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Amanshausers Album: Rexburg, Idaho

30.08.2017 | 14:04 |  von Martin Amanshauser (Die Presse - Schaufenster)

21 – Live-Notizen von der „Great American Solar Eclipse“ mit 2:17 Minuten Totalität.

Die totale Sonnenfinsternis am 21. August war vor allem in Nordamerika gut zu beobachten. Der Kernschatten des Mondes überstrich in den USA über ein Dutzend Bundesstaaten. / Bild: (c) APA 

Meine vierte Sonnenfinsternis, langsam kann ich behaupten, mein erstes Hobby. 1999 war ich in Salzburg, die Sonne brach Minuten vor der Totalitätsphase durch die Wolken. 2006 stand ich bei Volksfest-Stimmung an einem Coca-Cola-Stand im südlichen Ghana, 2012 in Cairns (Australien) schob sich eine Wolke vor die Sonne, Pech. Diesmal herrscht Bilderbuchwetter, als ich in Rexburg, Idaho, die erste kleine Delle in der Sonne bemerke. Ein Junge neben mir tut das gleiche: „Look Mom, in the top right corner it‘s already disappearing – it‘s insane!“

Am Campus der Brigham Young University lagern Einheimische auf den unvermeidlichen US-Klappstühlen neben einer Gruppe holländischer Finsternisprofis mit dem begeistert-hohlen Lachen der über 50-Jährigen. Während der Mond die Sonne zu überschatten beginnt, verfällt der Drei-Dollar-Preis der Schutzbrillen. „Solar glasses, one dollar, the eclipse is happening right now!“, ruft eine Verkäuferin.

Kühle Winde blasen, das Licht wird türkis und milchig. Ich spüre meine Aufregung. Der Anführer der Holländer zeigt seinen Leuten die Venus am Tageshimmel. Sie jubeln wie nach einem Torerfolg. Er zählt den minütlichen Countdown hinunter. (So gewissenhafte Leute bräuchte man bei Silvesterparties.) Eine Dämmerung im Schnelldurchlauf.

Die Korona bricht durch. „Totality!“, schreit jemand in das aufbrausende niederländisch-amerikanische Gekreische hinein. Zwei Minuten und 17 Sekunden Totalität. „That is so cool“, sagt ein kleines Mädchen beeindruckt, dem ich mich sehr verwandt fühle.

Wieder Helligkeit. Alle senden Bilder rum, Telefonnetze brechen zusammen. „That was the best thing ever!“, sagt das Mädchen. Später spielt sie mit zwei Decken und verlautbart: „Totality is still happening here – we must come inside these two blankets to make a hut.“
Eine Amerikanerin sagt: „Amazing, but quick.“

Ein Holländer bilanziert: „Das sürrealistische Licht.“ Die Preise der I-was-there-Shirts sinken erst ab morgen. „I didn‘t see you in the dark“, steht vorne auf einem, und hinten: „See you again in 152 years!“

www.amanshauser.at

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