24.04.2012 11:54

Vom Rockzwang und Beinkleid

von Jacqueline Nowikovsky    

 

Was hat man der Frau nicht alles wegen ihrer Kleidung schon nachgesagt. Ist sie zu züchtig gekleidet, wird sie als verhärmte Jungfer abgestempelt. Trägt sie wenig und das Bisschen ist auch noch sexy, gilt sie als leichtes Mädchen. Ob in Birkenstock-Sandalen oder High Heels, ob im Unisex Overall oder im „damen-haften“ Zweiteiler – jedes stereotype Frauenklischee findet im Kleiderstil seine Entsprechung. Weibliche Ansinnen und selbstbestimmten Wünsche drücken sich natürlich auch durch die Kleiderwahl aus. Jedoch: Egal ob BHs verbrannt oder Hosen angezogen werden, eine ideologische Weiterverwertung lässt meist nicht lange auf sich warten.

Eine gefühlte Ewigkeit dauerte es dennoch, bis Frauen in Hosen gesellschaftlich akzeptiert wurden. Der Kampf gegen den Rockzwang war unmittelbar mit einer ersten Emanzipationsbewegung verbunden. Zwar ist das Bild Marlene Dietrichs im Hosenanzug heute ein Vorbild...

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von Jacqueline Nowikovsky    

Wenn die Kaufhauskette Peek & Cloppenburg heute ihre neue Frühlingskampagne startet, werden anstelle von professionellen Models wieder „Real People“ auftreten. Spannend sind vor allem die echten Leben dieser „Real People“. Denn  bei den Testimonials handelt es sich diesmal um Künstler der Wiener Akademie der Bildenden Künste. Und die machen mit ihren eigenen künstlerischen Arbeiten eine noch bessere Figur, als sich auf den Werbeplakaten erahnen lässt – Ein Blick hinter die Werbefassade.  

Nach der Hautpflegemarke Dove hat auch das Textilunternehmen vor einiger Zeit „echte Menschen“ aus spezifischen Berufsgruppen für sich entdeckt. So zierten bereits Krimiautoren, Hundeschlittenfahrer und Segler die Werbekampagnen des deutschen Modefilialisten. Ab jetzt schmücken Talente der Akademie der Bildenden Künste Wien die Annoncen. Dass sie nun von riesigen Plakatwänden lachen,...

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von Jacqueline Nowikovsky    

Wer ist Damien Hirst? Der innovativste Künstler, den der Kunstmarkt je hervor gebracht hat? Der zynischste Bösewicht, der den Turbokapitalismus in die Kunstwelt eingeführt hat? Der genialste Selbstvermarkter, von dem die Werbeindustrie noch Unterricht in Sachen Hype-und-Celebrity-Erzeugung nehmen kann? Der beste Anlagetipp für Hedgefonds Manager mit Sinn für dekorative Raumgestaltung? Ganz gleich, ob man seine Kunst mit Naserümpfen quittiert oder ihn für seine kreativen Bildschöpfungen bewundert, eines ist unbestritten: Damien Hirst schreibt Geschichte. Aber was für eine Geschichte? 

Die Tate Modern ehrt die britische Ausnahmeerscheinung jetzt mit einer Retrospektive, die von 4. April bis 9. September in London zu sehen ist. Es ist zugleich die größte Solo-Ausstellung, die ihm je gewidmet wurde. Nächstes Jahr folgt eine Schau in der Albertina Wien. Anlass genug diese Ausstellung vorweg zu besuchen, die in...

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von Jacqueline Nowikovsky    

Die Tate Modern zeigt eine große Yayoi Kusama Retrospektive. Doch die japanische Künstlerin steht auch beim Luxuslabel Louis Vuitton im Mittelpunkt. 

