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Helsingör: An der Dänischen Riviera

29.09.2017 | 15:23 |  von Dagmar Krappe (Die Presse)

Einst lebte Helsingör vom Öresundzoll und vom Schiffbau. Heute ziehen ein Schloss, maritime Museen und feinsandige Strände Touristen an. Zum maritimen Erbe an der Dänischen Riviera zählt aber auch Hochseeangeln.

Helsingör, einst eine Stadt des Schiffbaus, setzte den Werftarbeitern ein Denkmal. / Bild: Imago 

Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage.“ William Shakespeare wählte Schloss Kronborg in Helsingör als den Ort, an dem er den dänischen Prinzen Hamlet diesen berühmt gewordenen Satz aussprechen ließ. In der Festung, die auf einer Landzunge am nordöstlichsten Ende der Insel Seeland thront, täuschte Hamlet Wahnsinn vor, um herauszufinden, ob sein Onkel Claudius seinen Vater ermordete, um selbst König von Dänemark zu werden.
„Die meisten Besucher denken bei Kronborg nur an das Theaterstück, das Shakespeare um 1600 schrieb“, sagt Schlossführerin Louise Hansen: „Während der Sommermonate finden hier seit 200 Jahren Aufführungen statt, und Schauspieler flanieren als Hamlet, Ophelia, Königin Gertrude und König Claudius über den Schlosshof, durch den Ballsaal, die feuchten Kasematten oder über die windigen Wälle.“

Schutz vor Seeräubern

Doch die Kleinstadt 50 Kilometer nördlich von Kopenhagen hat auch ein großes maritimes Erbe, das bis ins 15. Jahrhundert zurückreicht. „Der damalige König, Erik von Pommern, ließ an der Stelle des heutigen Schlosses die Burg Krogen errichten“, erklärt Hansen: „Sie bewachte die Einfahrt in den Öresund, der die Ostsee mit dem Kattegat verbindet.“ Über 400 Jahre lang – von 1429 bis 1857 – hatten Kapitäne, die das Gewässer passierten, Gebühren zu entrichten, was Helsingör zur Blüte verhalf. Im Gegenzug sorgten die dänischen Könige für eine sichere Reise mit Küsten- und Seezeichen und Schutz vor Seeräubern. Skibsklarerergården in der Strandgade stammt noch aus dieser Zeit. „Mehr als 30 dieser Schiffsmaklerhäuser gab es Ende des 18. Jahrhunderts“, erzählt Museumsführerin Rie Holmes: „Hier wurde der Sundzoll entrichtet. Im Erdgeschoß befand sich ein Lebensmittelladen, in dem die Seeleute ihren Proviant aufstockten, im ersten Obergeschoß wohnte der Makler und im obersten Stock übernachteten die Kapitäne, wenn sie einmal für ein paar Tage festen Boden unter den Füßen haben wollten.“

1882, als der Sundzoll bereits abgeschafft war, entstand in der Nähe der Festung eine Werft. Mehr als 400 Schiffe liefen vom Stapel, bis in den 1980er-Jahren die große europäische Werftenkrise den Erfolg beendete. Aus der einstigen Industrie- entwickelte sich eine Kulturmetropole mit zahlreichen Museen. Im Umland reihen sich ehemalige Fischerdörfer mit langen, feinsandigen Stränden aneinander. Die Dänische Riviera erstreckt sich vom Öresund im Osten 230 Kilometer über Helsingör, Gilleleje, Tisvildeleje, Hundested bis in die Sejerø-Bucht im Westen.

Der Bruder der kleinen Meerjungfrau

Am Pier in Helsingörs Kulturhafen sitzt ein Jüngling aus glänzendem Edelstahl und blinzelt hinüber zum multifunktionalen Kulturzentrum Kulturvaerftet, das in Kombination mit moderner Architektur aus Glas und Stahl in den früheren Werftgebäuden entstanden ist. Han (deutsch „er“) lautet der Name des jüngeren Bruders der kleinen Meerjungfrau in Kopenhagen. Er ist ein Symbol für die postindustrielle Zeit Helsingörs.

Ein paar Schritte weiter in der Allégade trifft man auf vier in Bronze gegossene Werftarbeiter: Männer unterschiedlicher Generationen auf dem Weg zur Arbeit. Doch hinter der alten Backsteinfassade befindet sich heute nur noch das Vaerftsmuseet. Arbeitsutensilien und Modelle von Schiffen, die in Helsingör gefertigt wurden, zeigen die tiefe Verwurzelung in einer Epoche, in der der Schiffbau das Leben der meisten Familien bestimmte.

Von Weitem ist das Museet for Søfart fast unsichtbar, denn es liegt neun Meter unter dem Meeresspiegel in einem ehemaligen Trockendock. Über eine rampenartige Zickzack-Brücke gelangt man hinab zum Eingang. „Seit 1915 gab es bereits ein Handelsog Søfartsmuseet im Schloss Kronborg. Irgendwann war es ein wenig verstaubt. So reifte die Idee, auf dem früheren Werftgelände ein futuristisches interaktives Museum zu konzipieren“, berichtet Kurator Benjamin Asmussen: „Um den Unesco-Titel zu behalten, durfte der Blick zum Schloss Kronborg nicht verbaut werden. Also kam nur eine unterirdische Lösung infrage.“

Das Architekturbüro BIG (Bjarke Ingels Group) aus Kopenhagen erhielt den Auftrag, obwohl die Kosten dreimal höher lagen als bei den überirdischen Vorschlägen. „Die Konstruktion des Gebäudes ist mindestens genauso faszinierend wie die Ausstellungen“, meint Asmussen: „460 Stahlpfähle wurden 40 Meter tief in den Boden gerammt, damit das Grundwasser das Dock nicht nach oben drückt.“ Die einzelnen Bereiche des Schifffahrtsmuseums verlaufen in einer Schleife um die Wände des Docks herum, sodass man die Dimension eines Schiffes erahnen kann.

Helsingör

Anreise: Helsingör liegt 50 Kilometer nördlich von Kopenhagen. Vom Kopenhagener Hauptbahnhof gelangt man in 45 Minuten per Zug nach Helsingör. Die meisten Orte der „Dänischen Riviera“ lassen sich bequem mit Regionalzügen (www.dsb.dk) erreichen. Für die gesamte Region (Großraum Kopenhagen) gibt es ein 24-Stunden-Ticket für ca. 20 Euro. Von Wien Direktflug mit Austrian (www.austrian.com) oder SAS (www.flysas.com/de/de) nach Kopenhagen. Fahrtdauer per Zug oder Metro in die Innenstadt/zum Bahnhof ca. 15 Minuten.

Compliance-Hinweisy: Die Autorin wurde von Visitdenmark unterstützt. www.visitdenmark.com    
 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.9.2017)

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