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Taschen: Wertanlagen zum Umhängen

03.05.2017 | 16:29 |  von Christina Lechner (Die Presse - Schaufenster)

Statt auf Gold lieber auf eine „Birkin Bag“ setzen? Das steckt hinter den „investment pieces“.

Bild: (c) Vestiaire Collective 

Am liebsten habe ich mein Geld dort, wo ich es sehen kann – hängend in meinem Kleiderschrank.“ Das ist wohl eines der bekanntesten Zitate von Sarah Jessica Parker alias Carrie Bradshaw in der kultigen TV-Serie „Sex and the City“. Oft spricht man von „investment pieces“, wenn es sich um Luxusprodukte handelt, die in keiner Relation zum aktuellen Kontostand stehen.

Dass diese Stücke aber tatsächlich Investitionen sein können, zeigen nicht nur die Rekordergebnisse von Auktionshäusern – im Vorjahr wurde eine „Birkin Bag“ von Hermès aus Krokodilleder mit 245 Diamanten und Golddetails um etwas über 300.000 Dollar bei Christie’s in Hongkong versteigert –, sondern das belegen auch Forschungsergebnisse. Baghunter, eine Online-Plattform für Taschenverkäufe, hat 2016 den Wertgewinn von Gold, dem Aktienindex S & P 500 sowie dem der „Birkin Bag“ verglichen. Das Ergebnis: In den vergangenen 35 Jahren hat die „Birkin Bag“ um 500 Prozent an Wert gewonnen, das entspricht einer jährlichen Steigerung von 14,2 Prozent. Bei S & P 500 kam man immerhin auf eine jährliche reale Rendite von 8,65 Prozent und bei Gold im Durchschnitt auf minus 1,5 Prozent.

Tragbare Wertanlage: Mode als Investment

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Investment-Rangliste. Gut, ein alltägliches „investment piece“ ist eine „Birkin Bag“ aus Krokoleder wohl nicht, doch wer beim Shoppen über die Stränge schlägt, der hat mittlerweile viele Möglichkeiten, seine alten Designerteile zu Geld zu machen, um den Kleiderschrank wiederum neu zu bestücken. Seit 2009 ist etwa Vestiaire Collective auf dem Markt, eine Online-Plattform, die sich auf den Kauf und Verkauf von Designermode und -accessoires spezialisiert hat. Alle verkauften Stücke werden auf ihre Echtheit und Qualität hin überprüft. „Ich habe die Garderoben meiner Freunde durchwühlt, um dann alles zu verkaufen, was sie nicht mehr getragen haben. So haben ich und meine fünf Kogründer Vestiaire Collective von unseren Wohnungen in Paris aus gegründet“, erinnert sich Fanny Moizant an die Anfänge. Nach acht Jahren hat die Seite über fünf Millionen Mitglieder und ist in fünf Ländern vertreten. Taschen sind die erfolgreichste Kategorie der Verkaufsplattform, weshalb ein Ranking erstellt wurde. Angeführt wird die Rangliste von Chanels „Timeless“-Modell, danach folgen die „Speedy“ von Louis Vuitton und die sagenumwobene „Birkin“ von Hermès. Das teuerste je verkaufte Produkt war übrigens eine „Himalaya Birkin Bag“, die um 65.000 Euro den Besitzer wechselte.

(c) Vestiaire Collective / Bild: (c) Vestiaire Collective 

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Ein gutes Investment kann man aber auch mit anderen Marken und Modellen tätigen, weiß Moizant: „2015 hat der ,Chanel Graffiti‘-Rucksack einen durchschnittlichen Wiederverkaufswert von 140 Prozent zum Verkaufspreis aufgrund des Hypes um die Kollektion und die limitierte Stückzahl.“ 2016 bekam man für die „Curved Bag“ von Céline immerhin noch 100 Prozent des Kaufpreises, bei der „Moujik“-Tasche von Saint Laurent waren es sogar 116 Prozent. Besonders beliebt sind momentan die „Air Hobo“ von Balenciaga und die „Pierce Bag“ von J. W. Anderson. „Mein Insider-Tipp ist die ‚Fendi Baguette‘. Dieses Modell wird bald ein Revivial erleben“, weiß Moizant. Sie selbst sucht nach einer Vintage-„Kelly Bag“ in Navyblau und verfolgt auch in ihrem Kleiderschrank die Maxime „Eines rein – eines raus“.

