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Mauritius: Mit Haien tauchen, Schildkröten streicheln und heiraten

19.12.2017 | 08:55 |  Von Martin Stuhlpfarrer (Die Presse)

Die Gesichter einer Insel. Für reine Badeurlaube ist die Insel, die sich in 40 Jahren stark verändert hat, fast zu schade. Dafür werden Fragen beantwortet, wie: Was fühlen Schildkröten, wenn man sie streichelt?

Big Daddy, älteste Riesenschildkröte und Chef des Naturparks Ille aux Aigrettes. / Bild: Imago 

Big Daddy ist nicht der schnellste. Gut, er ist schon 105 Jahre alt, hat kurze Beine und wiegt satte 150 Kilo. Da muss man gnädig sein. Obwohl: Für eine Riesenschildkröte ist er im besten, fast jugendlichen Alter. Genüsslich kaut er an einer Pflanze, begutachtet selbstbewusst jene Gruppe, die sich um ihn versammelt hat. „Bitte nicht zu nahe kommen“, meint die Naturschützerin. Die mächtige Schildkröte, die ihr kräftiges Maul in Hüfthöhe von Menschen bewegt, sollte nicht unterschätzt werden. „Auch wenn er noch nie jemandem etwas getan hat“, meint sie, „aber wissen kann man nie.“

Big Daddy ist der Chef auf Ile aux Aigrettes, einer kleinen Insel, das ein geschütztes Naturreservat ist, eine halbe Bootsstunde von der Hauptinsel entfernt. Ein Ort, an dem noch freilaufende Riesenschildkröten zu bewundern sind. Wo auch Fragen beantwortet werden, die man nie zu stellen gewagt hat. Beispielsweise: Kann man Schildkröten streicheln? Besser gesagt: Bringt das irgendetwas? (Der Schildkröte, natürlich!) Die überraschende Antwort: „Ja, man kann Schildkröten streicheln – sie mögen das.“ Die Wildlife-Führerin streichelt der Riesenschildkröte langsam über den Panzer, Big Daddy streckt entspannt alle vier Beine von sich: „Schildkröten haben Nervenbahnen direkt unter dem Panzer. Sie können Streicheleinheiten gut spüren – sie lieben das“, wird erklärt.

Martin Stuhlpfarrer Ile aux AigrettesIle aux Aigrettes / Bild: Martin Stuhlpfarrer 

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Wir denken uns: Wieder etwas gelernt! Dazu gehört auch die Erkenntnis, dass Mauritius mehr als Sonne, Strand und Meer ist. Auch wenn in diesen Tagen, in denen Schneefälle und eisige Temperaturen in Österreich vorherrschen, Gedanken an „Weihnachten unter Palmen“ dominieren. Gedanken an eine afrikanische Insel mit wunderschönen Stränden und einer Wettervorhersage, die 30 Grad im Schatten und angenehme Badetemperaturen im Meer verspricht. Denn für einen reinen Strandurlaub ist die Insel zu abwechslungsreich: Die (kleinen) Berge, die zum Wandern einladen, bunte Märkte nahe der Hauptstadt Port Louis, auf denen indische Gewänder und einheimische Nahrungsmittel verkauft werden, wie Früchte, Fische und Gewürze. Und auf denen auch Skurrilitäten zum Kauf angeboten werden – wie beispielsweise eine Tasche der Wiener Magistratsabteilung 48 (Abfallwirtschaft und Straßenreinigung), die die Menschen mit Sprüchen wie „Der Tonne entgegen“ zur Mülltrennung auffordert. Deren Herkunft bleibt ungeklärt, während der Blick über die Weiten der Zuckerrohrplantagen schweift. Neben dem Tourismus sind sie das wirtschaftliche Standbein der Insel, die 1800 Kilometer östlich von Afrika, direkt im Indischen Ozean, liegt.

Wie sich das Land verändert hat

In der Zwischenzeit erweist sich Big Daddy bei der Wanderung durch das Naturreservat als durchaus anhänglich. Wer Schildkröten streichelt, geht offenbar eine Freundschaft fürs Leben ein – was ziemlich lang ist, können die Riesenschildkröten doch rund 200 Jahre alt werden.

Als Big Daddy geboren wurde, war Mauritius noch eine britische Kolonie. Wie hat sich die Insel seit der Unabhängigkeit 1968 verändert? Wie durch den Tourismus und die Vermarktung als Traumdestination für Luxusreisende – mit intensiv gepflegtem Klischee von Palmen, Strand und Meer?

