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Amanshausers Album: Das zerstört die Airbnb-Idee

05.04.2018 | 10:29 |  Martin Amanshauser  (Die Presse - Schaufenster)

48. Zuerst war ich ein Fan der Airbnb-Idee. Aber seit professionelle Player drin sind, streike ich.

Warum an Locals hauptvermieten, wenn man an Touristen zigfach verdient? /  

Vor einigen Jahren lebte ich in Berlin-Mitte. Immer wieder freute ich mich über diese und jene netten Nachbarn aus einem der sieben Stockwerke. Manche mit Kindern, manche alt, viele unkonventionell alle jedoch sehr kosmopolitisch. Mich wunderte das nicht. Bis ich eines Tages begriff, dass in diesem Haus eine Nationalität total fehlte: die Deutschen, die Locals! Klar, dachte ich, ist ja Berlin, alle hier international, aber... Wieso schieben die netten Nachbarn eigentlich immer Rollkoffer durch die Gegend?

Das Gebäude verlor bei mir an Prestige, als mir klar wurde, dass meine Nachbarn einfach Touristen waren, die diese Nachbarwohnungen über Airbnb mieteten. Ich konnte Besitzer und Hauptmieter zunächst schon verstehen. In Berlin arbeitet ja die Hälfte der Leute nicht wirklich. Wenn jemand dann eine tolle Wohnung in Mitte hat, liegt der Gedanke nahe, eigene Mieteinnahmen über Airbnb zu lukrieren und sich selbst während Buchungszeiten zu am Deal anteilsmäßig beteiligten Freunden in unpopulärere Viertel zurückzuziehen.

Fake-Wohnungen zur Gewinnmaximierung

Ursprünglich war ich ein Freund von Airbnb und Couchsurfing, habe solche Serviceleistungen in anderen Städten immer gern genutzt. Nichts ist angenehmer, als Hotels zu vermeiden und zu wohnen wie die Einheimischen. Jene putzig eingerichteten Fake-Wohnungen aber, die nur dem Zweck der Geldmaximierung dienen, betrieben von Steuervermeidern, die Angestellte fürs Einchecken und Putzen bezahlen bestimmt beides schwarz zerstören diese Illusionen gründlich.

Angesichts solcher Praktiken fühle ich mich wie der Vertreter einer Hotelier-Lobby. An Orten wie Berlin und Barcelona, aber auch in Ibiza die Urlaubsinsel verbietet seit diesem Winter illegale Kurzvermietungen und führte jüngst Strafen von 40.000 für Private und 400.000 für Plattformen ein nimmt die Airbnb-Pest so überhand, dass Wohnraum knapp wird und Mieten steigen. Ich boykottiere bei Airbnb seitdem Unterkünfte, die auf Missbrauch durch Immobilienprofis, die mit Strohmännern arbeiten, hindeuten. Ein bisschen Internetneugier man findet das immer heraus.

 

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