Wer nach London fährt, kann sich bereits jetzt am olympischen Gedanken erfreuen. Denn die Stadt an der Themse rüstet sich nicht nur in sportlichen Belangen für die Olympischen Spiele. Auch in kultureller Hinsicht überbieten sich die Museen mit rekordträchtigen Schauen. In der Tate Gallery of Modern Art wird das Jahr 2012 von Einzelausstellungen geprägt, die jeweils außergewöhnlichen Künstlerpersönlichkeiten gewidmet sind. Derzeit punktet die Tate Modern mit Yayoi Kusama. Gezeigt wird das Lebenswerk einer der wichtigsten zeitgenössischen Künstlerinnen Japans. Die 1929 geborenen Kusama  prägte das avantgardistische New York der 1960er Jahre neben Größen wie Andy Warhol ebenso, wie sie ihre vielseitigen Arbeiten in allen...

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von Jacqueline Nowikovsky    

Ein Plafond aus bunten Lichtspielen erleuchtet den Himmel über Wien. Mehr über das Werk der Künstlerin Pipilotti Rist, die mit Farbabenteuern die graue Ödnis des Alltags aufhellt. 

Seit knapp einem Jahr ragt das neuerbaute Sofitel am Donaukanal empor. Für den Entwurf des monochromen Hotelbaus zeichnet Stararchitekt Jean Nouvel verantwortlich. An mehreren Ebenen jedoch strahlt eine bunte Decke über dem schwarz-weiß-grauen Farbkonzept. Am intensivsten leuchtet der Plafond im letzten Stockwerk. Farbenfroh erhellt er nicht nur das Panorama-Restaurant, sondern thront nachts wie eine Fantasiewolke über den Dächern von Wien. Dieses Deckenkunstwerk hat die Videokünstlerin Pipilotti Rist gestaltet.

Es mag erstaunen, dass Jean Nouvel als  Meister des strikten Minimalismus explizit auf die Zusammenarbeit mit einer Künstlerin bestand, deren Arbeiten in erster Linie wie Hymnen an losgelöste Buntheit...

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von Jacqueline Nowikovsky    

Der Enkel von Sigmund Freund verstarb vergangenen Sommer im Alter von 88 Jahren. Nun ist ihm in London eine umfassende Retrospektive gewidmet, die in 130 jener Werke zeigt, die er im Laufe seiner 70-jährigen Schaffensperiode fertigte. Vor allem aber zeigt die Schau, auf welch innige Weise der Maler eine Beziehung mit jenen Menschen aufbaute, die für seine Portraits Modell standen. 

Das Spektrum von Lucian Freuds Modellen war eklektisches: Er malte englische Hocharistokratie und kriminelle Unterweltler, Starmodel Kate Moss und den Magnaten Baron Thyssen-Bornemisza. Er malte Künstlerkollegen David Hockney, Frank Auerbach oder Francis Bacon. Der National Portrait Gallery gelang es auch die frühen, im Stil noch deutlich unterschiedlichen Bilder seiner Lebensgefährtinnen und Töchter für die Ausstellung zu gewinnen (insgesamt ist von 14 Kindern Freuds die Rede – zumindest nach offizieller Zählweise)....

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03.02.2012 14:42

Alchemie im White Cube

von Jacqueline Nowikovsky    

Der deutsche Künstler Anselm Kiefer, der jüngst durch den Privatkauf eines Atomreaktors  von sich Reden machte, zeigt eine Werkschau, die den Titel „Il Mistero Delle Cattedrali“ trägt. Darin setzt er sich mit Alchemie und den Kathedralen der Gegenwart auseinander.  Über die Bedeutung des „weißen Kubus“ für den Kunstmarkt, darüber wie eine kommerzielle Verkaufsfläche zur quasireligiösen Andacht verleiten will und über die Magie des Anselm Kiefer.

 

Jay Joping betreibt mit seiner White Cube Galerie eine der wichtigsten Zentren für zeitgenössische Kunst. Die Liste der von ihm vertretenen Künstler liest sich wie ein Who Is Who der Gegenwartskunst: Von Damien Hirst zu Tracey Emin, über Andreas Gursky und die Chapman Brüder, hin zu Baselitz und Kiefer – You name it. Doch wer große Namen vertritt, muss diesen auch die gebotene Ehre erweisen. Und...