Eine Antwort findet man im Nordwesten der Insel. Dort liegt in einer malerischen Bucht das Le Saint Géran. Es gilt als „Grande Dame“ von Mauritius, war es doch das erste Luxushotel, das auf Mauritius eröffnet wurde – vor insgesamt 42 Jahren. Damals allerdings nicht für Luxusreisende. „Als Erstes kamen die Arbeiter auf die Insel. Dann die Geschäftsleute, die an den Fabriken interessiert waren“, erzählt Burty Armance, Chefconcierge im Le Saint Géran. Kaum jemand kennt die Entwicklung der Insel so gut wie er – ist er doch auf Mauritius aufgewachsen und heute so etwas wie der oberste Concierge-Vertreter aller Hotels der Insel.

Mit Fabriken meint Armance die Zuckerrohrindustrie, die das wirtschaftliche Rückgrat der Insel ist. Von einst 250 Zuckerraffinerien blieb heute allerdings nur eine Handvoll. Dafür ist die Produktion von Rum weiterhin ein Schwerpunkt auf Mauritius. Zu sehen an den unzähligen Zuckerrohrfeldern, welche die Landschaft bei einer Fahrt über die vulkanische Insel prägen.

(c) Martin Stuhlpfarrer Auf Märkten finden sich auch Skurrilitäten wie eine Tasche der Wiener MA48, die nun Mauritier zur Mülltrennung auffordert.Auf Märkten finden sich auch Skurrilitäten wie eine Tasche der Wiener MA48, die nun Mauritier zur Mülltrennung auffordert. / Bild: (c) Martin Stuhlpfarrer 

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Irgendwann kamen nicht nur Geschäftsleute, sondern auch Reisende. Anfangs Franzosen, oft Südafrikaner, dann auch Europäer auf der Suche nach einem sehr exklusiven Refugium. Immerhin ist die Insel rund zehn Flugstunden von Mitteleuropa entfernt.

Heute gilt Mauritius als Traumurlaub für Pärchen. Als Destination für Flitterwochen oder Heirat unter Palmen. Denn im Gegensatz zu den Malediven, kann auf Mauritius rechtsgültig geheiratet werden. Worauf sich Hotels bereits spezialisiert haben, die oft ein eigenes Brautservices anbieten. „Und die Kinder kommen zurück“, meint Armance.

Die Kinder kehren zurück

Es sind jene Kinder, die mit ihren Eltern einst Mauritius besucht haben. Und nun als Erwachsene zurückkehren – mit ihren eigenen Kindern. Damit gibt es dort Familien, die seit Generationen die afrikanische Insel besuchen. Eine Folge: Die Hotels haben ihr Angebot für Kids ausgebaut. Auf dass sich diese wohlfühlen, und in fünfzehn, zwanzig Jahren mit ihren eigenen Kindern wieder zurückkehren. Immerhin bietet die Insel eine Abgeschiedenheit vom Massentourismus, ein ganzjährig angenehmes Klima und ein abwechslungsreiches Programm: Besichtigung von Teefabriken oder Rumdestillerien, großzügige Golfplätze, abwechslungsreiche Ausflüge sowie die bekannten Pferderennen in der Hauptstadt Port Louis auf der Champ de Mars, der zweitältesten Pferderennbahn der Welt und der ältesten Rennbahn der Südhalbkugel.

Wir treffen Michele Giraudo. Der Italiener gerät ins Schwärmen, wenn man ihn auf seinen (Neben-)Job anspricht: „Es sind so majestätische Tiere. Sie bewegen sich so elegant und erhaben. Es sind die letzten Botschafter einer völlig anderen, längst vergangenen Zeit.“

Giraudo redet von Haien. Er führt Taucher mit einem Boot jenseits des Riffs, das die Hauptinsel umgibt. Dort, wo etwa sieben Haiarten anzutreffen sind, wie etwa der Graue Riffhai. „Ich liebe es jedesmal, wenn ich dort hingehe“, meint Giraudo. Dort ist „die Kathedrale“, eine Unterwasserhöhle in Form einer mächtigen Kirche. Mauritius gilt schließlich auch als Tauchparadies. „Absolut ungefährlich“, meint Giraudo lächelnd, „die Haie haben kein Interesse an Menschen.“

Hai-Tauchen: Der will nur spielen?

