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Die Ich-Pleite: Bilder im Kopf

21.04.2017 | 14:37 |  von Annemarie (Die Presse - Schaufenster)

"Männer werden mit dem Alter besser", philosophiert meine Freundin Julia beim dritten Glas Rotwein.

 

Ihr Freund ist gerade 45 geworden. In meiner Vorstellung entstehen bestimmte Bilder. „Sie können nicht mehr so“, setzt Julia hinzu. Die bestimmten Bilder werden durch andere Bilder ersetzt. „Äh, und das ist gut?“, frage ich vorsichtig. „Ja, totaaaal! Ich bin sooo froh! Wir haben so oft gestritten deswegen! Ich habe immer zu ihm gesagt: Ich kann nicht mehr! Aber er – neinnein, es dauert eh nur mehr eine halbe Stunde!“ Darauf bestelle mir auch noch ein Glas. Ich versuche mich krampfhaft an das letzte Mal zu erinnern. Zu Weihnachten? Oder war es Weihnachten 20..? „Aber dann hat es doch immer noch eine Stunde gedauert!“ unterbricht Julia meine Gedanken. Ich denke: Deine Sorgen möchte ich haben! Und sage: „Und jetzt? Wie lange dauert es jetzt?“ Julia lacht. „Jetzt? Gar nichts mehr! Ich kann am Wochenende endlich Bücher lesen.

Stell dir das einmal vor!“ Ich kann mir das sehr gut vorstellen. Bücher-Lesen ist ja meine Haupt-Wochenendbeschäftigung! Neben Die-Wohnung-Putzen und Zierdeckchen-Sticken. „Aber was ist passiert?“ Julia lächelt hinterhältig. „Meniskus!“ Ich überlege: „Er hat Knieprobleme?“ Sie grinst und flüstert. „Cool, gell!?“ Okay, Nicht-Knien-Können ist bestimmt nicht gut, aber „... ihr könntet doch auch anders. Ich meine, es gibt bestimmte Möglichkeiten!?“ „Ja, sicher, wir können runterfahren. Aber das mag er nicht!“ In krame in meinem Gedächtnis nach etwas, auf das „runterfahren“ passen könnte. „Oder du könntest rauf ...?“ Jetzt schaut mich Julia verwirrt an. „Sag, wovon redest du eigentlich?“ Ich: „Äh, wieso? Wovon redest DU denn?“ „Vom Bergwandern natürlich!“ „Klar! Genau wie ich!“

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