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Amanshausers Album: New York City

22.03.2017 | 15:03 |  von Martin Amanshauser (Die Presse - Schaufenster)

Fällt in der außergewöhnlichsten Stadt der Welt Schnee, produzieren ihre Bewohner einen Feiertag.

Schneesturm Stella legte vor Kurzem den Osten der USA und Kanada lahm: Spitzen- geschwindigkeiten von bis zu 140 Stundenkilometern und schwere Schneeverwehungen. / Bild: (c) APA/AFP/JEWEL SAMAD 

„A state of emergency has been issued“  – kein Wunder, dass die deutsche Kanzlerin ihren Besuch beim verhaltensgestörten US-Präsidenten verschieben musste. Ich saß während der weltweit live übertragenen Natur­katastrophe in New York City fest. Jetzt weiß ich, was sie Blizzard nennen: starken Schneefall mit Wind. „The ice that hits you in the face – it does do that!“, beschreibt ein Reporter die absurde Endzeitstimmung aus der Bronx. Tollste Quoten für das Wetter-TV! Schulen sind geschlossen, und die Bewohner werden gebeten, daheim zu bleiben – also geh ich natürlich raus. In der Upper Westside haben die Räumfahrzeuge zu Mittag nur den Broadway fahrbar gemacht. Schneeschaufler mit Arbeitsgeräten ungefähr von der Größe unserer Sandspielzeuge arbeiten sich ineffizient und fluchend voran. Ein paar Lokalbesitzer räumen lustlos ihren Eingangsbereich frei. Sie und die Schneepflüge überziehen parkende Autos beidseitig mit Lawinen. Einige Autobesitzer schaufeln die
weiße Pracht auf Straße und Gehsteig zurück.

Ein Blizzard in NYC? Bei uns wäre das ein normaler, unwirtlicher Skitag. Jene Wetterbedingungen am Schneeberg beim letzten Kinderskikursrennen, das ich besuchte, müssten dann Snow-Tsunami oder Winter-GAU heißen.Auf Kosten der Fußgänger werden die Schneemassen zu den Rändern der Zebrastreifen geschoben. Die Passanten tappen in matschige Untiefen. Auf dem Times Square lässt sich ein Hochzeitspaar von Fotografen neben langsam schmelzenden Schneemännern knipsen. Die Schleppe der bibbernden Braut ist grau vereist. Über Nacht wird der New Yorker Schnee grundsätzlich nicht geräumt. Er friert und muss mit Hacken vom Boden entfernt werden. So ungefähr wird das im 19. Jahrhundert auch gewesen sein. Würde ein nächtliches Schneechaos zur Mittagsstunde nicht halbwegs unter Kontrolle sein, müsste ja ein Wiener Bürgermeister sofort zurücktreten oder sich zumindest in den Kopf schießen. In NYC binden Passanten sich Plastiksackerln um die Füße, damit ihr Schuhwerk bestehen bleibt. „The Americans are so empfindlich“, beobachtet mein achtjähriges Kind.

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