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Männermode: Parade der Alphatierchen

31.01.2013 | 16:12 |  von Daniel Kalt (Die Presse - Schaufenster)

Während es draußen stürmte und schneite, wurde in Paris und Mailand die Männermode für Herbst 2013 gezeigt.

Die Männermode ist in Anbetracht des neuerlichen Wintereinbruchs ganz auf der Höhe ihrer Zeit. Während es nämlich in Paris und Mailand stürmte und schneite, wurde die Winterkleidung für die kommende kalte Jahreszeit präsentiert. Umso wärmer (!) wurden etwa die üppig proportionierten Wintermäntel von Versace aufgenommen. Auf thermisch dankbares Neopren setzte Giorgio Armani für seine Emporio-Linie, und Kim Jones, der die Männermode für Louis Vuitton entwirft, gab sich Schneeleopardenfantasien hin. Für Aufsehen sorgte in Mailand, wie eigentlich jede Saison, Miuccia Prada, die als „Bühnenbild“ (es lässt sich fast nicht anders sagen) für ihr Defilee eine Art bourgeoisen Wohnzimmertraum errichten ließ: Ihr modisches Kammerstück setzte den Akzent auf Retrolooks, viele Jacken beließen es bei der nierenwärmerisch heiklen Hüftlänge.

Warum sich aber mit hypochondrischen Sorgen aufhalten, da sich obendrein der Blouson-/Kurzjackentrend als wiederkehrendes Phänomen herauskristallisierte: Zu sehen waren solche Modelle unter anderem auch bei Louis Vuitton, Hermès oder Dior Homme. Zart besaitete Fashion Victims mögen sich sofort mit Angora-Unterleibchen eindecken.

Pariser Skaterboys? Jenseits der Modeästhetik im engeren Sinn sorgten natürlich auch andere Vorkommnisse am Rande des Laufstegtreibens für Gesprächsstoff: So vernahm man, dass das amerikanische Modehaus Oscar de la Renta dem in Paris in Ungnade gefallenen Designer John Galliano als Kreativkonsulenten Unterschlupf gewährte. Bei Balenciaga ist eine Periode vorübergehender Designerlosigkeit angebrochen – Nicolas Ghesquière ist weg, Alexander Wang noch nicht angekommen, in der Zwischenzeit übernahm ein anonymes Designteam die Kollektionserstellung. Jil Sander lief unterdessen zu neuer alter Hochform auf und bleibt auch in der zweiten Saison nach ihrer Rückkehr an die Spitze der ihren Namen tragenden Marke ihrer reduzierten, kühlen Vision von (Männer-)Mode treu.

Geradezu aufregend ging es in Paris zu: Dort zeigte Kris Van Assche als Kreativdirektor bei „Dior Homme“ eine elegante, mit raffinierten Details versehene Kollektion, die den Fans der Marke gefallen dürfte. Einen Imagewandel hatte für dieses Maison ja einst Hedi Slimane bewirkt, der – nach einer längeren Pause – in die Modewelt zurückgekehrt ist und neuerdings für das von Yves Saint Laurent gegründete, jetzt als „Saint Laurent Paris“ firmierende Haus tätig ist. Im Herbst wurde das Duell der Newcomer, also Raf Simons bei Christian Dior für Damen und Hedi Slimane bei Saint Laurent, noch ziemlich aufgebauscht und in der Folge Slimane für sein allürenhaftes Auftreten gescholten. Fans von Slimanes sehr erfolgreicher Arbeit für „Dior Homme“ von 2001 bis 2007 erwarteten dennoch voll der Vorfreude die Ergebnisse seiner Arbeit für den neuen Arbeitgeber – und wurden enttäuscht. Der in Los Angeles lebende Franzose zeigte einen bizarren Mix aus Fetzenjeans, Schlabber-Cardigans und Ringelschals, die vielleicht kalifornischen Skaterboys gefallen; der Geschmack der anspruchsvollen Pariser Kundschaft dürfte aber eindeutig verfehlt worden sein. Das Publikum, besonders alte Slimane-Fans, zeigte sich „not amused“, beziehungsweise, treffender, „pas du tout enchanté“.

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