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Aspen, Colorado: Das Kitzbühel der Rocky Mountains

29.03.2018 | 21:07 |  von Sabine Mezler-Andelberg (Die Presse)

Sehen und gesehen werden ist nicht alles. Vor allem kann man in Aspen und Snowmass ganz großartig Ski fahren – und sonst noch sporteln. Eine Einheimische verrät uns die besten Plätze.

Berglandschaft in Aspen. / Bild: (c) Jeremy Swanson 

Aspen ist so etwas wie das Kitzbühel der Rocky Mountains: Hier trifft sich zur Skisaison die winterliche High Society, spaziert Mariah Carey in Moonboots durch die Straßen, hat David Arquette eine Bar und bekommt Paris Hilton ihre Heiratsanträge. Und noch etwas anderes hat Aspen mit Kitzbühel gemeinsam: Es ist eine richtige, historisch gewachsene Stadt, die nicht nur ein paar Wochen im Jahr bewohnt ist. „Das macht viel von Aspen aus, dass es eine Stadt war, bevor es ein Skiresort wurde“, sagt Darcy Conover, einheimische professionelle Skiläuferin, Bergsteigerin, Model und seit Kurzem auch Designerin von Funktionskleidung. „Es gibt das fantastische Museum, außerdem haben wir zum Beispiel ein Ballett in Aspen – das zwar in der Aula der High School auftritt, aber so gut ist, dass es auch Ballett-Companies von überall auf der Welt nach Aspen bringt.“

(c) Matt Power Photography Die reiche Stadt zeigt sich kunstsinnig: Shigeru Ban baute das Aspen Art Museum. Die reiche Stadt zeigt sich kunstsinnig: Shigeru Ban baute das Aspen Art Museum. / Bild: (c) Matt Power Photography 

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Im Mittelpunkt des Geschehens stehen aber natürlich die massiven (nicht nur Winter-)Sportmöglichkeiten in der heimlichen Hauptstadt der Rocky Mountains: Insgesamt drei Gondeln und 42 Sessellifte erschließen die vier Hausberge der Region – den Aspen Mountain, Aspen Highlands, Snowmass und Buttermilk –, was Snowmass zu dem Urlaubsort mit den meisten Liften in den USA macht. Für die klassischen Skifahrer stehen 513 Kilometer Piste zur Verfügung, zudem gibt es fünf Funparks, in denen sich unter anderem auch eine Pipe befindet, die mit 6,7 Metern Höhe olympische Maße hat. Etwas weniger klassisch orientierte Wintersportler können aber auch auf dem Gipfelsonnendeck des Aspen Mountain den Tag mit Skifahrer-Yoga beginnen, mit einem Naturforscher des Aspen Center for Environmental Studies auf eine geführte Schneeschuhtour gehen oder die fast 100 Kilometer Loipen nutzen. Uns hat Darcy Conover ihre besten Tipps für einen Urlaub in der Stadt der Schneestars verraten: vom Übernachten über die besten Abfahrten bis zum Après-Ski mit Leonardo DiCaprio.

Übernachten

Ganz ohne sehen und gesehen werden geht es in Aspen natürlich nicht. Allen, die dabei mitmachen wollen, legt Conover das Hotel Jerome ans Herz. Das 1889 gebaute erste Haus am Platz gilt nicht nur selbst als Sehenswürdigkeit, sondern wird von den Aspenern auch gern zu den baulichen Kronjuwelen gezählt. „Das Haus hat sich durch alle Renovierungen seinen typischen Western Charme erhalten“, erzählt die Gründerin von Corbeaux Clothing, „und dabei einen entspannten Luxus dazugewonnen.“ Der seinen Preis hat: Die Zimmer beginnen bei 460 US-Dollar (rund 375 Euro) pro Nacht, gehen aber in der Hochsaison auch bis zu knapp 1000 Dollar pro Nacht hinauf. hoteljerome.aubergeresorts.com

(c) Jeremy Swanson Auf den Pisten in Aspen drängt es sich nicht, das gilt auch für Hütten. Auf den Pisten in Aspen drängt es sich nicht, das gilt auch für Hütten. / Bild: (c) Jeremy Swanson 

