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Amanshausers Album: Meeresluft

29.11.2017 | 15:48 |  Martin Amanshauser (Die Presse - Schaufenster)

34 - Fischmenü neu? Früher standen Aquarien in Lokalen. Heute stehen bereits Lokale in Aquarien.

Norwegen. 2019 öffnet bei Kap Lindesnes mit dem Under eines der größten Unterwasserrestaurants der Welt. In Europa ist es das einzige. Geplant von Snøhetta. / Bild: (c) MIR / Snøhetta 

Früher gab es diese Chinalokale mit ihren Aquarien, in denen traurige Zierfische trieben. Nicht für Mahlzeiten bestimmt. Beim Chinesen vermied man als Konsument Fischgerichte ja möglichst. Als eine neue Generation die Lokale übernahm und ambitioniertere Projekte startete, verschwanden die Aquarien der Elternära.

Stand einst das Aquarium im Lokal, so steht nun immer öfter das Lokal im Aquarium. Bekanntestes Beispiel ist wohl das um ein Riesenaquarium gebaute Al Mahara im sogenannten Sieben-Sterne-Hotel (es gibt im Hotelbereich nur fünf Sterne) Burj Al Arab auf einer künstlichen Insel in Dubai. Es läuft unter der Marke des britischen Spitzenkochs Nathan Outlaw (der heißt aber wirklich so). In Deutschland wiederum liegt das La Mer in Neuwieder, Rheinland-Pfalz, quasi in einem 150.000-Liter-Aquarium, und die Betreiber pumpen salzige Meeresluft in die Gaststube.

Inzwischen existieren sogar echte Unterwasserlokale. Die maledivischen Restaurants Ithaa auf Rangali Island, von Conrad Hotels, einer Hilton-Tochter, und das „5,8“, ebenso viele Meter unter dem Meeresspiegel, auf der kinderfreien Resortinsel Hurawalhi, erinnern vor allem an jene legendäre Regierungssitzung in Taucheranzügen, die der maledivische Präsident Nasheed vor einigen Jahren publikumswirksam auf dem Meeresgrund abgehalten hat – kritischer Hinweis auf den steigenden Meeresspiegel, der den Inselstaat bedroht. Inzwischen wurde Nasheed von jenen Oberschicht-Ganoven weggeputscht, die die Malediven seit Jahrzehnten unter Kontrolle halten, und maledivische Aktivitäten unter dem Meeresspiegel sind seitdem wieder ganz in der Hand der Kapitalvermehrer. Das berühmteste Unterwasserlokal der Welt – großartige Pressearbeit! – liegt allerdings woanders, im Poseidon Resort auf Fidschi. Selbiges Resort sollte seit 2008 in Betrieb sein. Sperrte aber nie auf.

Wohin also? In Båly, Kommune Lindesnes im südlichen Norwegen, soll bald das Under (norwegisch auch „Wunder“) eröffnen. Hoffentlich wird etwas draus. Mir persönlich ists allerdings egal. Ich gehe zum Steinzeit-
Chinesen. Mit Aquarium.

www.amanshauser.at

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