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30.01.2012 16:20

A bigger Picture

von Jacqueline Nowikovsky    

Die Royal Academy London zeigt derzeit die Landschaftsbilder des Malers David Hockney. Bemerkenswert an den farbintensiven Bildern ist ihr Spiel mit der Zeit. 

Wälder und Felder vergegenwärtigen durch die Jahreszeiten hinweg auf ganz eigene Weise welche Spuren die Zeit hinterlässt: Im Wechselspiel der Monate wird der zeitlichen Wandel farbenreich vor Augen geführt. Wo blühende oder karge, sonnendurchflutete oder verschneite Landschaften selber bereits etwas magisch Malerisches haben, mag man sich fragen, was ein Künstler dem prächtigen Naturschauspiel hinzuzufügen hat. David Hockney hat darauf mannigfaltige Antworten.  

Der britische Künstler ließ sich früh in Los Angeles nieder und bald wurden die Swimmingpool Bilder zu seinem Markenzeichen. Halbnackte im kühlen Nass unter kalifornischer Sonne.  Wer die Bilder für oberflächlich hält, dem entgegnete Hockney...

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von Jacqueline Nowikovsky    

Der Mailänder Künstler Francesco Vezzoli hat sich mit Prada zusammen getan um etwas völlig einzigartiges zu erschaffen. Angelehnt am Konzept der in letzter Zeit florierenden Pop-Up Stores, erschafft er das 24 Hours Museum. Dabei handelt es sich um ein Konzept das sich an eine Idee der jüngeren Modegeschichte anlehnt, bei dem ein Laden nur für wenige Tage seine Zelte aufschlägt, an möglichst originellen Orten wie Brauereien, Hotellobbys oder Eissalons, die im Winter geschlossen haben.

Vezzoli und Prada gehen standesgemäß aber nicht in einen schnöden Eissalon, sondern bespielen den Palais d´ Iéna in Paris, einem Prachtbau aus dem Jahre 1937 von Auguste Perret. Nun wird also der Künstler Francesco Vezzoli, der bereits mit Lady Gaga arbeitete und das Spiel mit Berühmtheiten bzw. deren Laster in Szene setzt, wie kein anderer, in diesem Palais ein Museum eröffnet, das nur für 24 Stunden...

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17.01.2012 11:04

Denk mal übers Denkmal nach

von Jacqueline Nowikovsky    

Im Frühjahr 2009 startete eine Initiative den Open Call zur Umgestaltung eines Denkmals. „Stein“ des Anstoßes war die Statue des Wiener Bürgermeisters Karl Lueger, die im ersten Bezirk prunkvoll über den Stubenring ragt. Der Aufruf die Statue umzugestalten bewegte rund 220 Architekten und Künstler dazu, einen Gegenentwurf zum Denkmal von 1926 einzureichen. 

Grund für den Aufruf war die Empörung darüber, dass das Stadtbild von Wien durch die Präsenz eines Mannes mitgestaltet wird, dessen Antisemitismus unleugbar ist, der mit antisemitischen Reden Einzug in den Gemeinderat und die  Geschichtsbücher hielt, und sich damit auch einen Platz in Hitlers „Mein Kampf“ erwirkte, wo er als „gewaltigste[r] deutsche[r]  Bürgermeister aller Zeiten“ gelobt wurde.  Nachwirkungen zeigen seine Aussagen bis heute: Wo Lueger skandierte „Wien darf nicht Groß-Jerusalem...

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Über die Autorin

Jacqueline Nowikovsky arbeitete für den Schweizer Galeristen Jan Krugier, dessen Auge sowohl als Händler als auch als Sammler legendär war (seine Privatsammlung war 2005 unter dem Titel “Goya bis Picasso” in der Albertina zu sehen). Mehr »