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CreativeClass Linz: Inner Dress

01.06.2016 | 16:57 |   (Die Presse - Schaufenster)

Architektur, Mode, Philosophie, Kunst, Musik: Ein oberösterreichisches Kollektiv bringt ein interdisziplinäres Projekt zur Architekturbiennale nach Venedig.

Bild: Sabine Stieger 

Mit einem sehr ergeizigen und wahrhaft interdisziplinären Projekt hat sich ein Kollektiv fünf gebürtiger Oberösterreicher zur Architekturbiennale nach Venedig aufgemacht. Im Palazzo Mora wird noch bis Ende November die Installation "Inner Dress" gezeigt, die Ansätze aus Philosophie, Musik, Kunst, Architektur und Mode vereint.

Isa Stein, Thomas Kirchgrabner, Barbara Wetzlmair, Maximilian Lehner und Jakob Kaiser haben gemeinsam den "Inner Dress" konzipiert: Zur Ebene der textilen Skulptur gesellen sich eine Tonspur, eine Videoarbeit, ein umfassend gesellschaftspolitischer Anspruch.


Seit wann laufen die Vorbereitungen zum Biennale-Auftritt?

Erstmals wurden das ISA STEIN Studio im Juni 2015 von der holländischen Non Profit Organisation GAA Foundation kontaktiert. Bei einem zufälligen gemeinsamen Treffen haben wir begonnen, über die Beteiligung an der Biennale zu diskutieren und befunden, dass es eine schöne Möglichkeit ist ein Projekt an der Schnittstelle Mode/Kunst/Philosophie/Musik/Architektur zu präsentieren. Die Disziplinen berühren und beeinflussen sich immer wieder.

Jakob Kaiser / Bild: Jakob Kaiser 

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Was ist das Thema von Inner Dress, geht es um Grenzgänge zwischen Drinnen und Draußen?

Das Thema Inner Dress entwickelt sich vom Terminus der Apega weiter. Apega, auch als die erste Eiserne Jungfrau bezeichnet, ist ein Folterinstrument, das unter den Gewändern an Armen, Händen und Brüsten spitze Nägel trug. Weigerte sich nun ein Bürger, Tribut zu zahlen, so habe ihn die eiserne Apega an die Brust genommen, bis er nachgab oder zu Tode gebracht wurde. The Inner Dress beabsichtigt, gewisse geschichtliche Verzerrungen zu korrigieren und anhand neuer, weicher Materialien durch Wohlbefinden der Gerechtigkeit entgegenzusetzen, die nicht nur Gleichberechtigung von Männern und Frauen, sondern vielmehr einen generellen Wandel der Gesellschaft mit gewaltfreien Lösungen zum Ziel hat.

Wie reflektiert sich das in der gewählten Form?

Die gewählte Form der Positionierung des Kleides im Raum, verbunden mit einer Linie am Boden (Assoziativgesetz) und dem Bildschirm an der Wand bilden eine Raumkomposition. Es ist ein Spiel mit Innen und Außen, der Materialität, sowie von verschiedenen Geschwindigkeiten und Wahrnehmungen.
In den Hosen sind Mikrophone angebracht, die die Schritte um das INNER DRESS aufnehmen und mittels einer Transformation im INNER DRESS durch Kopfhörer übertragen. Das audio Spiel mit der Außenwelt, den Einflüssen und den letztlich gedanklichen Übertragungen führen den Blick zum Bildschirm, der eine Explosion eines Gebäudes von Innen zeigt.

Jakob Kaiser / Bild: Jakob Kaiser 

Architektur, Kunst, Musik, Philosophie, Mode - ist der Inner Dress ein Gesamtkunstwerk?


Wir haben einen klaren interdisziplinären Ansatz gewählt, da verschiedene Disziplinen notwendig sind komplexe Thematiken zu begreifen.
INNER DRESS ist ein Gesamtkunstwerk. Alleine durch die Interpretation von INNER DRESS als erweitertes Kleid, also Behausung ist es Architektur, und als Kleid an sich ist es Skulptur – also Kunst.

Eine Kleiderskulptur bei der Architekturbiennale: Ist Mode auch Behausung?

Das vorliegende Projekt ist an der Schnittstelle von Architektur, Bekleidung, Musik und Philosophie angesiedelt. Ausgangspunkt war das persönliche Interesse nach Berührungspunkten untereinander und nach den Grenzen zu fragen: In welchem Verhältnis stehen sie gegenwärtig zueinander?
Kleidung und Behausung nehmen beide gleichermaßen eine Schutzfunktion ein. Sie bewahren uns vor Kälte und vor allen Formen von Witterung. Ihre Funktionen ergänzen oder ersetzen sich bis zu einem gewissen Grad gegenseitig; wenn wir ein Haus betreten, legen wir bei kaltem Wetter oder Regen unsere Überbekleidung ab und ziehen sie wieder an, wenn wie es verlassen. Kleider bieten wie Häuser Schutz, weil sie aber dem Körper näher sind und an ihm getragen werden, sind sie im Gegensatz zu Häusern tragbar. Die Psychoanalyse deutet das Haus oftmals als Symbol für die Mutter und den Mutterleib; das Haus, das in seiner Funktion immer die Referenz für Kleidung darstellt, das mit Bekleidung durch sein Außen-Sein und seinen Schutz soviel gemeinsam hat und verglichen werden muss.

Weitere Informationen auf www.palazzomora.org

(dk)

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