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Die Ich-Pleite: Im Café

31.03.2017 | 15:08 |  von Annemarie (Die Presse - Schaufenster)

Manche Dinge schließen sich einfach aus. Zum Beispiel kann man nicht gleichzeitig fructose-lactose-intolerant sein und weiterhin den coolen Caffè-Latte-Bobo spielen.

 

Oder man kann schon. Aber dann wird man entweder Blähungen bekommen oder den Caffè Latte lediglich als Tischdekoration verwenden können. Aber es gibt auch noch eine dritte Möglichkeit. Die ist allerdings ein bisschen aufwendig. Man braucht dafür eine große Tasche, gut verschließbare Behältnisse, Geschicklichkeit und Mut. Gut ist es auch, wenn man in dem betreffenden Café Stammgast ist. Da ist das Servierpersonal eher geneigt wegzuschauen. Die anderen Gäste tun das natürlich nicht. Sie stoßen sich gegenseitig an, lachen und zeigen mit dem Finger auf einen. Manche filmen einen vielleicht sogar und teilen das Video auf Snapchat. Die 387 Freunde sehen dann eine weibliche Person, die einen Caffè Latte „getrennt“ bekommt. Ein Glas heiße, geschäumte Milch, dazu einen Espresso.

Die Hälfte der Milch gießt die Person in das Wasserglas, das sie vorher ausgetrunken hat. Falls kein Wasserglas dabei war und die Person im Freien sitzt, gießt sie die Milch womöglich in die Grünabgrenzung oder (igitt!!!) auf den Asphalt! Dann schaut sie sich verstohlen um und füllt die Milch mit mitgebrachter Getreidemilch auf, fügt einen winzigen Teelöffel Espresso, weißes Pulver 1 (Laktase), weißes Pulver 2 (Traubenzucker) hinzu. Manchmal auch noch braunes Pulver (Guarana). Und dann trinkt die Person das alles! Vielleicht wird das Video sogar auf einer Kellner-Website unter „Rocky-Horror-Gäste-Show“ gepostet. Zusammen mit denen, die ihre Reiskörner abgezählt möchten. Die Person könnte natürlich auch einen Kamillentee bestellen. Aber das hieße aufgeben.

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