Artikel drucken Artikel versenden Artikel kommentieren

Kunst unter Wasser bei der Biennale Venedig

09.07.2017 | 20:27 |  Von Klaudia Blasl (Die Presse)

Mit Taucherbrille im Swimmingpool auf künstlerische Schatzsuche gehen, sich am Schuh des Aschenbrödels versuchen und zu später Stunde den alkoholischen Spuren George Clooneys folgen – zwei feine Tage in der Serenissima.

Art-lantis von Marco Rizzo im Pool des Hotels Cipriani. / Bild: Marco Rizzo 

Dass Venedig mit allen kulturellen Wassern gewaschen ist, ist allgemein bekannt. Accademia, Peggy Guggenheim Collection, Palazzo Grassi, Ca' d'Oro – und natürlich die Biennale bringen kunstaffine Besucher derzeit arg ins Schwitzen. Und zwar weniger aufgrund der aktuellen hochsommerlichen Temperaturen, sondern vielmehr aufgrund der Qual der kulturellen Wahl. Wer etwa alle Pavillons und Ausstellungsräume der 57. Biennale Arte besichtigen möchte, sollte zumindest über zehn Paar Augen und gute Laufschuhe verfügen, denn die Wegstrecken zwischen Arsenale, Giardini und Artiglieria sind nichts für Müßiggänger und Gewohnheitsflaneure (noch bis 26. November).

Zwar laden die interaktiven Skulpturen des Erwin Wurm zum Verweilen ein, und die unendliche Warteschlange vor den raren Öffnungszeiten des deutschen Pavillons (Anne Imhof, „Faust“, 2017, ausgezeichnet mit dem Goldenen Löwen) zum Verschnaufen, doch generell gilt: Kunstgenuss will in Venedig erwandert werden. Und angesichts der Menschenmassen vor den Hotspots sollte man nicht nur gut zu Fuß sein, sondern auch über eine galante Ellbogentechnik verfügen. Sonst könnte man leicht untergehen, dann allerdings stilsicher im Belmond Hotel Cipriani.
Wer sich dort mit Schnorchel oder Taucherbrille in die erfrischenden Fluten des Swimmingpools stürzt, stößt auf – Kunstschätze.

Art-lantis oder Land unter Pool

Marco Rizzo, der Schöpfer von Art-lantis, nippt an seinem Bellini, während er sein Unterwasserwerk erklärt. Immerhin ist es keinesfalls üblich, großformatige Fotografien in einem Swimmingpool zu versenken. Andererseits ist das Cipriani seit Jahrzehnten berühmt für seine alkoholischen wie künstlerischen Cocktails. In diesem Fall war es allerdings nicht der legendäre Barmixer Walter, der seine Hand dabei im Spiel hatte, sondern die PR-Managerin Laura di Bert. Als sich herausstellte, dass die riesigen Bilder des venezianischen Fotokünstlers Marco Rizzo auf keine Wand der Nobelherberge passen würde, beschlossen sie, damit auf Tauchstation zu gehen. Seitdem liegen die gigantischen Exponate Rizzos auf dem Boden des Pools und schaffen eine surreale Realität, die an versunkene Städte erinnert.

„Ich kann mich der Macht des Wassers nicht entziehen“, sagt der zurückhaltende Künstler, „diese Bilder, die exklusiv für das Cipriani entstanden sind, stellen für mich den Untergang Venedigs dar.“ Für den idealen Blickkontakt mit Art-lantis stellt das Hotel Schnorchel und Brillen zur Verfügung, wasserscheue Kunstfreaks können die Werke aber auch von der Dachterrasse aus erspähen. Ein Sprung ins kühlende Nass hat im Sommer allerdings weitaus angenehmere Nebenwirkungen als ein Spaziergang aufs Dach. Wem der Sinn dennoch nach einem Spaziergang auf dem Trockenen steht, dem sei als kunstvollere Alternative zu einer Runde im Casanova-Garten geraten, wo eine gerade erst angelieferte riesige Skulptur des spanischen Künstlers Manolo Valdéz im wahrsten Sinn des Wortes für Auf-Sehen sorgt. Und für bibliophile Bilderschauer hängt in der Bibliothek des Hauses seit Kurzem eine einzigartige Ansicht der Lagunenstadt von Enzo Fiore.