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Wenn es etwas familiärer sein darf, empfiehlt die 35-Jährige das Limelight Hotel. „Das Haus liegt im Herzen von Aspen und sorgt dafür, dass man sich wirklich zu Hause fühlt“, schwärmt sie. Wer dort wohnt, kann nicht nur die tägliche Happy Hour mit Livemusik genießen, sondern auch einen gratis Radverleih (auch im Winter) in Anspruch nehmen oder Skitouren mit dem örtlichen Olympiateilnehmer Chris Klug. „Außerdem ist das Frühstücksbuffet dort fantastisch“, weiß Conover. Übernachtungen gibt es hier ab 175 Dollar (142 Euro) pro Zimmer. www.limelighthotels.com

Und Großfamilien oder Gruppen legt die Aspenerin das Little Red Ski Haus ans Herz. Das – no na – rote Haus im viktorianischen Stil hat frisch renovierte 13 Zimmer sowie Aufenthaltsräume für bis zu 50 Personen. „Das Little Red Ski Haus ist eine echte Aspen-Erfahrung und eine komfortable Unterkunft mit viel Privatsphäre“, so die Profi-Skiläuferin. Die außerdem noch in Gehweite zum Lift liegt. Preise für das Haus auf Anfrage, littleredskihaus.com

Essen und Trinken

Für das große Dinnererlebnis legt Conover den Aspen-Besuchern das Steakhouse 316 ans Herz. „Dieses hochpreisige, extravagante Restaurant ist der richtige Ort für eine romantische Datenight“, erklärt sie. „Hier gibt es großzügige Stücke besten Rinds und eine üppige Weinauswahl in gedimmter Club-Atmosphäre. www.steakhouse316.com

Wenn es eher entspannt und gut italienisch sein darf, lohnt sich laut Conover ein Besuch im Campo di Fiori. „Hier gibt es super Essen in fröhlicher Atmosphäre“, sagt die Einheimische. Allerdings sei der Italiener nicht der Ort für ein romantisches Abendessen, sondern eher ein Platz, an dem man nach dem Essen noch ein paar Drinks genießen möchte. „Denn die Musik wird später deutlich lauter und häufig tanzen dann auch ein paar Gäste auf der Bar.“ campodefiori.net/aspen

(c) Matt Power  970-274-0838 Aspen Abfahrt. Aspen Abfahrt. / Bild: (c) Matt Power 970-274-0838 

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 Und ein Geheimtipp der Einheimischen in Sachen Frühstück und Lunch ist das Jour de Fête. „Der französische Besitzer serviert hier hausgemachte Köstlichkeiten in einer legeren Deli-Atmosphäre“, sagt die gebürtiger New Yorkerin, die seit zwölf Jahren in Aspen lebt. Darunter jede Menge Salate, Bagels, Sandwiches und Quiches, die im Außenbereich der kleinen Cafés in der Nähe der Liftstation gegessen werden können. jourdefeteaspen.com

Nachtleben

Wer mit den Locals feiern möchte, ist laut der Conover im Aspen Tap bestens aufgehoben. „Das ist ein großartiger Ort für einen nächtlichen Streifzug oder Après-Ski mit günstigen Preisen, lokalen Bieren und kleinen Snacks; an vielen Tagen gibt es hier außerdem Live-Musik“, berichtet sie. 121 South Galena Street, www.facebook.com/AspenBrewingCompany

Wer stattdessen lieber mit örtlichen und zugereisten Celebrities das Nachtleben genießen möchte, kommt um einen Besuch des Bootsy Bellows nicht herum. Der Club ist ein Ableger des Los Angeles Bootsy Bellows und gehört wie sein kalifornisches Schwesterlokal Schauspieler David Arquette, der damit etwas Hollywood-Glanz in die Rockies bringen wollte. Was ihm wohl gelungen ist, gesichtet wurden hier unter anderem Paris Hilton und Leonardo DiCaprio. „Hier sollte man entsprechend fancy gekleidet sein und sich auf hohe Preise einstellen“, rät Conover, wenn man mit der Elite in den 1960-Jahre inspirierten Lounges tanzen und feiern will. 300 East Hyman Avenue, www.facebook.com/BootsyBellowsAspen

