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Die Ich-Pleite: Klimasünder-Hölle

10.11.2017 | 12:41 |  Annemarie (Die Presse - Schaufenster)

Die entscheidende Frage ist: Wird man moralisch schuldig, wenn man unwissentlich Schaden angerichtet hat?

Bild: DiePresse.com 

Sie werden sagen: Es kommt ganz darauf an, wie hoch die persönlichen Moralstandards sind. Die einen fühlen sich vielleicht schon schuldig, wenn sie beim Spazierengehen einen Marienkäfer zertreten, die anderen nicht einmal, wenn sie eine Atombombe gezündet haben. Und dazwischen gibt es jede Menge Graustufen. Wie ist es zum Beispiel mit der Britin, die vor ein paar Wochen zufällig allein in einem Flugzeug von Glasgow nach Kreta gesessen ist, weil die potenziellen anderen Griechenland-Urlauber alle daheim haben arbeiten müssen? Auf dem Foto lacht die 57-Jährige fröhlich in die Kamera. Wahrscheinlich, weil ihr nicht klar war, was für einen enormen CO2-Fußabdruck sie gerade hinterlassen hatte. Auf ihrem Flug hätte sie 1,2 Tonnen CO2-Emission verursacht, wenn die anderen 187 Fluggäste auch mitgeflogen wären. Nicht gerade Grünabgeordneten-Niveau, aber das hätte sie vielleicht mit einer höheren Baumspende kompensieren können. So waren es aber leider 224,4 Tonnen. Wenn sie diese Umweltsünde durch Verzicht wiedergutmachen wollte, müsste sie circa 30 Jahre lang das Autofahren unterlassen. Sie könnte auch 60 Jahre lang kein Fleisch essen. Beim Fleisch sind es übrigens vor allem die Kühe, die einem den Fußabdruck verderben. Weil ihre Verdauung so viel Methangas produziert. Da liegt offenbar eine Nahrungsmittelintoleranz vor. Aber was ist, wenn man weiter Fleisch essen, Auto fahren und fliegen will? Dann gibt es nur noch eines, das einen vor der Klimasünder-Hölle retten kann: Keine Kinder kriegen. Mit der Vermehrung von Menschen hinterlässt man nämlich den größten CO2-Fußabdruck.

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