Artikel drucken Artikel versenden Artikel kommentieren

Amanshausers Album: „Shithole Namibìa“

25.01.2018 | 09:00 |  Martin Amanshauser (Die Presse - Schaufenster)

39 - Namibia wehrte sich zuerst. Denn kein Land wird gern „Shithole“ genannt.

Ehrenrettung der Elefanten im Etosha-Nationalpark Namibias sowie anderer vom US-Präsidenten verunglimpfter Orte in Afrika folgte auf Trumps „Shithole“-Sager. / Bild: (c) EPA (Jon Hrusa) 

Jüngst hat der US-Präsident Länder wie Haiti, El Salvador und pauschal „afrikanische Länder“ als „Shitholes“ bezeichnet. An seinem Dementi – es seien zwar „harte Worte“ gefallen, aber „nicht diese“ – erkennt der gelernte Österreicher, der die Dementis der hiesigen Dementi-Partei seit Jahrzehnten erduldet, dass dieses Wort offenbar tatsächlich fiel. Wohl aus Schamhaftigkeit wurde es in den Medien mit „Dreckslöcher“ übersetzt, meiner Ansicht nach nicht ganz korrekt.

Im deutschen Sprachraum bevorzugen wir bekanntlich die anal geprägten Schimpfwörter, während die Angelsachsen in ihren argen Flüchen sexuelle Konnotationen herstellen. Ich kann mir ausmalen, dass es den vornehmen Kolleginnen und Kollegen deutscher Nachrichtenagenturen aus Stilgründen leichter fiel, das Wort als „Dreckslöcher“ wiederzugeben und nicht einfach das vulgäre „Scheißlöcher“ hinzuschreiben. Sie mögen indes debattiert haben, ob sie nicht vielleicht „Sch…löcher“ schreiben würden, aber in einer Zeit, in der das TV ohnehin alles ausspricht, auch das Ärgste, hätte man sie dann ja für prüde und rückständig halten können. „Sch…“ liest man nirgends mehr. Schade!

Amanshausers Album. Namentlich Namibia, von Trump bekanntlich in einer Rede als „Namm-Bja“ bezeichnet. Von dort kam ein humorvolles Naturvideo, das Amerikaner, so sie denn ihr „wunderschönes, perfektes Land“ verlassen wollten, ins „Shithole Namibìa“ einlud, wo auf sie „die älteste Shithole-Wüste der Welt“ warte, die Wüste Namib, und wo die Elefanten im Etosha Nationalpark „sch..ßen“ würden, wohin sie wollten.

Besagtes Shithole habe Sonne an 300 Tagen im Jahr. Dazu gab es Bilder von der wunderschönen Destination, die ich selbst schon durchquerte. Damals kam ich auf 800 Metern an einen abgelegenen Ort namens Maltahöhe, wo ich –Namibia hieß einst Deutsch-Südwestafrika – in ein deutsches Gasthaus einkehrte. Dort fiel mir ein Aufkleber ins Auge: „Maltahöhe liegt nicht am Arsch der Welt – aber man kann ihn schon sehen.“ Bitte nicht dem US-Präsidenten zeigen! Der nimmt Ironie sicher ernst.

www.amanshauser.at

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Artikel drucken Artikel versenden Artikel kommentieren Facebook Twitter Pinterest
Meistgelesen
    Als Gast kommentieren

    ...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

    *... Pflichtfelder

    Sicherheitscode

    >>>
    Schwer lesbar? Neuen Code generieren

    Verbleibende Zeichen

    Lesen Sie mehr

    • Sportpalast Schachtjo: Gymnastics Donezk

      Der Sportpalast Schachtjor ist der älteste Turnsaal der Stadt Donezk in der Ostukraine. Hier wird trotz des Krieges balanciert und gesprungen, geboxt und gerungen.
    • Cäsar Ritz: „Dieser Phönix von einem Hotelier“

      Alle wissen zwar, dass es ein Ritz gibt, doch die wenigsten, dass es einen Ritz gab. Gestatten: Cäsar Ritz! Der Hotelier starb vor hundert Jahren.
    • Südafrika: Safari outdoor – und im Museum

      Löwen am Wasserloch beobachten? In Südafrika an der Tagesordnung. Das neue Zeitz Museum of Contemporary Art in Kapstadt bietet zudem noch einen anderen, experimentellen Zugang zur Natur.