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Abfahrtsziel: Adventstimmung in Altenmarkt-Zauchensee

27.11.2017 | 12:56 |  Von Christian Lenoble (Die Presse)

Skifahren, aber eben nicht nur. In Altenmarkt-Zauchensee begibt sich der Wintersportler auf kulinarische Spaziergänge über Märkte, zu Hütten, durch den Winterwald.

Zauchensee ist ein Schneeloch, in dem die Saison früh beginnt und spät endet. Altenmarkt gefällt mit seiner historischen Substanz. Winterwanderungen führen in den adventlichen Wald. / Bild: (c) Altenmarkt-Zauchensee Tourismus/Huber Hans Photo 

„Einfach mir nach“, meint Michael Walchhofer, bevor er im Steilhang verschwindet. Einfach? Der Skischwung ist nicht zu kopieren, die Geschwindigkeit kaum anzuraten. Wer „Skifahren mit dem Weltmeister“ bucht, sollte gut in Schuss sein. 2011 hat sich Zauchensees bekanntester Sohn, Michael Walchhofer, aus dem aktiven Rennsport zurückgezogen, das Renntempo auf der Piste ist wohl im Blut geblieben. „Ich fahr nur mehr aus Spaß an der Freud“, meint zwar der einstige Abfahrtsweltcupsieger und heutige Hotelier. Ein gemeinsamer Skitag wird dennoch zum Abenteuer.

Für Neigungsgruppen

Ganz ehrlich: Vor allem die Pisten in Zauchensee-Flachauwinkl sind eher etwas für Anspruchsvollere. Im Unterschied zur familiär angelegten Skischaukel Radstadt-Altenmarkt gilt Zauchensee, das höchstgelegene Skigebiet der Salzburger Sportwelt, als Ziel ambitionierter Wintersportler. Dafür zeichnen Weltcupstrecke, das Trainingszentrum Kogelalm für Nachwuchssportler und Hobbyrennläufer sowie der Freestylepark „Absolut Park“ verantwortlich. Abseits der rund 65 Pistenkilometer genießt die „Gamskogel East“ Kultstatus bei Freeridern. Bis zu sieben Meter hohe Felssprünge sorgen für Adrenalinkicks jenseits der Baumgrenze. Mit der Rosskopf Ost und der Skiroute Flachauwinkl stehen insgesamt drei ausgewiesene Off-Piste-Routen zur Verfügung. Hat man Lawinenpieps, Sonde und Schaufel nicht dabei, helfen einem die örtlichen Skischulen damit aus, die für unerfahrene Freerider zudem geführte Touren sowie Lawinen- und Schneeprofilkurse anbieten.

Hütten, Hütten, Hütten

Danach lohnt sich der Besuch einer der Hütten mit Sonnenterrasse und Ausblick auf das Bergpanorama. Besonders urig ist die auf 1740 Meter liegende Sonnalm in Zauchensee (essenstechnisch spezialisiert auf Rindfleisch aus eigener Landwirtschaft), wo Hans Rettenwender senior gern einmal vorbeischaut, um den Gästen Selbstgebranntes zu kredenzen. Vor allem Haselnuss-, Vogelbeer- und Zirbenschnaps stehen hoch im Kurs. „Letzterer gehört zum Pongau wie der Grappa zu Italien“, meint der hauptberufliche Bauer, der Anfang der 1970er-Jahre eine Almhütte pachtete, um sie als Jugendherberge zu führen.

Mittlerweile ist daraus das Viersternhotel Alpenrose geworden, dessen Leitung Rettenwenders Sohn übernommen hat. Tochter Rosi Unteregger werkte dort als Köchin, bis sie sich vor mehr als zwei Jahrzehnten auf Ziegenkäse spezialisierte. „Mein Tag beginnt spätestens um halb sieben im Stall mit Füttern, Entmisten und Melken. Nachmittags geht es in die Kaskuchl. Dazwischen und abends bin ich unterwegs, um den Käse zu verkaufen“, erzählt Unteregger, deren Kreationen wie etwa die Zaucher Frischkäsekugeln mehrfach international ausgezeichnet wurden. Den Käse bekommt man unter anderem jeden Freitagnachmittag auf dem Wochenmarkt in Altenmarkt, der vor 20 Jahren von Unteregger selbst ins Leben gerufen wurde. Die Standler sind bis heute in der Mehrzahl Bauern, zu kaufen gibt es vor allem eigens Produziertes, auch Frischfleisch vom Rind, Schwein, Geflügel oder Wild.

Insbesondere das Pongauer Wild – allein im Revier Zauchtal sind rund 150 Stück Hochwild zu Hause – hat sich zum Star der örtlichen Küche entwickelt. „Durch den hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren schmeckt das Wildbret zart, es ist weich und zudem äußerst gesund“, sagt Franz Schneider. Der passionierte Jäger und Hotelier nimmt auf Anfrage Gäste mit auf die Pirsch. Dass mit dem Pongauer Wild Altenmarkt-Zauchensee zur Genussregion des Salzburger Landes aufgestiegen ist, nutzt auch dem Tourismusmarketing: So lässt sich die Skiregion ebenso genusstechnisch positionieren – etwa mittels „kulinarischer Spaziergänge“. Von Mitte Dezember bis Anfang April geleitet Ortsführer Kurt Eichinger mittwochs Gäste durch Lokalitäten im historischen Altenmarkt. Ausgangsstation ist der Markterwirt, das älteste Gasthaus des Ortes, das seit 1528 im Dorfzentrum steht und wo sich schon Kaiser Franz Joseph I. mit seiner Jagdgesellschaft bewirten ließ.

Regionales, vermarktet

Der Marktplatz avanciert im Dezember zum Hauptschauplatz abseits der Pisten. Am Wochenende findet hier der Adventmarkt statt, urig mit Kerzen, Tannenwald, regionalem Kunsthandwerk und Schmankerln. Anfang des Monats öffnet die Herzstücktenne ihre Tore in der historischen Dechantshoftenne. Und dann bietet der Wintermarkt am 27. und 28. Dezember Kulinarik und Kunsthandwerk. Während nachts im Tal Livemusik spielt, rattern am Berg die Pistenraupen. Damit alles bereit ist, wenn um halb neun die Lifte öffnen und der Sportsgeist wieder die Oberhand gewinnt.

IM FRÜHEN SCHNEE

Veranstaltungen: Wochenmarkt am Marktplatz, Altenmarkt: jeden Freitag, 14–17 Uhr (Ausnahme: 30.12–6.1. und Feiertage), regionale Produkte, bäuerliche, hausgemachte Spezialitäten aus Altenmarkt und Umgebung.

Räucherwanderungen mit einer Kräuterexpertin, 6., 11. und 18.12.

Kulinarische Spaziergänge, Altenmarkt: 13.12.–4.4., jeden Mittwoch um 17 Uhr. Höchster Bauernmarkt der Alpen: von 10.3–17.3.2018 täglich. Traditionelle Produkte aus eigener Herstellung.

Weinverkostung mit österreichischen Topwinzern: 15.3.2018, ab 20 Uhr, in der Weltcuparena in Zauchensee.

Historic Ice Trophy, Oldtimer-Rallye: 24.–28.1.2018. http://historicicetrophy.at

Pauschale „Ski + Advent“: drei Übernachtungen und Skipass ab 275 Euro pro Person im Doppelzimmer.

Skifahren: Die Skisaison im Schneeloch Zauchensee läuft schon.
Info: www.altenmarkt-zauchensee.at

Compliance-Hinweis: Die Reise wurde von Zauchensee-Altenmarkt Tourismus unterstützt.

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