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MdW: Offenheit als Programm

17.05.2017 | 12:24 |  von Wilhelm Sinkovicz (Die Presse - Schaufenster)

Zwei Jahrhunderte künstlerische Ausbildung – die Wiener Musikuniversität MDW feiert und kann Bilanz ziehen.

Die Wiener Musikuniversität mdw. / Bild: (c) Marcell Nimfuehr / Kollektiv Fischka 

Allein die Namen, denen Interessenten auf ihrer Spurensuche begegnen, sind respektgebietend und signalisieren, welcher Stellenwert einem solchen Institut in der vielgerühmten Musikstadt Wien von Anfang an zukam. Dass die mdw heute ein Anziehungspunkt für junge Musiker, für angehende Komponisten und Dirigenten, Instrumentalisten und Sänger, aber auch Schauspieler und Regisseure ist, kommt nicht von ungefähr. Aus aller Welt strömen sie nach Wien, um hier ihr Handwerk zu erlernen.

Immerhin steht ein Mann am Anfang all dieser kunstpädagogischen Bemühungen, der schon Meister vom Format Ludwig van Beethovens und Franz Schuberts ausgebildet hatte: Antonio Salieri eröffnete 1817 eine Singschule, aus der bald das Konservatorium hervorgehen sollte, das in den folgenden drei Jahrzehnten immer breitere Aktivitäten entfaltete. Geiger und Pianisten holten sich in jenen Jahren der Etablierung dessen, was wir heute als „bürgerlichen Konzertbetrieb“ bezeichnen, den letzten Schliff zur Professionalität. Eine Unterbrechung im Zuge der revolutionären Wirren von 1848 war nicht von langer Dauer. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kamen die Musiker der Wiener Hofoper ebenso wie viele Schauspieler des Ensembles des Burgtheaters aus der Kaderschmiede. Das Konservatorium bezog Räumlichkeiten im neu errichteten Musikvereins-Gebäude – und in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts wurde die dieserart immer weiter perfektionierte Künstler-Ausbildung verstaatlicht. Ab 1920 hieß das Konservatorium dann „Staatsakademie“ – dass wir heute ein Akademietheater haben, hat mit dieser Nomenklatur zu tun, wobei Max Reinhardt seine Theater-Klasse, die heute seinen Namen trägt, im Schönbrunner Schlosstheater etablierte, es dient seit 1928 ­­­der universitären Sache – und gehört längst zum Verband der Universität.

 

(c) Historisches Archiv / Vetmeduni (Bernkopf Michael / Vetmediathek) Historische Aufnahme der Vetmed. Historische Aufnahme der Vetmed. / Bild: (c) Historisches Archiv / Vetmeduni (Bernkopf Michael / Vetmediathek) 

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Zu den Rektoren der Akademie gehörte unter anderem der so vielseitig begabte Franz Schmidt, Cellist der Philharmoniker, meisterhafter Pianist und Komponist der zu Ende gehenden Spätromantik, der trotz aller stilistischen Differenzen dafür sorgte, dass auch die Wiener Moderne in den akademischen Hallen gehört wurde: Er studierte mit seinen Studenten unter anderem eine der radikalsten Kompositionen seines gleichaltrigen Antipoden Arnold Schönbergs, den „Pierrot Lunaire“, ein.

Offenheit gegenüber zeitgenössischen Ausdrucksformen gehörte – die Jahre der NS-Diktatur ausgenommen – stets zum Programm der seit 1970 zur Hochschule avancierten Akademie. Schon Anfang der Sechzigerjahre konnten sich Komponisten mit elektronischer Musik beschäftigen, bereits 1952 war der Film akademisch geworden: die Grundlagen der heutigen Filmakademie waren gelegt.

(c) Marcell Nimfuehr / Kollektiv Fischka / Bild: (c) Marcell Nimfuehr / Kollektiv Fischka 

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Knapp vor der Jahrtausendwende konnte dann der Campus auf dem Gelände der alten Veterinärmedizin bezogen werden: Seit 2002 ist man Universität – und im November 2015 ist die mdw mit der Angelobung der ersten Rektorin, Ulrike Sych, endgültig im neuen Äon angekommen. Happy Birthday!

Tipp:

Am ­15. Juni wird das gesamte Konzerthaus bespielt, u.  a. mit Franz Welser-Möst, Willi Resetarits, Mnozil Brass. mdw200.at/aufspiel

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