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Die Ich-Pleite: Wasserschaden

16.03.2018 | 10:31 |  Annemarie (Die Presse - Schaufenster)

Das Schlimme an einem Wasserschaden ist ja nicht, dass man mitten in der Nacht einen Heidenschreck bekommt, weil es plötzlich von der Decke tropft.

Bild: (c) Carolina Frank 

Auch nicht, dass die Wohnung wochenlang nach feuchtem Keller riecht. Und nicht einmal, dass fünf von sechs Räumen hässliche gelbe Deckenflecken haben. Das Schlimme ist der viele Besuch in der Wohnung. Der Nachbar von oben, der sich wortreich entschuldigt. Der Hausverwalter, der den Schaden begutachtet. Der Versicherungsmensch, der die Begutachtung begutachtet. Und der Maler natürlich, der zwischen 7 und 8 Uhr in der Früh mit den Arbeiten anfangen will. Zu einem Zeitpunkt, an dem man eher ans Aufstehen denkt als ans Aufmachen der Wohnungstür. Aber es kommt noch schlimmer. Er ist den ganzen Tag da. Bei mir ist nie jemand den ganzen Tag da! Kein Mann, keine Freundinnen, keine Verwandten.

Vielleicht hat der Maler gemerkt, dass ich den ganzen Tag nie aufs Klo gegangen bin und mir nie ein Essen in der Küche gekocht habe. Dass ich alle zwei Sekunden auf die Uhr geschaut habe, wann es endlich 17 Uhr ist, kann er unmöglich gewusst haben. Denn gegen Abend hatte er Mitleid und hat mir angeboten, dass ich am nächsten Tag weggehen kann. "Ich kommen um sieben." Und mit einem Blick auf meine weit aufgerissenen Augen: "Ich kommen um acht. Dann Sie gehen!" Kann auch sein, dass es ihm zu unheimlich war, den ganzen Tag mit einer Verrückten in einer Wohnung eingesperrt zu sein. Das Blöde ist nur, dass ich morgen nicht im Kaffeehaus arbeiten kann. Denn ich soll vorsichtshalber meine wichtigsten Wertgegenstände mitnehmen, meint mein Freund. Und ich kann unmöglich mit drei Koffern voller Kleidung in meinem Stammcaf auftauchen!

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