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Golfen: Schneefelder gleißen über dem Grün

29.08.2017 | 15:29 |  von JUPP SUTTNER (Die Presse)

Könnten nicht unterschiedlicher sein – die Golfplätze im Zillertal, in Lech und in Zell am See. Das alpine Setting jedoch haben sie gemeinsam.

Alpines Golfen in Lech. / Bild: Lech Zürs Tourismus 

"Wo bleibt Blondie denn?" Franz Klammer blickt besorgt in die Runde. Denn der Start des Golfturniers ist bereits erfolgt. Und Hansi Hinterseer ist immer noch nicht an Tee 18 aufgetaucht, seinem Abschlagsplatz. „Der hat so viele Fans“, sagt Marc Girardelli, ebenfalls an der 18 wartend, „der kommt einfach nicht weiter...“ Ski-Stars unter sich – beim Eröffnungsturnier des Golfclubs Zillertal in Uderns vor zwei Jahren. Franz Klammer, Abfahrts-Olympiasieger 1976 in Innsbruck. Marc Girardelli, Weltcup-Gewinner und Weltmeister für Luxemburg, Hansi Hinterseer, Riesenslalom-Silber bei der WM 1974 in St. Moritz.

Inzwischen haben viele weitere Meister des weißen Metiers den Zillertaler Course absolviert, denn Golf und Ski bildet hier eine Einheit: Helmut Stock, Präsident des GC Zillertal-Uderns, betreibt einen Skiverleih. Leonhard Stock, Zillertaler Abfahrts-Olympiasieger von Lake Placid 1980, ist Vize-Präsident. Peter Rzehak aus Brixlegg raste einmal als einer der waghalsigsten Speed-Piloten der Welt (1999 Zweiter auf der Streif) die Hänge hinab und agiert nun als Golfdirektor beim GCZ. Stephan Eberharter aus dem Zillertal, Olympiasieger, Weltmeister und Weltcup-Gewinner agiert als Single-Handicapper und hat ein Ehrenamt übernommen. Schließlich die Geschwister Martha und Heinz Schultz, die mit Skistationen im Zillertal, in Osttirol und Kärnten groß geworden sind. Und sich nicht nur im Schnee bewegen, sondern auch auf Greens – die Familie ist Eigentümer der Anlage. Die Besonderheit: „Das Zillertal“, so Heinz Schultz, „zählt 35.000 Einwohner und 50.000 Gäste-Betten. Und jedes einzelne Bett besitzt den Status eines Gründer-Hotels“. Was bedeutet: Jede noch so kleine Pension, jeder Ferien-auf-dem-Bauernhof-Betrieb ist mit dem Golfplatz verknüpft, kann dadurch den Gästen 25 Prozent Greenfee-Ermäßigung offerieren. Der Club selbst besitzt mehr als 700 Mitglieder, die Jahresspielgebühr beträgt 1700 Euro. Aufnahmegebühr ist keine zu entrichten. 65 Menschen werkeln inzwischen im Golfbereich, 35 weitere für das zur Anlage gehörende Boutique-Hotel Sportresidenz – wobei die meisten im Winter dann in den Skigebieten der Schultzens ihren Dienst versehen, somit keine Saison-, sondern Ganzjahres-Mitarbeiter sind. Im Winter Snowmaker, im Sommer Greenkeeper.

„Wir wollen das Hahnenkamm des Golfens werden,“ sagt Schultz. Grund des Optimismus: „Wir haben sehr viel von der Ryder Cup-Bewerbung profitiert“ – als man 2015 für die österreichische Bewerbung 2022 ins Spiel gebracht worden war. Letztendlich unterlag man in der Auswahl Fontana. Doch das Hut-in-den-Ring-werfen hatte sich rentiert, weil viele Besucher kamen, um hier einmal zu spielen. Dessen Beschaffenheit: „Er ist fair“, so Leonhard Stock, „aber trotzdem nicht schwer“. Zumindest nicht auf den ersten acht Löchern. Wunderschöne Fairways und Ausblicke in die Berge und perfekt gepflegte Greens, so macht man Urlauber glücklich. Für 2020 ist bei dem Mitglied der Golf in Austria-Vereinigung (www.golfinfo.at) eine Erweiterung auf 27 Bahnen vorgesehen, bei der laut Schultz „besonders kreative Architekten“ ins Spiel kommen. „Da war der Ryder Cup Ideengeber für Vieles, was umgesetzt werden soll. Und irgendwann werden wir uns wieder eine Bewerbung zutrauen.“ www.golf-zillertal.at

