Artikel drucken Artikel versenden Artikel kommentieren

Amanshausers Album: 11. Keycards, Ausgeburt der Hölle

10.05.2017 | 19:11 |  Martin Amanshauser (Die Presse - Schaufenster)

Und wieso wollen die Hotels immer Kreditkartendaten als „Kaution“?

Sicherheit. Mit immer mehr Securitymaßnahmen muss die Hotellerie auf digitale Angriffe reagieren. Ein Thema zumindest lässt sich traditionell lösen: mechanische Schlüssel für die Zimmer. / Bild: (c) Clemens Fabry 

Ich kenne nur einen Vorteil der Hotel-Keycard: Sie passt in die Geldbörse. Nachteil: Sie funktioniert oft nicht. Verschmutzt, alt, kaputt? Egal, die Rezeption programmiert eh eine neue, und die geht wieder nicht. In solchen Momenten bin ich suizidal. Zudem laufen Keycards allgemein zur Auscheckzeit aus. Oft hat man aber Verspätung, einen Tag angehängt, ein Late-Check-out. Irgendwas hat man ja immer. So trappelt man hängenden Kopfes nach unten. Man trauert der Hotelwelt des 20. Jahrhunderts nach, in der es Schlüssel gab. Was spricht denn gegen mechanische Schlüssel? Waren total effizient. Verschwanden deutlich seltener.

Jüngst las man wieder, wie oft Keycards von Hackern geknackt werden, sowohl jene mit Magnetstreifen – Europas größte Hacker-Organisation, der Chaos Computer Club, verwies mehrfach auf „keycard duplicators“ – als auch solche mit „radio-frequency identification“: Funk-Chipkarten können bei unsachgemäßer Abschirmung abgelesen werden. Behörden und Geheimdienste verschaffen sich im Notfall sowieso Zutritt in Hotelzimmer, ganz ohne bei der Rezeption zu betteln. Trotzdem bezeichnet jeder Systembetreiber gerade sein  System als upgedatet, „vollständig sicher“. Schwindlig wird einem, glaubt man der Wiener Cybersicherheitsfirma
Radar Services – und warum sollte man nicht? –, die auf den niedrigen IT-Sicherheitsstandard in Hotels hinweist. „Derzeit sind alle im Fokus der Cyberangreifer“, sagt deren Chefstratege Christian Polster. InterContinental-Hotels gaben gerade offen Tausende Hackerangriffe auf die Kreditkarteninfos ihrer Kunden zu.

Polsters Team empfiehlt „ständige Überwachung aller Einfallstore für Schadstoffware“, „kontinuierliche Schwachstellenanalyse“, „laufende Analyse und Korrelation von Logs der Systeme“. Ja, super. So bleibt unsere Wirtschaft in Schwung, Herr Polster, und Sie auch! Ich empfehle hingegen andere Maßnahmen: die Abschaffung der Hotelunsitte, meine Kreditkartendaten beim Einchecken für die Abzweigung einer Zwangskaution zu verwenden. Und ich empfehle Schlüssel statt Keycards.

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Artikel drucken Artikel versenden Artikel kommentieren Facebook Twitter Pinterest
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode

>>>
Schwer lesbar? Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

Lesen Sie mehr

  • Eine Bollywood-Traumhochzeit im Mittelmeer

    Indischer Filmstar heiratet Milliardärssohn. Und für diese Familienfeier chartet der Vater eines der größten Kreuzfahrtschiffe Europas, um vier Tage lang die indische Hochzeit des Jahres zu zelebrieren. Nur der Elefant fehlte.
  • Sambia: Warten im wilden Wasser

    Im Land am Sambesi ist noch viel von Afrikas wilder Schönheit zu finden. Im Wasser gähnen jede Menge Hippos. Elefanten tauchen zwischen Büschen auf. Mitunter marschieren Tiere durch die Lodge.
  • Amanshausers Album: 13. „Radieschenisierung“

    Wie sehen Gemüse und Obst nach der Radieschenisierung der Supermarktprodukte aus?