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Brot backen

16.06.2017 | 16:34 |  Florian Asamer (Die Presse - Schaufenster)

Eigentlich wäre es ja recht naheliegend. Dass ich als notorischer Frühaufsteher und intensiver Küchennutzer trotzdem noch nie versucht habe, Brot zu backen, hat aber zwei gute Gründe.

Florian Asamer / Bild: Die Presse Schaufenster 

Erstens backe ich grundsätzlich nicht gerne: Weil das Backen belohnt immer den Erbsenzähler. Geht man spontan, nach Gefühl und verfügbaren Zutaten vor, klappt das nur selten. Zweitens habe ich an selbstgebackenes Brot durchwegs schlechte Erinnerungen: immer bröselig, pampig und geschmacklich – im besten Fall – neutral. Ich kann mich an sehr langes Kauen als Gast bei einem Freund erinnern, dessen Mutter selbst ihr Brot gebacken hat. Aber dann sind mir neulich ein paar Rezepte in die Hände gefallen und ich hab beim nächsten Einkauf geschlagene zwanzig Minuten vor dem Mehlregal verbracht. Weizen, Roggen, Dinkel, eh. Normal, Vollkorn, Vollkorn feinvermahlen auch. Glatt und universal ok. Aber jede Variante auch noch in Typen von niedrigen 400er Nummern bis zu 1000ern hinauf?

Ich habe dann drei Packerl Mehl gekauft, frischen Germ, und am nächsten Morgen hab ich den Germ in lauwarmem Wasser aufgelöst, verschiedene Mehlsorten gemischt – und geknetet. Und geknetet. Dann war es halb sieben und der Teig musste eine Stunde gehen. Was sich gut getroffen hat, weil die Küche so wahnsinnig ausgeschaut hat, dass unter einer Stunde Aufräumen eh nichts zu machen gewesen wäre. Danach musste der Teig noch einmal geknetet werden (ich spüre den Muskelkater in den Fingern sogar noch beim Zähneputzen), danach – endlich – für eine Stunde ins Backrohr. Obwohl es an diesem Tag zum Frühstück frisches Brot gab, hab ich doch gemerkt, dass die Buben lieber das gekaufte Brot vom Vorvortag gegessen haben. Ich weiß aber jetzt immerhin, warum der Bäcker so früh aufstehen muss.

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