Golfclub Zillertal / Bild: Golfclub Zillertal 

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Challenge am Berg

Derart hoch will man in Vorarlberg nicht hinaus. Obwohl sie dort den höchsten Golfplatz Österreichs bieten – in Lech am Arlberg. Der Abschlag der ersten Spielbahn liegt auf 1509 Metern. Und erfordert höchste Konzentration. Denn wer der Meinung anhängt, hier handele es sich, weil nur neun Löcher vorhanden sind, die lediglich 4288 Meter lang sind und Par 66 aufweisen, um einen Mickymaus-Platz für die Touristen, wird zwar fröhlich den Course betreten. Ihn jedoch mit betretener Miene und ohne einen einzigen Ball im Sack verlassen. Denn die Runde ist (mit Ausnahme des wirklich leichten Lochs 7) eine einzige Herausforderung. Der deutsche Ex-Torwart Jens Lehmann brachte es auf den Punkt: „Ein wunderschöner Kurs“ – womit er die faszinierende Aussicht meinte, den Wasserfall unterwegs beim Abschlag der 6, den ewig gurgelnd das Spiel begleitenden Fluss Lech, die Bäche und Tümpel und Seen und Fischteiche und so weiter. „Aber eng.“ Die Anlage entstand übrigens dank einer Meinungserhebung. Die Wintertouristen von Lech Zürs wurden gefragt: „Was würde Sie dazu bewegen, auch im Sommer zu uns zu kommen?“ Bei den Antworten klar erstgereiht: „Ein Golfplatz“. Seit vergangenen Sommer ist er da. www.golf-arlberg.at

Golfclub Zell am See / Bild: Golfclub Zell am See 

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Green, Schnee, See

Eine fast schon Traditions-Angelegenheit ist der GC Zell am See-Kaprun Saalbach-Hinterglemm im Salzburger Land – der Platz existiert bereits seit mehr als zwanzig Jahren. Wie im Zillertal liegt auch hier eine bemerkenswerte Ski-Affinität vor. Die beiden 18 Loch-Kurse der zur Organisation Leading Golfcourses gehörenden Anlage tragen die Namen „Kitzsteinhorn“ und „Schmittenhöhe“. Beides klasse Skigebiete, beides tolle Golfkurse. Wobei man direkt vom Clubhaus aus auch im Sommer die Schnee-Ansicht des Gletschers genießt. Die beiden 18er sind topfeben und werktags so leise wie von der Welt abgeschnitten. Doch sonntags donnern bisweilen die Sportflugzeuge des nahe gelegenen Kleinflughafens über die Fairways, dass man nur hofft, es möge doch bitte keines irgendwann abstürzen. Ein schöner Triathlon dort wäre: Vormittags Skifahren auf dem Gletscher, dann neun Löcher golfen und am Spätnachmittag radeln. Denn eine Bikerunde rund um den Zeller See ist ideal – um sich all die während des Golfspiels aufgebaute Spannung sozusagen aus dem Kopf zu strampeln. Anschließend in den See hüpfen – eine Wohltat. Wie auch der Sonder-Service, der auf dem Golfcourse Zell am See an manchen Tagen geboten wird und an Langstreckenflüge erinnert: Dort werden den Passagieren beim Erwachen zur Erfrischung warme Tücher gereicht. Und beim GCZ nun werden ab gewissen Hitzegraden zur Halbzeit nach neun Löchern den Spielern zur Erfrischung eisgekühlte Tücher gereicht. Das nennt man Stil. www.golf-zellamsee.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.08.2017)

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