Wer einfach nur in Ruhe einen guten Cocktail trinken möchte, kann das wunderbar im Hooch tun. Hier gibt es neben guten Getränken ein „comfy Speakeasy feel“ – wie Conover das entspannte Ambiente im Stil der geheimem Bars während der Prohibition beschreibt. „Das Hooch ist hip, aber in der mittleren Preisklasse, und man kann dort in jeder Aufmachung hingehen“, weiß die Designerin. Hooch Craft Cocktails, 301 East Hopkins Avenue, www.facebook.com/hoochaspen

Ski fahren

„Für Anfänger ist The Meadows at Snowmass ideal, das ist ein ganzes Gebiet, das nur dem Lernen für Skifahrer jeden Alters gewidmet ist“, rät die Profifahrerin. „Dort gibt es zwei Zauberteppiche und einen kurzen Sessellift, von dem aus man Zugang zu verschiedenen Anfängerabfahrten hat.“

„Für durchschnittlich gute Fahrer gibt es einfach nichts Besseres als die Kombination Dipsy Doodle – Spar Gulch – Little Nell am Aspen Mountain“, ist Conover überzeugt. Diese Berg-Talfahrt über einen Kilometer Höhenunterschied biete unglaubliche Blicke bis hinunter in die Stadt.

Und für den Könner? „Wenn man es steil und voller Tiefschnee mag, dann ist die Highland Bowl ein Muss“, so die Skifahrerin. Allein die Ausblicke seien den Aufstieg wert, aber auch die Schneeverhältnisse großartig: „Die Bowl scheint irgendwie immer frischen Pulverschnee zu haben“, schwärmt Conover. Und mit teilweise über 40 Grad Gefälle sind die Abfahrten durch den Powder für echte Cracks ein Erlebnis.

Sonst noch an der frischen Luft: Wenn die Ansprüche zum Heli-Skiing reichen, das Budget aber nicht ganz, kann man in Aspen auf eine Cat-Skiing-Tour ausweichen, die die Abfahrer mit der Pistenkatze an sonst unzugängliche Startplätze bringt. „Powder Tours bietet Cat-Skiing vom Gipfel des Aspen Mountain an“, empfiehlt Conover. „Die netten Guides wissen immer, wo der beste Pulverschnee zu finden ist, und der warme Lunch ist ausgezeichnet“, schwärmt sie. Touren ab 489 Dollar (knapp 400 Euro), Infos: www.powderhounds.com

Kostenlose Winterfreuden gibt es dagegen im Aspen Nordic Center: „Dort finden sich 90 Kilometer gut präparierte Loipen, die frei zugänglich sind und jedes Terrain von ganz flach bis zu steileren Hügeln abdecken.“ www.aspennordic.com

Außerdem einen Besuch wert ist für Conover die Rodelbahn in Snowmass. „Der Breathtaker Alpine Coaster führt auf einer Schiene über eine Meile lang durch den Wald, und man erreicht darauf Geschwindigkeiten bis zu 45 Kilometer pro Stunde“, erzählt sie. Tickets kosten ab 49 Dollar für zwei Stunden. www.aspensnowmass.com

ROCKY MOUNTAIN HOT SPOT

Anreise: Wer nicht gerade mit dem Privaflieger anreisen kann oder möchte, wird auf Denver ausweichen müssen, das gut 300 Kilometer entfernt ist. Direktflüge aus Österreich gibt es nicht, mit einem Zwischenstopp geht es mit der AUA/Lufthansa über Frankfurt oder British Airways über London.

Liftpreise: Tagespässe für Aspen Snowmass ab 169 US-Dollar (137 Euro), sechs Tage ab 834 Dollar (678 Euro).

Pakete: Pauschalangebote gibt es bei Faszination Ski oder Club Reisen Stumböck ab 1599 Euro pro Woche.

Infos: www.aspensnowmass.com, www.aspenchamber.org, www.gosnowmass.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.03.2018)

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