Seit zehn Jahren taucht der Italiener weltweit mit Haien. Anfangs bei den Fidschi-Inseln mit Tigerhaien und Bullenhaien, später Malaysia, auch Hawaii und in allen anderen berühmten Tauchgebieten: „Ich habe weltweit mit verschiedenen Haiarten getaucht. Nirgendwo war es ungefährlicher als auf Mauritius“, erklärt er. Und für einen Moment klingt es, als bedauere er das.

Nebenbei: Die Geschichte der Insel ist voller Skurrilitäten. Das Wappen von Mauritius prägt der Dodo. Der ein Meter große, flugunfähige Vogel kam nur auf der Insel vor. Er hatte keine natürlichen Feinde, war äußerst zutraulich und hatte viel Fleisch auf den Rippen. Das war eine unglückliche Kombination, als die ersten Seefahrer hungrig auf Mauritius landeten. Er ist ausgestorben.

Nebenbei: Wer auf Mauritius war, darf sich auf die Frage einstellen, wie's auf den Malediven war. Seien Sie gnädig! Und denken Sie an die Geschichte von Mirko Reeh. Für eine Gourmetzeitschrift sollte der TV-Koch Mauritius besuchen. „Nur hatte ich blöderweise nicht Mauritius im Kopf, sondern die Malediven“, gestand der Gastronom später zerknirscht. Die kalte Dusche kam erst, als ihm die Redaktion mitteilte: „Sehr schöner Reisebericht, aber leider die falsche Insel.“

MAURITIUS

Klimatische Bedingungen. Mauritius liegt auf der Südhalbkugel, weshalb dort gerade der Sommer begonnen hat. Das macht die Insel, die knapp 900 Kilometer östlich von Madagaskar mitten im Indischen Ozean liegt, als Urlaubsdestination für Europäer im Winter attraktiv. Derzeit (und rund um Weihnachten) sind um die 30 Grad zu erwarten. Die Wassertemperatur beträgt aktuell 25 Grad.

Anreise. Der Inselstaat liegt im Südwesten des Indischen Ozeans, knapp 900 Kilometer östlich von Madagaskar. Die Flugdauer beträgt, z. B. per Direktflug von Frankfurt, rund 11,5 Stunden.

Unterkünfte. Mauritius wird traditionell als Luxusdestination abseits des Massentourismus gehandelt. Dafür sorgen allein schon die langen Flugzeiten. Als „Grande Dame“ der Insel und renommiertestes Hotel gilt das Le Saint Géran, das auf einer privaten Halbinsel liegt. Es war die erste Luxushotelanlage auf der afrikanischen Insel; mit dem Fünf-Sterne-Ressort hat der Luxustourismus auf Mauritius vor mehreren Jahrzehnten begonnen. Im Dezember wurde Le Saint Géran, das zur One&Only-Gruppe gehört, nach einer rund einjährigen Neugestaltung wieder eröffnet. Wer es dort königlich mag: Das Ressort verfügt mit der Lady Lisbeth nun über ein Vintageboot aus dem ehemaligen Besitz der Queen. Der Preis pro Person im Doppelzimmer (Ocean Balcony Room) für sieben Übernachtungen kommt auf 2819 Euro.

Warum nach Mauritius? Die Insel vermarktet sich als klassische Luxusdestination für einen Badeurlaub unter Palmen. Aber Mauritius ist mehr als das. Neben Wassersport bei angenehmen Meerestemperaturen und Tauchausflügen bietet die Insel Besuche von Destillerien, in denen Rum aus Zuckerrohr gewonnen wird. Daneben können Pferderennen in der Hauptstadt besucht werden, und es gibt (kleine) Berge zum Wandern.

Neueste Inseltrends. Mauritius entwickelt sich als Flitterwochendestination weiter. Immer mehr feiern dort Hochzeit unter Palmen – auf der Insel kann rechtsgültig geheiratet werden. Und: Man stellt sich immer stärker auf Kinder und Familien ein.

Verwechslungsgefahr. Nicht wenige verwechseln gern Mauritius mit den Malediven, die ebenfalls im Indischen Ozean liegen. Eine Eselsbrücke: Mauritius ist die Insel mit wunderschönen Stränden, die aber auch mit Bergen und einer nicht gerade billigen Briefmarke aufwarten kann (Blaue Mauritius).

Buchungen. Bei Luxusreiseveranstaltern wie Tom's Premium Selection, der sich auf exklusive Destinationen wie Mauritius spezialisiert hat. Info: www.tps-reisen.com, Tel.: +49/(0)7131/277 654 70.

Compliance-Hinweis. Die Reise wurde von One&Only sowie Tom's Premium Selection unterstützt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.12.2017)

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