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Zukünftig: Fashion & Technology

07.06.2017 | 16:42 |  von Christina Lechner (Die Presse - Schaufenster)

Zeit, Dimension, Luxus – Begriffe wie diese haben die „Fashion & Technology“-Studenten an der Kunstuniversität Linz in ihren innovativen Projekten analysiert.

Bild: (c) Guenter Parth 

Nachhaltige Mode und Technik. Das klingt nur im ersten Moment nach einem Widerspruch. Tatsächlich sieht Ute Ploier, Leiterin des Studiengangs Fashion & Technology an der Kunstuniversität Linz, darin die Zukunft. Und nicht nur für ihre Studierenden, sondern auch für die Modeindustrie. „Es gibt beispielsweise eine 3D-Strick Firma in Oberösterreich, da kommt das Kleidungsstück fertig gestrickt aus der Maschine. Es wird kein Abfall produziert, man kann umweltfreundliche Garne verwenden und auch der CO2-Fußabdruck bleibt klein, da man regional produzieren kann“, verdeutlicht Ploier die Ausrichtung der Ausbildung an einem Beispiel. „Wir wollen eine Alternative anbieten. Das Modesystem, wie es jetzt läuft, kommt an seine ökologischen und menschlichen Grenzen.“

Visionäre Projekte: Mode und Technologie

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Seit bald zwei Jahren gibt es den Studiengang in Linz, der entstand, als der Vertrag zwischen Kunstuniversität Linz und der Modeschule Hetzendorf auslief. Wie ein Studium in Linz aussehen muss, damit es erfolgreich ist, damit habe man sich über ein Jahr beschäftigt. Doch schon bald kann man auf den Faktor Technologie, den Linz als Industriestandort zu bieten hat. Das Interesse war gleich da, schon zum Start gab es 90 Bewerbungen. Und die Studenten kommen nicht nur aus Österreich und Deutschland, sondern auch aus Argentinien, England, Russland, Ungarn, Rumänien, Portugal oder dem Iran. Mittlerweile kann man nach bald vier Semestern ein erstes Fazit ziehen. Und das fällt durchaus positiv aus. „Der erste Jahrgang macht gerade ein Praktikum und konnte tolle Plätze bekommen, etwa bei Iris van Herpen, Adidas, Puma oder auch Bless“, berichtet Ploier. Und das, obwohl man in Sachen Renommee ganz von vorne angefangen hat.

Umsetzen und erleben. Kooperationen mit Industrieunternehmen, die in Oberösterreich ansässig sind, sind einer der Schwerpunkte des Studiums. Dazu zählen etwa der Faserhersteller Lenzing, das Textile Zentrum in Haslach, eine 3D-Druck-Firma in Linz, das Linz Center of Mechatronics oder auch die Ars Electronica. „In Workshops können die Studierenden hautnah die verschiedenen Technologien – ob jetzt traditionelle oder High-Tech – erleben“, berichtet Ploier. Für das workshop- und projektbasierte Curriculum werden viele internationale Lehrbeauftragte engagiert. „Die Vernetzung ist sehr wichtig. Und es ist auch nötig, die Studierenden im Praktikum und dann später auch im Master in die Welt hinauszuschicken“, weiß Ploier. Der Masterstudiengang ist für 2018 geplant, hier will man sich noch stärker auf die Zusammenarbeit mit der Industrie konzentrieren. Denn nur mit einem potenten Partner sind die Vielzahl an Technologien auch umsetzbar und erlebbar.

Die Firma Lenzing ist etwa Weltmarktführer für den Herstellungsprozess von Tencelfasern, die in einem geschlossenen Kreislauf aus Buchenholz entstehen und damit sehr ökologisch hergestellt werden. Mit diesen Fasern arbeiteten die Studierenden in diesem Semester am Textilen Zentrum Haslach auf über 100 Jahre alten Jacquardwebstühlen. In Zusammenarbeit mit Lenzing hat man auch die Aufgabenstellung des Semesterprojekts entwickelt. Die Studierenden sollten Begriffe wie Wachstumsprozess, Zeit, Tempo, Dimension, Handwerk, Luxus und Wert in Beziehung zueinander stellen und auf Basis dieser Recherche in Designlösungen übersetzen.

Dass man bei einer derartigen Ausrichtung des Studiengangs die Früchte der Arbeit nicht in einer normalen Modenschau präsentiert, liegt auf der Hand. Im Vorjahr ließ man die Werke etwa von einem Radiologieexperten des Universitätsklinikums Linz mithilfe eines Computertomografen durchleuchten. In diesem Jahr wird die Show Anfang September im Zuge des Ars Electronica Festivals stattfinden. Dabei wird man unter anderem mit Robotik-Experten Johannes Braumann und dem Roboter Kuka iiwa sowie mit Künstlerin Alex Murray-Leslie, einer der Gründerinnen von Chicks on Speed, einem Kollektiv für Musik, Performance, Design und visueller Kunst, zusammenarbeiten. 

Tipp

Das Bachelorstudium Fashion & Technology ist eine Ausbildung für zeitgenössisches Modedesign in 7 Semestern, www.ufg.at/fashion

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