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Insel Paros: Der Marmor leuchtet, der Strand schimmert

02.06.2017 | 14:34 |  von Carolyn Martin (Die Presse)

Paros ist begehrt für seinen Marmor, geliebt für seine Landschaft, ausgewählt für Oliven und Wein.

Paros / Bild: Imago 

Die Aphrodite von Milos im Louvre, die Göttin Artemis in Athen, der Kouros in der Münchner Glyptothek, die Büste des sterbenden Alexander in den Uffizien oder die Venus Medici (angeblich Vorbild für Botticelli) haben etwas gemeinsam: ihre Herkunft. Es ist ihr Urgestein, das sie vereint, der Marmor, gewonnen auf einer malerischen Insel im Herzen der Kykladen: Sie alle stammen aus Paros. Parischer Marmor ist weltberühmt für seine Feinkörnigkeit und seine besondere Lichtdurchlässigkeit, und das seit der Antike. In der Ausgrabungsstätte von Delphi wurde die Frontseite des antiken Apollontempels aus dem reinweißen Stein gestaltet. Und die Aphrodite von Milos, alias Venus von Milo, ist zwar nach ihrem Fundort, der Insel Milos, benannt. Doch die über zwei Meter hohe Statue im Louvre aus parischem Marmor machte eben Paros weltbekannt.

Getreide, Kräuter, Macchia

Mit vielen Repräsentanten in aller Welt scheint Paros über einen VIP-Status zu verfügen. Doch anders als Mykonos und Santorin zeigt sich die bildhübsche Insel in der Ägäis in natürlicher, erdverbundener Gestalt: Zu Füßen des über 700 Meter hohen Profitis Ilias erstrecken sich Olivenhaine und Getreidefelder neben buschartigem Macchia-Bewuchs mit duftendem Salbei und blühendem Oregano. Lieblich statt protzig präsentiert sich die Kykladeninsel mit strahlend weiß in die Landschaft hingetupften Dörfern, kleinen Häfen und stillen Buchten.

Abhängen in Naoussa

Paros wird in der Historie als eine der bedeutendsten Inseln des attischen Seebundes beschrieben. Die 196 Quadratkilometer große Insel war aufgrund ihres ganzjährigen Trinkwasservorkommens begehrtes Ziel von Eroberern, von Ägyptern, Römern, Türken und Osmanen. Ihre Flotten brachten Marmor, Wasser und Holz in ferne Länder. Davon erzählt der kleine Hafen in Naoussa, von dem in der Antike der Marmor übers Mittelmeer verschifft wurde.
Heute schaukeln in dem Marmorkarree kunterbunte Fischerboote. Ringsherum drängen sich Tavernen und hippe Bars bis direkt an die Wasserlinie. Im Sommer ist nahezu jeder Platz in den Gastgärten besetzt: Nach einem Tag am Meer trifft man sich hier zu einem kühlen Glas Wein. Zwei Strände liegen ganz in der Nähe: Kolimbithres mit seinen markanten Granitfelsen und Monastiri, das für seine bizarre Felsenlandschaft im Naturschutzpark bekannt ist. Paros zieht immer mehr Urlauber an. Der vor Kurzem eröffnete Flughafen erleichtert deren Anreise wesentlich. Bisher konnten auf dem alten Regionalflughafen nur kleine Maschinen landen. Windbedingt waren die Flieger mit einer Kapazität von 39 Plätzen oft nur mit 20 Passagieren besetzt, mussten Reisende oder Gepäck zurückgelassen werden. Nun landet auf der neu errichteten Landebahn neben der Olympic eine zweite Airline auf Paros: Die griechische Regionalfluggesellschaft Sky Express, im Jahr 2005 vom Kapitän und ehemaligen Piloten des griechischen Premierministers gegründet, nahm Paros in ihr Streckennetz auf. Der Ausbau soll mehr Urlauber herbringen – ohne dabei in Richtung Massentourismus abzugleiten. Denn Paros soll beschaulich bleiben.

