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Randerscheinung: Revival

03.05.2017 | 13:41 |  Florian Asamer (Die Presse - Schaufenster)

Ich muss ja immer lachen, wenn ich irgendwo höre, es gibt ein Revival der 80er-Jahre.

 

Ich muss ja immer lachen, wenn ich irgendwo höre, es gibt ein Revival der 80er-Jahre (pardon, 1980er-Jahre muss man da ja sagen, was ich nicht verstehe, weil bis 2080 sind eben die 1980er die 80er, was denn bitte sonst?). Weil so ein Wiederaufkochen einer vergangenen Dekade aber nur ironisch gebrochen und als Zitat funktioniert, diese Phase aber damals schon nur ironisch gebrochen zu ertragen war, sind die 80er definitiv nicht revival-fähig. Weil niemals hat jemals jemand geglaubt, die 80er könnten funktionieren. Schon gar nicht währenddessen. Und wer glaubt, das sind bloße Mode- und Lifestylefragen, der irrt gewaltig: Natürlich lebt sich so ein weiteres Leben völlig anders, ob man beispielsweise mit Woodstock oder eben Wham! groß geworden ist. Aktuelle Trends und Moden dringen übrigens mittlerweilen nur noch über Umwege und erst zu mir vor, wenn sie schon wieder vorbei sind. Die Buben schauen mich nur mitleidig an, wenn ich mehrmals erfolglos versuche, eine Bottle zu flippen, weil das echt kein Mensch mehr macht. Ich bin ihnen inzwischen nicht einmal mehr peinlich, außer ich mache ganz extreme Sachen, wie auf einem belebten Platz unmotiviert einen Dab. Inzwischen habe ich den Verdacht, egal, um welche Sache es auch geht, diese gerät just in der Sekunde aus der Mode, in der ich davon erfahre. Deshalb darf auch niemand wissen, dass ich gern mit dem Fidget Spinner des Mittleren herumspiele, den er manchmal auf dem Esstisch liegen lässt. Ja, ich überlege sogar ernsthaft, mir einen eigenen zuzulegen. Aber natürlich wäre es unverantwortlich, dadurch den Erfolgslauf dieser wunderbar-sinnlosen Entwicklung zu gefährden. Und was sagen wir, wenn uns jemand fragt, wie die 2010er-Jahre so sind? Schulterzucken finde ich eine ziemlich passende Antwort.

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