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Die Ich-Pleite: Putzfrau

22.03.2017 | 13:13 |  von Annemarie (Die Presse - Schaufenster)

Ich frage mich wirklich, wie man seine Wohnung halbwegs in Schuss halten soll, wenn man keine Putzfrau hat!

 

Meine Putzfrau putzt bei mir schon seit der Zeit, als Polen noch nicht bei der EU war. Von Zeit zu Zeit erhöhe ich ihren Stundenlohn. Zum Ausgleich arbeitet sie ein bisschen weniger. Aber aus gesundheitlichen Gründen. Sie hat nämlich schon sehr jung einen Herzinfarkt bekommen. Danach hat ihr der Arzt das Putzen verboten. Zu anstrengend. Deshalb hat sie auch bei der Reinigungsfirma aufgehört, bei der sie angestellt war. Das AMS hat ihr eine Umschulung finanziert, und jetzt ist sie glückliche Altenpflegerin. Ihre Privatputzplätze hat sie aber behalten. Damit spart sie sich ihre Städtereisen zusammen. Vergangenes Jahr war sie in New York, Barcelona, Mailand, Rom, London und Paris. Heuer möchte sie nach Tokio fliegen. Seit dem Herzinfarkt hat sie mit dem Fensterputzen aufhören müssen.

Kein Wunder! Seit ich es wieder selbst mache, merke ich, wie anstrengend das ist! Aber sonst kann meine Putzfrau noch alles machen! Außer bügeln. Das lange gebückte Stehen und die Hitze sind natürlich nicht gut fürs Herz. Ich trage aber praktisch eh nur T-Shirts. Den Rest erledigt meine Putzfrau perfekt! Staubsaugen geht halt leider nicht mehr. Und Bücken ist auch schwierig seit dem Bandscheibenvorfall. Deshalb kommt sie auch nicht mehr so dazu, die Küchenkästchen und den Boden zu putzen. Aber der ganze Schmutz, der sich in Hüfthöhe angesammelt hat, wird 1a beseitigt! Das einzige Problem ist, dass ich von Woche zu Woche weniger Arbeit für sie finde. Aber bei einer Putzfrau, die man schon so lang kennt, zählt sowieso mehr die persönliche Bindung. So viele Menschen gibt es ja nicht, die sonst noch einen Schlüssel zu meiner Wohnung hätten.

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