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Randerscheinung: Mit Socken in der Wiese

10.11.2017 | 12:43 |  Florian Asamer (Die Presse - Schaufenster)

Und wieder habe ich es mir nicht verkneifen können.

Bild: DiePresse.com 

„Willst Du keine Haube aufsetzen? Es ist echt schon kalt jetzt!“, rufe ich dem Buben in die Morgendunkelheit hinterher. Dabei ist er inzwischen ja wirklich alt genug und ich eigentlich auch. Ich rede natürlich vom Mittleren (er ist 16), nicht vom Siebenjährigen. Aber das, was den Mädchen Leggings sind, ist den Buben das T-Shirt. Alles, was man mehr anziehen muss als ein kurzärmliges Leiberl, wird als absoluter, nach Kräften zu vermeidender Sonderfall angesehen. Würde ich nicht eingreifen, was ich mir jedes Mal aufs Neue wirklich, wirklich fest vornehme, wäre auch im November nur ein T-Shirt unter offener, dünner Übergangsjacke die Antwort auf 3,5 Grad und Morgenreif. Eine besondere Spezialität aller drei Söhne zu allen vier Jahreszeiten: mit den Socken in die Wiese. Was ich überhaupt nicht nachvollziehen kann. Denn in den berühmt-berüchtigten Monaten mit R sind die Socken sofort patschnass, und in jenen ohne R kann man doch um Himmels willen gleich barfuß gehen. Doch das mit dem Temperaturempfinden ist überhaupt eine mysteriöse Sache. Ab wann jemand schon und ein anderer noch nicht friert, gehört zu den größeren Geheimnissen der menschlichen Biologie. Aber man kann sich schon noch erinnern, wenn man es wirklich versucht, ein junger Mensch, der wächst und gedeiht, ist ein Kraftwerk, in dem es ständig heizt. Apropos: Weil man so viel über die Gerüche und Geschmäcker der Kindheit liest: Wirklich stark, unbarmherzig und in der Form später nicht mehr gekannt ist der Durst. Der Mittlere ist jedenfalls inzwischen verschwunden, ohne Haube natürlich und mit offener Jacke. Dafür muss der Jüngste gleich Haube, Anorak und Handschuhe anziehen. Wozu hat man denn einen Nachzügler?

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