessant sind.

Haben Sie einen Lieblingsschuh aus der Kollektion?

Der Reitstiefel aus Kalbleder mit der Nazca-Stickerei. Christopher de Vos stammt ja aus Peru und hat die Inspiration von dort mitgebracht. Die Motive erscheinen auf den klassischen Stiefeln nicht nur erfrischend elegant, sie wirken durch ihre Linienführung optisch sehr faszinierend, geradezu psychedelisch.

Wie ist es, die selbst produzierten Schuhe auf einem internationalen Laufsteg zu sehen?

 Ich hab das ja schon immer wieder erleben dürfen. Es macht großen Spaß, als über hundertjähriger Traditionsbetrieb bei der Jungen Avantgarde mitzuspielen und es ist schon ein sehr gutes Gefühl, dass man diesen einen wertvollen Beitrag bei Ihrer kreativen Arbeit liefern kann.

Wo werden die Schuhe verkauft? Wie viel werden sie kosten?

Die Schuhe waren ursprünglich nur als Ausstattung zur Show geplant. Wir waren dann alle über das kreative Ergebnis, den Erfolg auf der Show und das große Interesse völlig überrascht, sodass wir uns jetzt erst darauf einstellen und den Verkauf organisieren müssen. Wir können daher noch nichts genaueres sagen, außer dass sie im Herbst 2017 in ausgewählten internationalen Boutiquen und Online-Stores angeboten werden sollen, eventuell auch in einigen Ludwig Reiter Geschäften. Die Preise werden etwas über vergleichbaren Modellen aus unserem eigenen Repertoire liegen.

 

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