Hundert Tore, viele Oliven

In zehn Autominuten ist man in der kleinen Hauptstadt Parikia. Hier steht eine der schönsten Kirchen Griechenlands, die Ekatontapyliani, auch die Hunderttorige genannt. Sie soll in der Regierungszeit des byzantinischen Kaisers Justinian I. von einem der Architekten der Hagia Sophia errichtet worden sein. Nach einem Elliniko, dem griechischen Muntermacher in der Kaffeetasse, unter ausladenden Gummibäumen genossen, geht es weiter hinein in die Gassen. Hübsch eingerichtete Shops bieten regionale Produkte, Honig, Kräuter, Tees und alles, was der Olivenbaum trägt: Von Oliven und Öl bis hin zu Cremes oder Möbel aus Olivenholz. Auch der neue Spa Beauty Spot gleich nebenan setzt für die Wellnessanwendungen nur auf natürliche Zutaten. Mit ihrem Insel-Spa haben Simona Guerzoni und Davide Ricci sich auf Paros niedergelassen und, wie viele andere hier, eine neue Heimat gefunden.

Verlässlicher Surfwind

An der Windmühle angekommen, ist es nicht weit zum Segelhafen. Die Kykladen sind mit ihren Winden ein erstklassiges Segelrevier. Schön mittig in der Inselwelt sitzend, brechen viele Charterer von Paros zu ihren mehrtägigen Törns auf. Noch einmal Proviant bunkern, frisches Weißbrot und Wein, Salami und Schafskäse an Bord genommen, mit aktuellen Seekarten versorgt, und Leinen los!
Die Nord- und Ostseite gilt als Surfer-Dorado. Am Golden Beach wurden bereits Weltmeisterschaften ausgetragen – ein Prachtstrand, der sich im weiten Bogen zieht und sanft abfällt. Also Schuhe aus und mit den Füßen den Sand spüren. Von der Rebel Beach Bar weht der Sund herüber. Hier chillen die Surfer der Insel, lässig auf Fat-Boy-Sitzsäcken hingestreckt. Die Strandbar entstand in den 1980er-Jahren, als Besitzer Nicholas Louridis hier im Zelt unter Bäumen nächtigte. Das hippe Volk blieb, der Blick wie einst dem Meer zugewandt. Warten auf die richtigen Winde, dazu nippt man am gekühlten Wein. Der wird auf Paros als ausgezeichneter Bio-Wein erzeugt, rein organisch von einem der besten Winzer Griechenlands. Georgio Moraitis und Liliana Mirza wurden für ihre Moraitico-Sorten, weiße, rote und Roséweine international schon mehrfach prämiert: Paros' ausgewählte Trauben gehen in die Welt – wie einst der kostbare Marmor.

Marmor schauen

Den prächtigsten Exponaten begegnet man bereits auf der Heimreise – beim Stopp in Athen: Im Akropolis-Museum, das mit seiner modernen Architektur und großen Sammlung zu den imposantesten Museen der Welt zählt, steht man bald der Peplos-Kore gegenüber, die vor 2500 Jahren in Stein gehauen wurde. Mit ihrem bezaubernden Lächeln schweigt sie zu all den wissenschaftlichen Mutmaßungen, mit Pfeil und Bogen in ihren Händen würde sie wohl die Göttin Artemis darstellen. Über ihre Herkunft gibt die ranke Gestalt immerhin bereitwillig Auskunft – mein Marmor: Paros. Dieses und fünf weitere Museen kann man kostenfrei besuchen, sofern man ein Package im Hilton Athen bucht (siehe auch Artikel unten). Das Byzantinische Museum, das Museum of Cycladic Art, das Museum of Islamic Art und beide Benaki-Sammlungen sind ebenfalls darin eingebunden. Den Blick noch einmal zur Akropolis gewandt, wählt man in der Galaxy Bar, einer der zehn weltbesten Rooftop-Bars, ein letztes Mahl: Soup of the Day: Think Green, Gin-Cocktail mit Limonen-Apfeljuice und Anissirup, dann Tiramisu als Dessert, das hier mit Metaxa 12-Stern, Espresso, Mascarpone und Kahlua mehr flüssig serviert wird, oder entscheidet sich einfach für den Greek Way: Wodka mit Tomate, Orangensaft, Thymianlikör.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 3.6.2017)

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