Clooney-Cocktail

Da bestellt man Ninas Passion, einen Cocktail mit Passionsfrucht, Champagner zu Ehren von Clooneys Mutter – doch statt eines Glases serviert Barista Walter eine hölzerne Schatulle. Mit geschlossenem Deckel. So mysteriös die Verpackung, so geheimnisvoll auch der Inhalt: eine Maske mitsamt roter Rose. Dahinter, gut verborgen, endlich das Kultgetränk, das dem Klassiker Bellini (1948 von Giuseppe Cipriani erstmals kreiert) das Wasser reichen kann. Walter Bolzonella gilt nicht umsonst als einer der besten Schüttler bzw. Rührer der Cocktailwelt. Auch dem „Buonanotte“ (eine Hommage an den Film „Good Night, Good Luck“ mit Clooney, der anlässlich seiner Hochzeit im Cipriani genächtigt hat) mit Ingwer, Gurkenrinde, Angostura, Wodka hat Walter so viel süffigen Reiz verliehen, dass man hier in der San Giorgio Bar immer wieder zu tief ins Glas blickt. Selbst Biennale-Fans kommen dank Walters findigen Geistes zuverlässig auf ihre alkoholischen Kosten, hat der gute Mann doch eigens einen Drink dafür gemixt.
Wer danach immer noch standfest ist, kann sich auf gediegen leisen Sohlen in das idyllische Wellnesscenter des Cipriani begeben und Aschenbrödels gläsernen Schuh probieren, der dort auf (s)eine „mystery princess“ wartet. Mir war das Kunstwerk aus Murano leider zu groß, weshalb ich nicht in den venezianischen Märchenadelsstand erhoben wurde. Dabei hätte ich so gern auf großem Fuß gelebt.

Schätze aus dem Wrack

Damien Hirst ist der Faszination einer imaginären Unterwasserwelt erlegen und hat zehn Jahre lang an den „unglaublichen“ Schätzen der angeblich vor 2000 Jahren im indischen Ozean gesunkenen „Apistos“ gefeilt und gemeißelt. Zu bestaunen sind diese insgesamt 200 „Treasures from the Wreck of the Unbelievable“ im Palazzo Grassi und in der Punta della Dogana. Überragend ist die Schau in jeder Hinsicht. Allein der im Foyer des Palazzo Grassi errichtete „Demon with Bowl“ erreicht eine Höhe von 18 Metern. Raupen tummeln sich auf seiner bronzefarbenen Haut, der ganze Körper ist übersät mit Muscheln und Korallen, man sieht den Zahn der Zeit in überdimensionaler Deutlichkeit. Dazu Berge an antiken Göttern, Fabelwesen und Zyklopen, die so real wie fantastisch anmuten. Doch im Grunde macht es gar keinen Unterschied, ob die Apistos wirklich gesunken oder deren angeblicher Besitzer, Cif Amotan II., tatsächlich existiert hat, die Kunstwerke stellen eine sicht- wie greifbare Wirklichkeit dar, die einfach nur gigantisch ist. Und die man gesehen haben sollte, bevor sie erneut versinken (noch bis 3. Dezember).

Luxus am Wasser

Schlafen: Belmond Hotel Cipriani (mit Art-lantis im Pool), Giudecca 10: mit Restaurant Oro (Michelin-Star) und Cip's Club, von wo aus man eine fantastische Lagunensicht hat.

Cocktail Buonanotte: Die Hälfte einer Limette in vier Stücke schneiden, in einem Glas zerstampfen. Zwei Streifen Gurkenschale, zwei dünne Stücke Ingwer, ein Teelöffel Rohrzucker, 4 Tropfen Angosturabitters dazugeben und mit 45 ml Wodka und 45 ml Cranberry Juice mischen. Mit Crash-Ice auffüllen. Derzeit gibt es eine Social Tour von Belmond in Venedig: „Belmond with Love“ – vom alkoholischen Kuss über den Literaturkuss bis zum künstlerischen oder fliegenden Kuss ist hier alles vertreten.

Restaurant Local Venezia: Regionale Küche, tolle Weinkarte, Adresse: Salizzada dei Greci, Castello 3303, 30124 Venedig, Telefon: +39/(0)41/241 11 28, Website: www.ristorantelocal.com

www.labiennale.org

Compliance: Die Reise wurde von Belmond unterstützt.

 

Merken

("Die Presse", Print-Ausgabe, 8.7.2017)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Artikel drucken Artikel versenden Artikel kommentieren Facebook Twitter Pinterest
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode

>>>
Schwer lesbar? Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

Lesen Sie mehr