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Amanshausers Album: Salzburger Almkanal

03.10.2017 | 07:51 |  von Martin Amanshauser (Die Presse - Schaufenster)

Der Salzburger Almkanal, ein Wunderbauwerk, öffnet für zwei Septemberwochen einen Stollen.

Der städtische Arm (Neutorarm) des Almkanals zwischen Reichenhaller Straße und Mundloch des Mönchsbergstollens. / Bild: (c) Beigestellt 

Ein lapidares Schild nahe der ­Brunnhausgasse, wo der Salzburger ­Alm­kanal mehr als elf von zwölf Monaten durch ein Gitternetz in den Berg fließt: „Stiftsarmgerinne – Lebensgefahr“. Stollenführer Markus aus Oberösterreich, Bartmode vom Typus Siebziger- oder Zehnerjahre, führt die Gummi­stiefelgruppe über eine Leiter in ein fast leeres Bachbett mit knöcheltiefem Wasser. Wen hier normalerweise die Flut hineinzöge, der würde, sagt Markus, „ziemlich verwurschtelt“: brutale Wassermenge, hohe Fließgeschwindigkeit, Überlebenschance null. Dieser Stiftsarm, ein 860-jähriges Unikat, der älteste mittelalterliche Wasserstollen Europas, durchquert den Fels zwischen Mönchs- und Festungsberg bis zur Altstadt bei der Talstation Festungsbahn.

Heute ist offen. Einmal jährlich findet während zwei bis drei Wochen die Almabkehr statt. Almmeister schließen die Einlaufschleuse zum Kanalsystem zwischen Königsseeache und Salzach (46 Meter Gefälle, insgesamt 18 Kilometer), und lassen das Bachbett von Sand, Schotter, Wasserpflanzen und Sperrmüll reinigen. In dieser Zeit machen Markus und Kolleginnen Stollenführungen. Der Almkanal, eine Lebensader Salzburgs, Springbrunnen- und Trinkwasserquelle, blieb bis ins 20. Jahrhundert der einzige Kraftlieferant für Industrie, Handwerk und Gewerbe. Noch heute nutzen ihn 16 Kraftwerke zur Energieerzeugung – da­runter die für das städtische Notstromaggregat. Er füllt auch Kühlwasserbehälter für Klimaanlagen und das Notkühlwasser der Festungsbahn.

Auf den 400 Metern Fußweg unter Tage begegnen wir massenhaft hellen Algen, einer Kopffüßer-Versteinerung, zahlreichen Stalaktiten (Wachstum: ein Zentimeter pro Jahrhundert), Stalagmiten und Grabsteinsubstanz aus Adneter Marmor. Manchmal wird der Tunnel brustniedrig, manchmal schulterschmal. Aber nur zwei Platzängstliche drehten bei Markus’ Führungen 2017 um. „Vorsicht, Kopf!“, ruft er uns Helmlosen hinter sich zu, „Weitersagen!“, und alle sind froh, dass hier noch herkömmliche Sicherheitsregeln der Vernunft gelten. Markus mit seiner natürlichen Lockerheit ist dafür exakt der Richtige.

Der Autor war Gast von www.salzburgerland.com.
www.amanshauser.at

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