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Schneemann Valle gefällt es auch in St. Johann in Tirol

13.02.2018 | 09:23 |  GEORG WEINDL (Die Presse)

Skitechnisch lange Zeit eine Art Mauerblümchen zwischen den Wintersportriesen Kitzbühel und Skiwelt Wilder Kaiser, hat nun der schwedische Konzern SkiStar das Gebiet übernommen, und siehe: Im ersten schwedischen Skigebiet der Alpen gibts viel Neues.

Die schwedische SkiStar-Gruppe investierte in St. Johann in eine neue Zehnerkabinenbahn und eine Sechsersesselbahn (r.) aufs Kitzbüheler Horn. / Bild: (c) Ola Matsson 

Wie ein Rennläufer sieht Valle nicht gerade aus. Eine ziemlich barocke Figur, zum knallweißen Outfit trägt er einen leuchtend roten Helm mit weißem Streifen und eine große Skibrille über der rübenartigen Nase. Aber Valle soll ja auch keine Geschwindigkeitsrekorde brechen.

Der rundliche Schneemann ist das Maskottchen der Skigebiete von SkiStar – zumindest in Skandinavien bei den Kindern so bekannt wie ein bunter Hund. Bei dem schwedischen Wintersportkonzern SkiStar repräsentiert Valle umfangreiche Familienangebote mit Skischulen, Kinderhorts, Spielen und vielen anderen Aktivitäten. Bislang war er nur in den Skigebieten Sälen, Åre, Vemdalen, Hemsedal und Trysil in Norwegen und Schweden aktiv. Aber jetzt ist Valle auch in den Tiroler Bergen angekommen.

2016 hat SkiStar die Mehrheit an dem St. Johanner Skigebiet übernommen, das sich mit 17 Liften und 43 Pistenkilometern auf der Nordseite des Kitzbüheler Horns ausbreitet und in direkter Lage zwischen den ungleich größeren Konkurrenten in Kitzbühel und der Skiwelt Wilder Kaiser – Brixental zuletzt eine sehr wechselhafte und nicht immer einfache Geschichte hatte. St. Johann ist keine klassische alpine Schönheit. Eine Stadt mit etwas mehr als 8000 Einwohnern, einem Ortskern aus klassischen Bürgerhäusern, Hotels und Gewerbe und einem breiten Gürtel aus Betrieben und Kaufhäusern entlang der Loferer Bundesstraße. Was St. Johann in touristischer Hinsicht aber interessant macht, das ist seine Lage zwischen den riesigen Skigebieten von Kitzbühel und der Skiwelt – und dazu dem durch den Zusammenschluss mit Saalbach, Hinterglemm und Leogang zu den ganz Großen aufgeschlossenen Nachbarort Fieberbrunn.

Eine Werkbank im Foyer

Diese strategisch günstige Lage dürfte auch für die schwedischen Manager ein Argument gewesen sein, sich im Tiroler Unterland anzusiedeln. „St. Johann eignet sich hervorragend dazu, es als Familienskigebiet in den Alpen unter dem Konzept von SkiStar anzubieten“, meint dazu Mats Arjes, Vorstandsvorsitzender der SkiStar AB.

Und es tut sich in der Tat einiges in St. Johann. Die Schweden investierten in zwei neue Seilbahnen, eine Zehner-Kabinenbahn und eine Sechser-Sesselbahn, die in diesem Winter Premiere hatten. Neben der Talstation der neuen Kabinenbahn am Eichenhof eröffnete vor zwei Jahren ein stattliches Viersternehotel der zum Rewe-Konzern gehörenden LTI-Hotelgruppe.

Wenn man durch das Zentrum von St. Johann, am besten in Ost-West-Richtung, vorbeispaziert am großen Bezirkskrankenhaus und der zweitältesten Tiroler Brauerei Huber mit ihrem markanten Turm, der ein Gasthaus beherbergt, dann fällt schnell auf, dass hier neue Hotels aus dem Boden sprießen. Ganz im Westen steht das neue Explorer-Hotel, das mit trendigem Ambiente samt kostengünstiger Raumökonomie und als klimaneutrales Passivhaus wirbt. Die Zimmer sind eng und bunt. Im Foyer steht eine große Werkbank, wo im Sommer die Biker und im Winter die Skifahrer und Boarder an ihrem Gerät schrauben können.

Richtung Zentrum entlang der Speckbacherstraße sind es bis zum COOEE-Alpin-Hotel direkt beim Hochfeldlift nur ein paar Schritte. Der lange helle Bau mit den vielen Holzbalkonen ist weniger für seinen gewöhnungsbedürftigen Namen als für seine Bauherren bekannt. Es war das erste der Low-Budget-Familienhotels von Hermann und Rainer Schönfelder. Geht man weiter Richtung Zentrum, begegnet einem direkt am Bahnübergang rechts das ebenfalls neue Cubo Sport & Art Hotel mit farbenkräftigem modernen Interieur und einer aussichtsreichen Sky Lounge als Aushängeschild.

St. Johann erlebt einen zweiten Frühling, könnte man meinen. „In Oberndorf sind noch zwei weitere Hotelprojekte, darunter ein Chalethotel mit insgesamt 550 Betten, in Planung“, verrät der St. Johanner Tourismuschef Gernot Riedel.

Riesengebiet im Verbund

Skigebiete sehen sich heute nicht mehr nur als Konkurrenz, sie suchen mehr die Zusammenarbeit, schließen sich zusammen und verkaufen Verbund-Skipässe. Davon profitieren auch die Gäste in St. Johann, die mit der Super Ski Card nicht nur St. Johann mit den großen Nachbargebieten, sondern insgesamt 23 Gebiete befahren können. Dass man da als Neuling die Übersicht verlieren kann, ist ziemlich wahrscheinlich. Deshalb bieten die St. Johanner Skischulen auch geführte Touren an.

Die größte Skisafari der Welt nennen sie das – die führt mit einheimischen Guides quer durch die Skiwelt Wilder Kaiser-Brixental, Kitzbühel sowie Saalbach, Hinterglemm, Leogang, Fieberbrunn. Das Guiding gibt es bis 23. März zum Preis von 240 Euro inklusive Skipass, aber ohne Unterkunft.

Man könnte aber auch in St. Johann bleiben, auf den Nordhängen des Kitzbüheler Horns diverse sportliche Abfahrten – wie die Piste vom Penzing nach Oberndorf oder von der Harschbichl-Bergstation runter zur Mittelstation – kurven und carven. Da ginge sich auch ein Einkehrschwung bei der Angerer Alm (siehe Bericht links, Seite R2) aus, wo gute Küche und ein bestens bestückter Weinkeller locken. Und der Blick von der Terrasse hinüber zum Kaiser ist in Going oder Kitzbühel auch nicht besser. www.skistar.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.02.2018)

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