Vintage-Versteigerung. Ein steigendes Interesse an Taschen und Mode verzeichnet auch das österreichische Auktionshaus Dorotheum seit einigen Jahren. Was eine gute Investition ist, lässt sich nicht genau definieren. „Ich würde sagen, wenn man etwas wiederbekommt, nachdem man es gebraucht hat. Die meisten Sachen kann man ja in den Altkleidercontainer geben“, zeigt sich Sonja Höpp, die unter anderem auf Vintage-Mode spezialisiert ist, pragmatisch. Natürlich gebe es auch immer wieder Ausreißer. „Im Vorjahr hat ein Pierre-Cardin-Kleid aus den 1970ern 37.000 Dollar gebracht. Aber wer konnte sich das damals leisten? Und wer denkt über so einen langen Zeitraum? Das muss ich vor 50 Jahren gekauft haben , um jetzt einen Gewinn zu machen“, so Höpp. Wer Mode und Accessoires mit dem Gedanken einkauft, sie später wieder zu Geld zu machen, der sollte einige Dinge beherzigen. „Prinzipiell sollte man gute Qualität und Marken kaufen. Wenn ich in Kunst investiere, dann kaufe ich auch nicht die untere Liga, sondern das, was den Marktpreis über Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte hält“, erklärt Taschenspezialistin Regina Herbst.

(c) Vestiaire Collective / Bild: (c) Vestiaire Collective 

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Nach Hermès folgen Chanel und Louis Vuitton in der Reihe der begehrtesten Marken. „Wenn ich es als Wertanlage sehe, würde ich die klassischen Modelle wie die ,Chanel 2.55‘ oder die ,Kelly‘ beziehungsweise die ,Birkin Bag‘ kaufen, die es schon lange gibt, denn die sind ja immer gefragt“, sagt Herbst. Bei Textilien verhält es sich etwas anders, immerhin muss auch die Größe stimmen, wenn man ein Stück nicht gerade für eine Sammlung kauft. Chanel ist momentan die Hauptinvestitionsmarke im textilen Bereich, und hier „überwiegen die Trägerinnen“. Zweimal im Jahr findet eine große Mode- und Accessoireauktion statt. Im Juni wird es neben Chanel auch viele Stücke von Issey Miyake zu kaufen geben – „das wird spannend. Damit werden wir wohl mehr die Künstler ansprechen.“ Besonders gefragt sind Stücke, die es nur selten gibt, da von einer Kollektion nicht alles gleich oft produziert wird. „Bei Chanel war in den 90ern ein bestimmter Kostümtyp sehr beliebt. Der kommt immer wieder. Aber manchmal ist auch etwas dabei, von dem man weiß, das hat sich in Wien – man muss ja auch lokal denken – sicher nicht jeder gekauft.“ Und schließlich entwickelt sich bei einer Auktion immer eine eigene, unberechenbare Dynamik. Herbst und Höpp verbringen viel Zeit damit, die Echtheit der Stücke, die von Einzelpersonen oder Verlassenschaften kommen, zu überprüfen. „Chanel hat etwa eine Seriennummer, Louis Vuitton einen Datumscode, Hermès einen Jahresstempel“, weiß Herbst. Das allein reicht aber noch nicht. Auch die Verarbeitung und kleinste Metallteile werden kontrolliert. Chanel verwende etwa nur Zipps bestimmter Firmen, und auch, wie das Logo eingebracht wird, sei genauestens reglementiert, erklärt Höpp: „Wir haben schon viele Stiche gezählt.“

Tipp

Investieren. Die nächste große Dorotheum-Auktion mit Mode und Accessoires findet am 14. Juni statt.

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