Artikel drucken Artikel versenden Artikel kommentieren

Amanshausers Album: Print lebt

22.06.2017 | 15:05 |  von Martin Amanshauser (Die Presse - Schaufenster)

In Norwegen zahlt man selbst das Bahnhofsklo mit Kreditkarte, doch gibt es neue Geldscheine.

Bargeld soll in Norwegen als Zahlungsmittel weiterexistieren, auch wenn fast alle mit Karte bezahlen. Die neuen 100- und 200-Kronen-Scheine wurden neu designt. / Bild: Bank 

Ich habe einiges mit Banknoten erlebt. In Usbekistan musste ich mir zu Inflationszeiten (ca. 25 Prozent) einmal zum Geldtransport eine Sporttasche besorgen. Man fühlt sich da so reich. Ich trug knappe 100 Euro, also Abertausende, also Sum, also Som oder Som, durch Taschkent, immer auf der Hut vor
Sporttaschendieben. Leider waren die Scheine hässlich, wie mich ja Rubel und Nachfolgebanknoten nie besonders bezauberten, wobei ich die aus der DDR mit Goethe (20 Mark) und Marx (100 Mark) ausnehmen mochte.

Hingegen gefällt mir die zeitlose Eleganz des Dollars mit seinen "dead presidents" (obwohl nicht alle Präsidenten sind), er ist einfach die Währung mit der stärksten Suggestionskraft. Den Kerl auf der 20-Dollar-Note mag ich am meisten. Der umstrittene Andrew Jackson (1767 1845) wirkt so wirrkopfartig, unwillkürlich
verbreitet er gute Laune. Wundervoll war ja auch Europas Banknotenvielfalt, der trockene Schilling, die hässliche Westmark, der edle Francs, die Millionärswährung Lire, der Spielgeld-Escudo, die schnittige Peseta, der designerhafte NL-Gulden, die drachenartige Drachme, die Finnmark mit ihrem Markkaa-Plural, der Günter Tolar Sloweniens, bevor sie alle zusammensickerten in unsere Serie hässlich-anonymer Torbögen und Brücken in absurd unterschiedlichen Formaten.

Eine tolle Schildbürger-Geschichte leistet sich zurzeit Norwegen. Die Norges Bank beauftragte für eine neue Kronen-Serie acht renommierte Agenturen mit Entwürfen zum Kernthema Meer. Der Jurysieger, Enzo Finger, verfolgte ein klassisch-seriöses Konzept. Doch Fingers Geldscheine, entschied die Notenbank, werden nicht umgesetzt. Die Agenturen Metric Design und die Architekten von Sn hetta kamen zum Zug, die Norweger drucken aber vom einen Entwurf die Vorder-, vom anderen die Rückseite! Die Zerschlagung zweier schlüssiger Konzepte der Albtraum jedes Grafikers. Ein Hybridschein entstand: Vorn herrscht Designerklarheit, hinten unerklärliche Pixelbalken. Doch immerhin bildet der Zweihunderter einen Kabeljau ab (den Torsken "Norges nasjonale fisk") und keinen faden Staatsmann.

www.amanshauser.at

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Artikel drucken Artikel versenden Artikel kommentieren Facebook Twitter Pinterest
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode

>>>
Schwer lesbar? Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

Lesen Sie mehr